Z Sex-Forsch 2017; 30(03): 213-247
DOI: 10.1055/s-0043-117321
Originalarbeiten
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Psychosoziale Interventionen für sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen

Psychosocial Interventions for Female Sexual DysfunctionHannah Maren Schmidt, a, Cindy Höhnaa, Eugen Widmeiera, Michael Martin Bernera
  • aKlinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
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Publication Date:
05 October 2017 (online)

Zusammenfassung

Diese Arbeit gibt eine systematische Übersicht über Studien zur Wirksamkeit psychosozialer Interventionen bei Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen. Die eingeschlossenen Studien sind randomisierte kontrollierte Studien (RCT) und kontrollierte klinische Studien (CCT), publiziert zwischen 1985 und 2014, welche mindestens eine psychosoziale Intervention im Vergleich zu einer aktiven Vergleichsgruppe (z. B. andere psychosoziale Intervention, medikamentöse oder somatische Behandlung) oder Kontrollgruppe (z. B. Warteliste, Placebo) untersuchen. Die Diagnose der sexuellen Funktionsstörung muss formal nach ICD-10/9 oder DSM-IV/III-R oder durch eine Fachperson gestellt worden sein. Studiencharakteristika und Ergebnisse sind durch zwei unabhängige Rater_innen nach einem standardisierten Manual extrahiert worden, ebenso das Risiko einer systematischen Verzerrung (Risk of Bias). Wir haben 19 Studien eingeschlossen. Sexuell bedingte Schmerzen werden am häufigsten untersucht. Die meisten psychosozialen Interventionen zeigen signifikante Verbesserungen im Vergleich zu einer Wartekontrollgruppe für verminderte sexuelle Appetenz und sexuell bedingte Schmerzen, wobei die Effekte über eine Follow-up-Periode meist erhalten bleiben. Für Orgasmusstörungen sind die Ergebnisse uneinheitlich. Erregungsstörungen werden nicht getrennt von anderen sexuellen Funktionsstörungen untersucht. Die meisten Studien untersuchen ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches oder ein klassisch sexualtherapeutisches Behandlungskonzept. Eine willkommene Entwicklung ist es, dass in den jüngsten Studien weitere, teilweise neuartige Behandlungsansätze (z. B. interpersonelle und achtsamkeitsbasierte Ansätze sowie expressives Schreiben) geprüft werden. Eine genaue Berichterstattung und die Einhaltung methodischer Qualitätsstandards werden empfohlen.

Abstract

In this systematic review we examine the efficacy of psychosocial interventions for female sexual dysfunction. We included randomized controlled trials (RCT) and controlled clinical trials (CCT) that were published between 1985 and 2014 and which examined at least one psychosocial intervention in comparison with an active intervention (e. g. other psychosocial intervention, or medical or somatic treatment) or control group (e. g. waiting list, placebo). A formal diagnosis according to ICD-10/9, DSM-IV/III-R or made by a specialist was a necessary requirement. Extraction was conducted independently by two raters using a standardized manual. Furthermore, the risk of bias in primary studies was assessed. We included 19 studies. Most trials explored sexual pain disorders. The majority of psychosocial interventions led to significant improvements for desire and pain disorders compared to a control group. Benefits were mostly maintained at follow-up. Evidence for orgasmic disorders was contradictory. About half of all studies examined either a cognitive-behavioral or a classical sexual-therapeutic concept. We welcome the examination of new treatment approaches such as those presented in the most recent trials. Precise reporting and adherence to methodological quality standards is recommended.