Akt Dermatol 2017; 43(12): 518-523
DOI: 10.1055/s-0043-119266
Übersicht
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das kutane Mikrobiom: Ausblick für neue Therapieansätze beim atopischen Ekzem

Cutaneous Microbiome: New Therapeutic Options in Atopic DermatitisA. Kolb-Mäurer
  • Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Würzburg
Further Information

Publication History

Publication Date:
04 December 2017 (online)

Zusammenfassung

Die Sichtweise auf die Pathogenese und Therapie des atopischen Ekzems hat sich durch fortlaufend neue Erkenntnisse über das kutane Mikrobiom geändert. Untersuchungen zum Mikrobiom erkrankter Patienten bestätigten einen Anstieg von Staphylococcus aureus sowie parallel dazu die Abnahme insbesondere der gram-negativen bakteriellen Vielfalt in den betroffenen Regionen. Die Interaktion der Haut mit dem Mikrobiom hat Konsequenzen für Immunität und Toleranz des Wirts. Veränderungen der mikrobiellen Zusammensetzung können somit die Entwicklung und den Verlauf des atopischen Ekzems beeinflussen. Aus diesen aktuellen Erkenntnissen der Relevanz des Hautmikrobioms ist neben der gestörten Hautbarriere und den Entzündungsreaktionen auch das Hautmikrobiom mit in die Therapie des atopischen Ekzems einzubeziehen. Neben der antiinflammatorischen Behandlung sollte die Therapie auch auf einen positiven Einfluss auf das Mikrobiom abzielen. Lokale oder systemische antibiotische und antiseptische Behandlungen können zwar die Kolonisationsdichte von S. aureus vermindern, verbessern jedoch nicht zwangsläufig das Mikrobiom. Interessanterweise besitzt Miconazol neben seiner antimykotischen Wirkung zusätzlich antibakterielle Eigenschaften insbesondere gegenüber S. aureus und Corynebakterien. Gram-negative Bakterien werden jedoch durch das Antimykotikum kaum beeinflusst. Eine Lokaltherapie mit Miconazol, gegebenenfalls in Kombination mit einem antientzündlichen Wirkstoff, stellt so eine interessante Alternative zur Behandlung des atopischen Ekzems dar und erweitert das Therapiespektrum anderer bakterieller Hauterkrankungen wie des Erythrasmas und unterschiedlicher Ekzemerkrankungen, die häufig mit Pilzen und Bakterien besiedelt oder infiziert sind.

Abstract

Our views on the pathogenesis and treatment of atopic dermatitis have changed in light of a better understanding of the role of the microbiome.

Investigations of the microbiome in atopic dermatitis patients showed an increase of the proportion of Staphylococcus aureus with a parallel decrease of other bacterial strains especially gram-negative species.

The interaction of the skin microbiome with the human host affects both the immunity and the immune tolerance. Thus changes in the composition of the skin microbiome can influence the development and the course of atopic dermatitis.

This is why the microbiome along with the impaired barrier function and the inflammatory reaction need to be targeted in the treatment of atopic dermatitis.

Anti-inflammatory treatment should be combined with a positive alteration of the microbiome.

Local or systemic antibiotic and antiseptic treatment can reduce colonization by S. aureus but will not necessarily improve the microbiome.

Miconazol is an antimycotic agent that has also antibacterial properties especially against S. aureus and corynebacteria whilst only minimally affecting the gram-negative flora.

Topical treatment with Miconazol in combination with an anti-inflammatory is a valuable therapeutic alternative for atopic dermatitis, and can represent a novel approach in managing other bacterial skin conditions such as erythrasma or various eczemas with frequent fungal and bacterial colonization or infection.