Z Sex-Forsch 2017; 30(03): 267-279
DOI: 10.1055/s-0043-117332
Dokumentationen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sexualität beginnt im Tanz zwischen Eltern und Kind[ 1 ]
Säuglingsforschung, Neuropsychologie und körperorientierte Psychotherapie liefern Anregungen für die Paar- und Sexualtherapie

Sexuality begins in the Dance between Parents and Children.
Research into Infants, Neuropsychology and Body Psychotherapy Provides New Impulses for Couple and Sex Therapies
Marianne Eberhard-Kaechelea, Ruth Gnirss-Bormet, b
  • aDeutsche Sportschule Köln, Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation, Abteilung Neurologie, Psychosomatik, Psychiatrie
  • bPraxis für Psychotherapeutische Medizin und Sexualmedizin, Kassel
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Publication History

Publication Date:
05 October 2017 (online)

Zusammenfassung

Im Säuglingsalter und in der erwachsenen Sexualität spielen nonverbale Interaktionen eine wesentliche Rolle. Ergebnisse aus der Säuglings- und Kleinkindforschung, der neuropsychologischen Hirnforschung und der körperorientierten Psychotherapie ermöglichen uns ein neues Verständnis für individuelle Schwierigkeiten, die in der Partnerschaft und in der sexuellen Begegnung vorkommen. Dieses Verstehen bildet die Grundlage für Bewegungsexperimente, die neue Erfahrungen ermöglichen. Die körperpsychotherapeutische Technik des „verdeckten Vorgehens“ geht dabei indirekt (funktional, abstrakt oder symbolisch) in Bewegung auf Probleme ein, sodass Stärken erschlossen werden, ohne Ängste und Scham der PatientInnen zu mobilisieren. Sexualität kann auf diese Weise in Einzel-, Paar und Gruppentherapien thematisiert werden.

Abstract

Nonverbal interactions play an essential role both in infancy and in adult sexuality. Findings from infancy research, neuropsychological brain research and body psychotherapy provide a new understanding for individual difficulties that arise in relationships and sexual encounters. This understanding forms the basis for movement experiments that can facilitate new intimate experiences. The body-psychotherapeutic technique of indirect intervention addresses problems through functional, abstract or symbolic movement and enables the patient to solve problems and develop strengths without mobilising feelings of fear or shame. In this way sexuality can be focused on in individual, couple and group therapies.

1 Der vorliegende Beitrag ist eine gekürzte und überarbeitete Fassung des Artikels „Sexualität beginnt im Tanz zwischen Eltern und Kind – Der Attunement-fokussierte Ansatz in der Sexualtherapie“, den die beiden Autorinnen in dem von Thomas Harms und Manfred Thielen herausgegebenen Buch „Körperpsychotherapie und Sexualität. Grundlagen, Perspektiven und Praxis“ (Gießen: Psychosozial; 2017: 97 – 119) veröffentlicht haben. Für eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem theoretischen Hintergrund der hier vorgeschlagenen paar- und sexualtherapeutischen Interventionen verweisen wir auf diese Publikation.