CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2017; 77(09): 976-983
DOI: 10.1055/s-0043-118132
GebFra Science
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ängste und Befürchtungen von Myompatientinnen – Ergebnisse einer Befragung von 807 Patientinnen

Article in several languages: English | deutsch
Nina Isabelle Knudsen
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Klinik für Gynäkologie, Berlin
,
Klaus-D. Wernecke
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Klinik für Gynäkologie, Berlin
2  SOSTANA GmbH, Berlin, Germany
,
Friederike Siedentopf**
3  Martin Luther-Krankenhaus Berlin, Brustzentrum/Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Berlin, Germany
,
Matthias David**
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Klinik für Gynäkologie, Berlin
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

received 03 July 2017
revised 04 August 2017

accepted 06 August 2017

Publication Date:
25 September 2017 (online)

  

Zusammenfassung

Fragestellungen Welche konkreten Ängste und Befürchtungen haben Myompatientinnen? Welchen Einfluss haben soziodemografische Daten, Erkrankungsdauer und Informiertheit der Frauen?

Methodik Konsekutiv wurden 807 Patientinnen in einer universitären Klinikmyomsprechstunde mit einem 2-seitigen selbstentwickelten validierten Fragebogen im Zeitraum Januar 2016 bis Januar 2017 mit dem Fokus auf myomassoziierte Ängste und Befürchtungen befragt.

Ergebnisse Der Fragebogen wurde von 730 Frauen (90,5%) beantwortet und die Mehrzahl der Patientinnen äußerte Ängste. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Therapie (Notwendigkeit/Nebenwirkungen/Hysterektomie) und dem Myom an sich (Größen-/Anzahlzunahme). Es zeigte sich, dass die Ausprägung und Art der Ängste durch verschiedene Parameter beeinflusst wird. Junge Patientinnen (< 40 Jahre) geben besonders Ängste über Schwangerschaft/Geburt an, ältere (> 40 Jahre) eher in Bezug auf die allgemeine Gesundheit und großen Blutverlust. Auch die Zeitdauer seit Diagnosestellung verändert die Ängste bei kurzer (< 12 Monate) vs. langer Erkrankungsdauer (> 12 Monate). Insgesamt konnten nur geringe Unterschiede bei einem Migrationshintergrund gezeigt werden. Per se korreliert ein höherer Bildungsstand mit weniger Ängsten. Eine gute Informiertheit über Myome wirkt besonders bei der Angst vor maligner Entartung entlastend. Der Arzt und das Internet sind insgesamt die wichtigsten Informationsquellen für die Patientinnen.

Schlussfolgerungen Mit der genauen Kenntnis der Ängste und Befürchtungen können diese in die Behandlung von Myompatientinnen integriert werden, den Frauen kann gezielt auf der psychischen Ebene geholfen und eine bessere Einschätzung der Erkrankung vermittelt werden. Durch die Benignität und die gute Behandelbarkeit sind die myomassoziierten Ängste nämlich letztlich unbegründet.

* geteilte Letztautorenschaft