Aktuel Kardiol 2017; 6(06): 431-439
DOI: 10.1055/s-0043-118668
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Interventionelle Therapie des Schlaganfalls – ein interdisziplinärer Ansatz

Interventional Therapy of Stroke – An Interdisciplinary Concept
Frank Erbguth
Universitätsklinik für Neurologie, Klinikum Nürnberg – Paracelsus Medizinische Privatuniversität
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Publication Date:
06 December 2017 (online)

Zusammenfassung

Die mechanische Thrombektomie (MT) von Verschlüssen großer Hirngefäße in Kombination mit der systemischen intravenösen Thrombolyse (IVT) hat sich in den letzten Jahren zu einem hocheffektiven evidenzbasierten Verfahren der Akuttherapie des Hirninfarkts entwickelt. Die Chance auf ein behinderungsfreies Überleben der in der Regel schwer betroffenen Patienten wird um ca. 75% erhöht. Allerdings stellt die MT nur für etwa 5% der Patienten mit ischämischem Schlaganfall eine Therapieoption dar. Die Akuttherapie der ischämischen Schlaganfälle fußt daher weiter hauptsächlich auf den etablierten Maßnahmen wie Stroke-Unit-Behandlung, frühe Sekundärprophylaxe und IVT. Die flächendeckende Versorgung der Kandidaten für eine MT stellt eine logistische Herausforderung dar, zu denen auch die Optimierung der interdisziplinären Zusammenarbeit gehört. Die MT hat auch Implikationen für die Akuttherapie oral antikoagulierter Schlaganfallpatienten. Eine moderne Schlaganfallbehandlung erfordert die interdisziplinäre Kooperation von Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie, Kardiologie, Gefäßchirurgie und Anästhesie.

Abstract

Mechanical thrombectomy (MT) of occlusions of large cerebral arteries in combination with systemic intravenous thrombolysis (IVT) has developed during the last years as effective procedure for the acute treatment of ischemic stroke. The chance of a disability-free survival of patients who are usually severely affected is increased by approximately 75%. However, MT is a therapeutic option for only about 5% of patients with ischemic stroke. The acute treatment of ischemic stroke is therefore based on established strategies such as stroke-unit treatment, early secondary prophylaxis and IVT. The nationwide coverage of the candidates for an MT bears some logistical challenges, including the optimization of interdisciplinary cooperation. MT also has implications for the acute therapy of patients undergoing oral anticoagulation. Modern stroke treatment requires the interdisciplinary cooperation of neurology, neuroradiology, neurosurgery, cardiology, vascular surgery and anesthesia.

Was ist wichtig?
  • Das entscheidende Ziel therapeutischer Interventionen beim ischämischen Hirninfarkt ist die Wiederherstellung einer ausreichenden Perfusion mit Rettung des Penumbra-Gewebes.

  • Die interventionelle Schlaganfalltherapie mittels mechanischer Thrombektomie (MT) stellt einen wichtigen Baustein im Instrumentarium der Schlaganfalltherapie dar.

  • Die MT wird nur für ca. 5% der Schlaganfallpatienten erfolgreich anwendbar sein und ersetzt nicht die anderen breiten Säulen der Therapie.

  • Die Implementierung der MT in die klinische Routine stellt eine große Herausforderung dar, weil sie interdisziplinär und logistisch komplex organisiert werden muss. Zwischen einer zentralistischen oder dezentralen Organisation muss eine sinnvolle Balance gefunden werden.

  • Die moderne Akutversorgung von Schlaganfallpatienten erfordert die interdisziplinäre Kooperation von Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie, Kardiologie, Gefäßchirurgie und Anästhesie.