Inf Orthod Kieferorthop 2017; 49(03): 167-169
DOI: 10.1055/s-0043-117848
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der Lingualbogen

Emanuela Nguyen1, Hans-Peter Bantleon1
  • 1Fachbereich für Kieferorthopädie, Universitätszahnklinik Wien, Österreich
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
28.September 2017 (online)

Einführung

Der Lingualbogen, erstmals 1904 durch Lourie beschrieben [1], kann sowohl eigenständig als auch in Verbindung mit einer Multibandapparatur angewendet werden. In Fällen, in denen durchgängige Drähte in Brackets unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, kann der Lingualbogen Vorteile bieten. So vermindert die große Drahtlänge entlang des Unterkieferbogens die Federrate, sodass Kräfte und Drehmomente konstanter und vorhersagbarer sind [2].

Der Lingualbogen findet oft als passives Gerät Anwendung:

  • im Wechselgebiss: Schutz vor Stützzoneneinbruch durch Erhalt des Leeway-Spaces und Vermeidung von Zahnkippungen

  • zusätzliche Verankerung

  • Beseitigung einer Zungenfehllage durch Anlöten von Dornen

Darüber hinaus kann der Lingualbogen bei entsprechender Aktivierung für die Bewegung einzelner Zähne oder Zahngruppen genutzt werden:

  • Derotation der Molaren

  • Molarenmesialisierung bzw. -distalisierung

  • uni- oder bilaterale Kompression bzw. Expansion

  • Torquekontrolle

  • Protrusion der Unterkieferfrontzähne [3]