Z Phytother 2017; 38(04): 145-146
DOI: 10.1055/s-0043-115596
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Facts – no Fakes

Matthias F. Melzig
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Publication Date:
04 September 2017 (online)

Die gegenwärtige Diskussion in vielen Medien wird davon beherrscht, dass Wahrheiten oder vermeintliche Wahrheiten auf allen Gebieten verbreitet und diese von tatsächlichen oder selbsternannten Spezialisten immer wieder reflektiert und bewertet werden. Eines dieser Themen ist die Naturheilkunde und dabei spielt natürlich die Phytotherapie als „Besondere Therapierichtung“ eine Rolle, die oft in unzulässiger Art und Weise mit anderen Therapierichtungen in einen Topf geworfen wird und dann, nicht selten, das Etikett „unwissenschaftlich“ aufgeklebt bekommt. Hier muss die „Scientific Community“ Einspruch erheben und die Fakten darstellen!

Der vielbeschworene „Faktencheck“ sollte zunächst auf belastbarem Datenmaterial beruhen, das aus anerkannten Quellen stammt und Ausgangspunkt für eine wissenschaftliche Recherche darstellt, wie z. B. MedLine, eine der größten öffentlich zugänglichen Datenbanken, die vom US-amerikanischen National Center for Biotechnology Information (NCBI) gepflegt und weltweit für solche Zwecke genutzt wird. Grundlage für diese Datenbank ist die internationale Fachliteratur aus allen Bereichen der Medizin, mit rund 21 Millionen Artikeln aus etwa 4500 Zeitschriften.

Schaut man sich die Anzahl der wissenschaftlichen Artikel zum Themengebiet „Phytotherapie“ in internationalen, von Fachexperten begutachteten Zeitschriften auf der Basis einer einfachen Abfrage unter Verwendung des Stichwortes „Phytotherapy“ an, so ergibt sich ein eindrucksvolles Bild ([ Abb. 1 ]). Die Abbildung verdeutlicht, dass in den letzten ca. 30 Jahren weltweit enorme Anstrengungen unternommen worden sind, die Phytotherapie wissenschaftlich abzusichern und ihren Stellenwert in der Therapie zu erkennen. Bei näherer Betrachtung der Autoren und ihrer Herkunft wird auch deutlich, dass diese Zunahme Ausdruck der Anstrengungen auf allen Kontinenten ist.

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Abb. 1

Besonders interessant ist die Zunahme von klinischen Studien, die in Kombination mit dem Suchbegriff „Phytotherapy“ ermittelt wurden. Von 1984 bis 1994 sind dazu ganze 35 klinische Studien publiziert worden, 1995 bis 2005 waren es bereits 1775 und in den letzten 10 Jahren bis 2016 insgesamt 3855! Wenngleich ein Teil dieser Studien sicher auch Ergebnisse zur Unwirksamkeit pflanzlicher Zubereitungen erbracht hat, so ist doch sichtbar, dass hier um die Wahrheit gerungen wird, faktenbasiert und mit wissenschaftlichem Anspruch! Die Zunahme der publizierten Ergebnisse ist natürlich auch Ausdruck des Stellenwertes traditioneller Therapien mit pflanzlichen Arzneizubereitungen, die in vielen Schwellenländern die gesundheitliche Grundversorgung absichern und deren Wissenschaftlichkeit mit solchen Studien hinterfragt wird. Übrigens, die Anzahl der unter deutscher Leistung publizierten klinischen Studien in diesem Forschungsgebiet ist mit 153 in den letzten zehn Jahren durchaus respektabel, aber auch steigerungsfähig!

Kurz zusammengefasst, Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Phytotherapie besitzen wachsende wissenschaftliche Publizität in der internationalen Fachliteratur. Kritik, auch an der Therapierichtung „Phytotherapie“ darf, ja muss man bei entsprechender Datenlage äußern, aber bitte faktenbasiert!