CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2017; 77(09): 1002-1011
DOI: 10.1055/s-0043-118284
GebFra Science
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Häufigkeiten und Trends in der Inanspruchnahme von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten für Frauenheilkunde durch Mädchen in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS)

Article in several languages: English | deutsch
Laura Krause**
Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
,
Stefanie Seeling**
Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
,
Franziska Prütz
Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
,
Alexander Rommel
Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Robert Koch-Institut, Berlin, Germany
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

received 20 July 2017
revised 10 August 2017

accepted 10 August 2017

Publication Date:
25 September 2017 (online)

  

Zusammenfassung

In Deutschland sind nur wenige Daten zur Nutzung frauenärztlicher Leistungen verfügbar. Basierend auf Daten der bundesweiten „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) des Robert Koch-Instituts wird die Inanspruchnahme von Frauenärztinnen und Frauenärzten durch Mädchen untersucht. Anhand der Daten aus KiGGS Welle 1 (2009 – 2012) wird analysiert, welche Faktoren die Nutzung beeinflussen. Für Trendanalysen wird die KiGGS-Basiserhebung (2003 – 2006) herangezogen. Datenbasis ist eine Teilstichprobe aus KiGGS Welle 1 (n = 2575), der ersten telefonischen Folgebefragung nach der Basiserhebung. Berichtet werden Prävalenzen und Mittelwerte mit 95%-Konfidenzintervallen. Zusammenhänge mit ausgewählten Einflussfaktoren wurden mit multivariaten logistischen Regressionsmodellen berechnet. Unterschiede zwischen den Studienpopulationen werden bei p < 0,05 als signifikant ausgewiesen. Zum Befragungszeitpunkt von KiGGS Welle 1 haben 53,9% der 14- bis 17-jährigen Mädchen mindestens einmal frauenärztliche Leistungen in Anspruch genommen. Dieser Anteil nimmt mit jedem Lebensjahr deutlich zu. Bei 61,9% der 17-jährigen Mädchen, die bereits eine gynäkologische Praxis besucht haben, fand der erste Kontakt mit 15 oder 16 Jahren statt. Das Aufwachsen mit Geschwistern geht mit einer geringeren, ein mittlerer sozioökonomischer Status, ein riskanter Alkohol- und täglicher Tabakkonsum sowie die Inanspruchnahme allgemeinärztlicher Leistungen mit einer höheren 12-Monats-Prävalenz der Inanspruchnahme einher. Im Vergleich zur KiGGS-Basiserhebung hat die Inanspruchnahme deutlich zugenommen. Bei Mädchen besteht ein großer Bedarf an Informationen zu Fragen der sexuellen Gesundheit. Frauenärztinnen und Frauenärzte sind dabei wichtige, aber nicht die einzigen Anlaufstellen. Der Informationsbedarf sollte evidenzbasiert im Rahmen eines abgestimmten Vorgehens unter Beteiligung der relevanten Akteure gedeckt werden. Dabei sollten Initiativen wie der WHO Action Plan for Sexual and Reproductive Health und dessen Empfehlungen berücksichtigt werden.

* Laura Krause und Stefanie Seeling teilen sich die Erstautorenschaft.