Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2019; 54(02): 142-145
DOI: 10.1055/s-0043-124943
Fortbildung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kaffee, Kippe, Kaugummi – Mythen und Fakten zur präoperativen Nüchternheit

Coffee, Cigarettes, Chewing Gum – Myths and Facts About Preoperative Fasting
Mark Schieren
,
Frank Wappler
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Publication Date:
15 February 2019 (online)

Zusammenfassung

Zur Reduktion des Aspirationsrisikos gelten strikte Vorgaben für präoperative Nüchternzeiten. Für klare Flüssigkeiten (2 Stunden) und feste Nahrung (6 Stunden) sind diese eindeutig definiert; der Einfluss von Kaffee, Rauchen und Kaugummi wird dagegen kontrovers diskutiert. Dieser Beitrag zeigt, welche Mythen zur präoperativen Nüchternheit bestehen und durch welche Fakten sich das Risiko verlässlich einordnen lässt.

Abstract

Consumption of clear liquids (including coffee and orange juice without pulp) up to 2 hours before the start of anaesthesia is unproblematic. Contrary to the recommendations of the professional societies, the intake of beverages containing milk (up to 50% of the total volume) in small quantities seems to be harmless. Drinks containing alcohol can considerably delay emptying of the stomach. Immediate preoperative nicotine consumption has no influence on the risk of aspiration, but short-term nicotine abstinence in patients with CHD can reduce the risk of intraoperative myocardial ischaemia. Chewing gum has no effect on the pH of gastric juice, but the gastric fluid volume is slightly increased. Cancelling surgery because of preoperative chewing of gum by a patient is not justified despite increased gastric fluid volume.

Kernaussagen
  • Die Aufnahme klarer Flüssigkeiten (einschließlich Kaffee und Orangensaft ohne Fruchtfleisch) bis 2 Stunden vor Anästhesiebeginn ist unproblematisch.

  • Entgegen den Empfehlungen der Fachgesellschaften scheint die Aufnahme von milchhaltigen Getränken (bis 50% des Gesamtvolumens) in geringen Mengen unbedenklich zu sein.

  • Alkoholhaltige Getränke können die Magenentleerung erheblich verzögern.

  • Unmittelbar präoperativer Nikotinkonsum hat keinen Einfluss auf das Aspirationsrisiko, jedoch kann eine kurzfristige Nikotinabstinenz bei Patienten mit KHK das Risiko für intraoperative Myokardischämien reduzieren.

  • Kaugummikauen hat keinen Einfluss auf den pH-Wert des Magensafts, jedoch wird das gastrale Flüssigkeitsvolumen geringfügig gesteigert.

  • Das Absetzen von Operationen aufgrund von präoperativem Kaugummikauen des Patienten ist – trotz gesteigerten gastralen Flüssigkeitsvolumens – nicht gerechtfertigt.