Dtsch med Wochenschr 2018; 143(10): 689
DOI: 10.1055/s-0043-121012
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ernährungsmedizin: eine wichtige Grundlage medizinischen Handelns

Nutritional Medicine: a Relevant Foundation of Medical Practice
Hendrik Lehnert
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Publication Date:
04 May 2018 (online)

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Prof. Dr. med. Hendrik Lehnert

Mit diesem Heft widmen wir uns einem wichtigen Thema, das im Curriculum vieler Medizinischer Fakultäten zu kurz kommt: Nahrungsassoziierte Erkrankungen – aber auch darüber hinaus der bewusste Umgang mit Nährstoffen und Lebensmitteln – gehören zu den Grundpfeilern medizinischen Wissens. Ein Verständnis von Ernährung ist wichtig in der Prävention, bei bereits eingetretenen Erkrankungen sowie bei der Überwachung von Patienten mit Fehl- oder Mangelernährung.

Allzu häufig werden Erkrankungen übersehen, die ursächlich Ausdruck einer Unverträglichkeit, einer gestörten Aufnahme und Resorption, oder einer nicht sachgemäßen Zufuhr eines Nährstoffes sind. Genau diesen Themen widmet sich diese Ausgabe der DMW – also nicht den traditionellen Feldern der zivilisatorischen ernährungsbedingten Erkrankungen, sondern eben gerade den Themen, die zwar außerordentlich wichtig, aber nicht immer im Fokus des Denkens und Handelns stehen.

In ihrer Arbeit „Ursachen, Diagnostik und Behandlung der Malassimilation“ beschreiben Schröder et al. die wesentlichen Prozesse der gestörten Nahrungsaufnahme. Malassimilation wird dabei als Oberbegriff für Maldigestion (gestörte Aufspaltung) und Malabsorption (Störung der Aufnahme) verstanden. Diese Störungen können zu vielfältigen und differenzialdiagnostisch herausfordernden Krankheitsbildern führen, sowohl im internistischen als auch z. B. dermatologischen oder neurologisch/psychiatrischen Bereich.

Der Artikel „Nahrungsmittelallergien – Theorie und Praxis“ geht auf ein immens wichtiges und häufiges (bei 2 – 3 % der Erwachsenen und 5 – 6 % der Kinder) Problem ein. Bei der Nahrungsmittelallergie liegt grundsätzlich eine gestörte Immunantwort vor, zumeist IgE-Antikörper-vermittelt. In dem Beitrag werden unterschiedlichste Allergenquellen dargestellt und die Symptomatik und diagnostischen Verfahren detailliert erläutert. Klinisch wichtig ist vor allem, dass die Symptome hochindividuell sind: Reaktionen auf Nahrungsmittelallergene sind nicht uniform und auch Laborergebnisse allein beweisen keine Allergie. Allergen-vermittelte Notfälle bis hin zum anaphylaktischen Schock zeigen, wie bedeutsam die Kenntnis dieser Zusammenhänge ist.

Schließlich widmet sich die Übersicht von Bakhiya et al. dem Thema „Nahrungsergänzungsmittel: Bedeutung in der ärztlichen Praxis“. Die Arbeit vermittelt die ernährungsphysiologischen und rechtlichen Grundlagen von Nahrungsergänzungsmitteln, deren Konsum in Deutschland in den letzten Jahren rasant zugenommen hat (nach aktuellen Daten konsumiert sie jeder Dritte in Deutschland). Die Kenntnis einer solchen Zufuhr ist für den Arzt essenziell, denn Nahrungsergänzungsmittel können unerwünschte klinische Wirkungen haben, Laborergebnisse verfälschen und Interaktionen mit Medikamenten provozieren. Ein sehr hoher und gesundheitsökonomischer Bedarf besteht an der Aufklärung über Risiko und Nutzen dieser Stoffe.

Ich hoffe sehr, dass diese wichtigen und außerordentlich kundig verfassten Artikel Ihr Interesse finden werden und wir damit auch dieser Thematik eine wirksame Plattform geschaffen haben. Gespannt bin ich auf die Rezeption dieses Dossiers und Ihre Anregungen.