PSYCH up2date 2018; 12(02): 155-169
DOI: 10.1055/s-0043-121606
Spezielle Themen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gesundheitsförderung und Resilienz

Donya A. Gilan*
,
Angela Kunzler*
,
Klaus Lieb*
Further Information

Publication History

Publication Date:
22 March 2018 (online)

Stressassoziierte psychische Erkrankungen wie Depressionen gehören zu den häufigsten Leiden unserer Zeit. Die Frage, was Menschen trotz belastender Lebensereignisse gesund erhält, ist Gegenstand der Resilienzforschung. Dieser Beitrag beleuchtet verschiedene Definitionen von Resilienz als Konzept der Gesundheitsförderung, skizziert die bisherige Resilienzforschung und stellt Ansätze zur Resilienzförderung vor.

Kernaussagen
  • Der Begriff Resilienz bezeichnet in der Psychologie und Medizin die Aufrechterhaltung bzw. Rückgewinnung der psychischen Gesundheit während oder nach widrigen Lebensumständen.

  • Resilienz beschreibt keine unveränderbare Persönlichkeitseigenschaft, sondern ist das Ergebnis eines Anpassungsprozesses bzw. ein dynamischer und lebenslanger Prozess selbst, der im Wechselspiel zwischen einer Person und ihrer Umwelt stattfindet.

  • Der R-Score als das Verhältnis aus psychischen Veränderungen und den aufgetretenen Stressoren in einer gewissen Zeit stellt eine Möglichkeit dar, Resilienz als Ergebnis zu erfassen.

  • Die Tatsache, dass viele Resilienzfaktoren miteinander interagieren, legt nahe, dass, auch im Gehirn, übergeordnete Resilienzmechanismen existieren.

  • Das Konzept der Resilienz ist der salutogenetischen, ressourcenorientierten Perspektive zuzuordnen und legt den Fokus auf die Bewältigung von Risikobedingungen.

  • Folgende (psychosoziale) Ressourcen sind als Resilienzfaktoren im Erwachsenenalter belegt: kognitive Flexibilität, Selbstwirksamkeitserwartung, soziale Unterstützung, aktives Coping, positive Emotionen, Optimismus, Hardiness, Kohärenzgefühl, Sinn im Leben sehen, Selbstwertgefühl und Religiosität/Spiritualität.

  • Erste Evidenz zur Wirksamkeit von Resilienzinterventionen liegt vor. Eindeutige Aussagen zu den langfristigen Effekten der Trainingsprogramme sowie ihrer Wirkung auf die Bewältigung von Stressoren sind zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich.

* Die Autoren teilen sich die Erstautorenschaft.