Z Orthop Unfall 2017; 155(06): 727-731
DOI: 10.1055/s-0043-116798
Übersicht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erörterung eines Sachverständigengutachtens vor Gericht und die Haftung des Sachverständigen

Expert Opinions in Court: Liability of the ExpertMarcus Schiltenwolf1, Nickolas Beckmann1, Peter Gaidzik2
  • 1Zentrum Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie, Universitätsklinikum Heidelberg
  • 2Institut für Medizinrecht, Universität Witten/Herdecke, Witten
Further Information

Publication History

Publication Date:
06 October 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Ein Sachverständiger muss in Straf-, Zivil- und zunehmend auch in Sozialgerichtsprozessen damit rechnen, dass er sein Gutachten vor Gericht mündlich erläutern muss. Dies sollte nicht nur als lästige Pflicht empfunden werden, selbst wenn sein Auftreten ihm zuweilen als überflüssig erscheinen mag, weil sich die Erörterung in der bloßen Wiederholung des bereits schriftlich Niedergelegten erschöpft oder die Befragung vermeintlich oder tatsächlich zu unsachlichen Angriffen gegen seine Person instrumentalisiert wird. Gleichwohl ist ihm bei der Befragung durch Richter und Parteien bzw. Beteiligte und ihren Rechtsvertretern stets ein ruhiges und sachorientiertes Auftreten zu empfehlen, insbesondere sollte er sich nicht provozieren lassen. Andererseits spricht es nicht etwa gegen, sondern für die Kompetenz eines medizinischen Sachverständigen, auch zur Korrektur seiner schriftlichen Aussagen bereit zu sein, wenn und soweit dies im Laufe seiner Vernehmung erforderlich sein sollte. Der Gutachter kann haftungsrechtlich für Gesundheitsschäden durch die Befragung und Untersuchung wie auch für vorsätzlich oder grob fahrlässig fehlerhaft erstellte Gutachten belangt werden.

Abstract

Experts in criminal, civil and, increasingly, in social court cases have to present their expert opinions in court. This should be regarded not only as a burden, even if this may at times appear superfluous to the expert, perhaps because the discussion is mere repetition of the opinion he has already written, or because the questions appear to be biased against the expert. Nonetheless, the expert is always advised to appear calm and objective during the interrogation by judges and parties or participants and their legal representatives, and should not allow himself or herself to be provoked by questioning. Furthermore, it may be necessary to correct the written expert statement in the course of the interrogation, but this can be a sign of a truly competent medical expert. The expert consulted can be held liable for adverse health effects resulting from the interrogation and investigation, as well as for deliberate or grossly faulty reports.