CC BY-NC-ND 4.0 · Pädiatrie up2date 2018; 13(04): 303-321
DOI: 10.1055/s-0043-115419
Entwicklung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das frühkindliche Spielverhalten – ein Spiegel der kognitiven Entwicklung

Jessica Bonhoeffer
,
Oskar Jenni
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Publication Date:
10 December 2018 (online)

Jedes gesunde Kind verbringt die meiste wache Zeit spielend. Fachleute beurteilen anhand von Spielsituationen den kognitiven, motorischen und sozialen Entwicklungsstand eines Kindes: Wie entwickelt sich das kindliche Spiel und ist das Spiel wirklich ein Spiegel der späteren kognitiven Leistungsfähigkeit? Der Beitrag beschreibt die Entwicklung des Spiels in den ersten Lebensjahren und gibt Anregungen zum Spielen für Diagnostik und Therapie.

Kernaussagen
  • Eine Aktivität gilt als Spiel, wenn das Kind aus einem inneren Antrieb das macht, worauf es gerade Lust hat. Das Spiel hat kein Ziel, sondern die Handlung selbst steht im Vordergrund.

  • In der Literatur gibt es keine allgemein akzeptierte Definition für das Spiel. Entsprechend zahlreich sind die Beschreibungen des Spielverhaltens von Kindern.

  • Durch Beobachtung des kindlichen Spiels und der verschiedenen Spielformen können Rückschlüsse über den Entwicklungsstand eines Kindes gezogen werden.

  • Eine Besonderheit des kindlichen Spielverhaltens sind die große Variabilität von Kind zu Kind und die typischen Geschlechtsunterschiede zwischen Knaben und Mädchen.

  • Ausreichende Kenntnisse über die normale Entwicklung des Spiels sind Voraussetzung zur Interpretation von Entwicklungstests im frühen Kindesalter.

  • Das Entwicklungsalter (EA) entspricht demjenigen Alter, in welchem eine Spielaufgabe von der Hälfte aller Kinder (50. Perzentile) erfüllt wird. Das Entwicklungsalter stellt eine grobe Vereinfachung dar, kann aber in der Beratung von Familien sehr hilfreich sein.

  • Die interindividuelle Variabilität beschreibt die Bandbreite, in der die Entwicklungsschritte bei den unterschiedlichen Kindern zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten. Diese kann sich über einen Zeitraum von 8 – 12 Monaten (oder bei älteren Kindern sogar über einen noch längeren Zeitraum) erstrecken.

  • Grundsätzlich zeigen Kinder mit Entwicklungsstörungen denselben Entwicklungsverlauf im Spiel wie gesunde, sich normal entwickelnde Kinder.

  • Je ausgeprägter ein Entwicklungsrückstand im frühen Kindesalter ist, desto eher wird das Kind auch zu einem späteren Zeitpunkt in seiner Entwicklung zurückbleiben.