retten! 2017; 6(04): 261
DOI: 10.1055/s-0043-118046
Editorial
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COPD – häufige Ursache von Morbidität und frühzeitigem Tod

Stefan Leibinger
  • ASB-Schulen Bayern GmbH Eichenhainstraße 30
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Publication Date:
20 September 2017 (online)

COPD – häufige Ursache von Morbidität und frühzeitigem Tod

Schon Johann Wolfgang von Goethe beschrieb das Zusammenspiel zwischen Atmen und Leben in einem seiner Gedichte: „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einzuziehn, sich ihrer entladen; Jenes bedrängt, dieses erfrischt; So wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich preßt, Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt.“

Denn die Atmung begleitet den Menschen von der Geburt bis zum Tod. Doch was den Menschen ein Leben lang begleitet, das macht ihm auch des Öfteren Sorgen: Rund 10 % aller präklinischen Notfälle in Deutschland sind respiratorische Notfälle. Mit rund 140 m2 bietet die Lunge der Umwelt ein Leben lang Angriffsfläche, die sich mit jedem neuem Atemzug Staub, Rauch oder giftigen Dämpfen aussetzt oder mannigfaltigen Traumata stellt. Viele Störungen oder Erkrankungen der Atemwege basieren auf diesen äußeren Bedingungen. Unter einer Vielzahl von denkbaren Differenzialdiagnosen sind die häufigsten Notfälle die obstruktiven Atemwegserkrankungen.

Die beiden Schwerpunktartikel dieser Ausgabe befassen sich mit den beiden Krankheitsbildern, die über 90 % aller obstruktiven Atemwegserkrankungen ausmachen und weltweit eine häufige Ursache von Morbidität und vorzeitigem Tod darstellen: die chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung (Chronic Obstructive Pulmonary Disease, COPD) und das Asthma bronchiale. Die COPD verläuft irreversibel und kann bislang nicht geheilt werden. Nur der Verzicht auf‘s Rauchen kann die Progression aufhalten. Das akute, meist allergisch bedingte Asthma bronchiale tritt bei etwa 10 % der Kinder und bei etwa 5 % der Erwachsenen auf. Das kindliche, vorwiegend allergische Asthma bronchiale bessert sich häufig mit zunehmendem Alter. Die nicht allergischen Asthmaformen treten meist um das 40. Lebensjahr auf.

Als Anregungen rund um die sehr lesenswerten Leitartikel im Heft möchte ich Ihnen mitgeben:

  1. Machen Sie sich fit in der Auskultation der Lunge! Im Artikel über Asthma bronchiale findet sich diesbezüglich eine Einteilung, die in Deutschland eher ungebräuchlich und vielen Kollegen nicht bekannt ist. Testen Sie, wie Sie mit dieser Nomenklatur zurechtkommen. Meines Erachtens ist sie für die Praxis besser anwendbar.

  2. Mein Appell an Sie – besonders an Berufsanfänger – lautet: Machen Sie sich auch mit selteneren Methoden der Perkussion vertraut. Scheuen Sie sich nicht, am Gesunden zu üben und Kollegen oder Familienmitglieder in einer ruhigen Minute zu fragen, ob Sie ihn/sie untersuchen dürfen. Übung kann hier nicht schaden.

  3. Trauen Sie sich, bei der Perkussion ein sog. Plessimeter einzusetzen! Sie werden damit sicher immer wieder einen „Aha“- Effekt bei sich oder Kollegen erzielen – sei es durch die hervorragenden Perkussionsergebnisse oder dass die Kollegen dieses sehr selten benötigte – aber wirklich einfache – Hilfsmittel noch nie gesehen haben.

Denken Sie daran, wie schön es unser allseits bekannter Altmeister beschrieben hat:

Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Herzlichst Ihr

Stefan Leibinger

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Stefan Leibinger