Zusammenfassung
Zielsetzung Ziel dieser Übersichtsarbeit ist die Analyse der Übereinstimmung zwischen Leitlinien
und G-BA Beschlüssen hinsichtlich i)
Patientengruppenbildung und ii) Leitlinienempfehlung versus Zusatznutzen.
Methoden Alle onkologischen AMNOG Beschlüsse von 1/2011 bis 5/2017 wurden einbezogen. Bei
befristeten Verfahren wurden jeweils nur die
aktuellsten Beschlüsse berücksichtigt. Onkopedia wurde als die primäre Quelle für
die klinisch-onkologischen Leitlinien berücksichtigt. Die
Konkordanz der Patientengruppenbildung wurde angenommen, wenn Leitlinien und G-BA
Beschlüsse identische Patientengruppen beinhalteten.
Differierende Patientengruppen wurden als Diskordanz beschrieben. Die Konkordanz des
G-BA Zusatznutzenbeschlusses zur entsprechenden
Leitlinienempfehlung wurdeangenommen, wenn vorhandener bzw. nicht belegter Zusatznutzen
mit einer vorhandenen bzw. fehlenden Empfehlung in
den Leitlinien zusammenfiel. Diskordant waren Beschlüsse, die von der Leitlinienempfehlung
divergierten.
Ergebnisse In die Analyse gingen 37 onkologische Medikamente mit 56 Verfahren und insgesamt
102 Patientengruppen ein. Hinsichtlich der
Patientengruppenbildung weicht der G-BA in 38 % (n = 39 von 102) partiell oder komplett
von den in den Leitlinien dargestellten
Patientengruppen ab. Bezüglich der Übereinstimmung von Zusatznutzenbeschluss und Leitlinienempfehlung
zeigt sich eine partielle oder
komplette Diskordanz bei 60 % der Patientengruppen (n = 61 von 102).
Schlussfolgerung G-BA Beschlüsse und Leitlinien in der Onkologie weisen sowohl hinsichtlich Patientengruppenbildung
als auch bezüglich
Zusatznutzenbeschluss erhebliche Diskordanzen auf. Eine, am Patientenwohl orientierte,
evidenzbasierte Steuerung der Versorgung sollte sich
primär an den von den klinischen Fachgesellschaften konzipierten Leitlinien orientieren.
Abstract
Aim The aim of our review is to analyze the consistency between clinical guidelines and
FJC appraisals with regard to i) patient
subgroups and ii) guideline recommendations versus additional benefit appraisals.
Method Oncological AMNOG appraisals from 1’2011 to 5’2017 were included. In time -restricted
procedures only the most recent
appraisals were considered. Onkopedia was used as primary source of clinical oncology
guidelines. Consistency of patient subgroups was
assumed when guidelines and FJC appraisals included identical subgroups. Different
definitions of subgroups were described as discordance.
Consistency of FJC’s additional benefit decisions and respective guidelines was assumed
when additional/no additional benefit decisions
coincided with a positive/missing recommendation in the clinical guidelines. Discordant
were decisions that diverged from the
guidelines.
Results The analysis included 37 oncological medications with 56 FJC appraisals and a total
of 102 patient subgroups. Regarding
patient subgroups, FJC partially or fully deviates from the guidelines in 38 % (n
= 39 of 102) of the analyzed subgroups. Regarding the
consistency between FJC’s additional benefit decision and the guideline recommendations,
partial or complete discordance is seen in 60 % of
the patient groups (n = 61 of 102).
Conclusion A comparison of FJC appraisals and clinical oncology guidelines reveals considerable
differences regarding patient
subgroups and additional benefit decisions. Patient-oriented, evidence-based care
management should be based primarily on guidelines
developed by the clinical specialists.
Schlüsselwörter
Leitlinien - G-BA Beschluss - Zusatznutzen - Arztinformationssystem (AIS) - Therapiefreiheit
Key words
therapeutic choice - clinical guidelines - HTA appraisal - additional benefit - physicians’
desk reference system