Ultraschall in Med 2018; 39(01): 109
DOI: 10.1055/s-0043-124146
DEGUM-Mitteilungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Nachruf Dr. med. Doris Neuerburg-Heusler

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Publication Date:
07 February 2018 (online)

Am 27.10.2017 starb unsere hoch geschätzte Kollegin, Dr. med. Doris Neuerburg-Heusler im Alter von 91 Jahren. Die Unterzeichner standen mit ihr in den Pionierzeiten der Ultraschalldiagnostik in Deutschland, speziell dem vaskulären Ultraschall in regem Austausch. Wir verdanken ihr viel. Jüngere wissen meist nicht, warum in einem Land Methoden von einem Fachgebiet intensiv und unter vernünftigen Bedingungen eingesetzt werden können und dies in einem anderen erschwert ist. Es liegt oft an der kontinuierlichen interdisziplinären Bearbeitung der Grundlagen und dem Aufbau einer kollegial zusammenarbeitenden Organisation, die dann für die Implementation und Verbreitung sorgt. Doris, wie wir sie alle nannten, obgleich uns an Jahren und Lebenserfahrung deutlich voraus, hat in diesem Sinne viel bewirkt. Ihr Interesse für nicht-invasive Gefäßdiagnostik hatte sie in der Aggartalklinik bei Prof. Schoop, einem der führenden Angiologen entwickelt und erste Veröffentlichungen 1978 und 1979 verfasst.

Da sich nicht nur die Angiologie sondern auch die Neurologie für die hirnversorgenden Gefäße zuständig fühlten, wurde der Arbeitskreis der Gefäßdiagnostik der DEGUM mit einem doppelten Vorsitz angiologisch (Neuerburg-Heusler) und neurologisch (von Reutern) 1984 ins Leben gerufen. Das 30-jährige Bestehen wurde 2005 zusammen mit dem ähnlich früh entstandenen „Doppler-Club de France“ bei einer gemeinsamen Tagung in Titisee begangen. Diese Konstruktion ist bis heute in der Nachfolgeorganisation, dem Arbeitskreis vaskulärer Ultraschall (AVU), erhalten geblieben, auch nachdem von neurologischer Seite eigene Themen wie z. B. die B-Bild-Diagnostik des Gehirns oder die Nervensonografie dazukamen und zur Bildung einer eigenen Sektion führten. Es blieb dennoch bei den jährlichen interdisziplinären angiologisch-neurologischen Sommertagungen der DEGUM, die sie als erste organisierte. In den folgenden Jahren wurden gemeinsam Grundlagen ausgearbeitet, z. B. die Beurteilung des Stenosegrades auf der Basis lokaler Strömungsphänomene und hämodynamischer Effekte (1986) oder die genauere Erfassung der Dopplersignale mittels Spektrumanalyse (1987). Parallel dazu wurden in speziellen Arbeitssitzungen Qualitätskriterien entwickelt, auch dies interdisziplinär besetzt. Unvergessen die vielen Sitzungen, zu denen Doris die streitbaren Jungakademiker in die Büroräume ihres Ehemanns unter dem Kölner Dom einlud.
Ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit über die Fachgrenzen hinaus führte auch zu einem angiologisch-neurologischen Lehrbuch der Gefäßdiagnostik mit Ultraschall, ein Standardwerk, welches sie mit Michael Hennerici in zwei Auflagen 1988 und 1995 herausbrachte.

Als erste Frau wurde sie als Vizepräsidentin in den Vorstand der DEGUM von 1989 bis1992 berufen. Danach wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft der DEGUM verliehen. Die gleiche Anerkennung wurde ihr durch die angiologische Gesellschaft der Schweiz zuteil. Sie war stets die fachlich begeisterte und freundlich ausgleichende Vermittlerin, welche neue Mitglieder in den Bannkreis der Ultraschalldiagnostik zog. Daher hatte sie einen großen Anteil an der Entwicklung dieser heute nicht mehr wegzudenkenden Diagnostik und deren Verankerung in dem angiologischen und neurologischen Fachgebiet. Über ihre zweite Leidenschaft, die moderne Kunst, machte sie in unseren medizinischen Kreisen nicht viel Aufhebens. Dabei war sie auch auf diesem Gebiet eine große Kennerin, zudem Sammlerin und Förderin. 2004 – 2007 war sie Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig Köln.

Unsere Fachgesellschaft verliert eine hoch angesehene, persönlich integre und sympathische Persönlichkeit. Sie hinterlässt 4 Kinder, Enkel und Urenkel. Unser Mitgefühl gilt der Familie. Wir werden sie in ehrendem Gedenken behalten.

G-M. von Reutern, K. Seitz, K. Jäger

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Dr. med. Doris Neuerburg-Heusler