Diabetologie und Stoffwechsel 2024; 19(S 01): S34-S35
DOI: 10.1055/s-0044-1785299
Abstracts | DDG 2024
Poster
Posterwalk 3 – Pädiatrische Diabetologie, Andere Themen

Zöliakie und Typ 1 Diabetes mellitus. Sind Antikörper alleine ausreichend um die Indikation zur Darmbiopsie zu stellen?

Julia Bung
,
David Majer
,
Franziska Liebrich
,
Julian Ziegler
,
Andreas Neu
,
Roland Schweizer
 

Die Häufigkeit von weiteren Autoimmunerkrankungen, u.a. auch Zöliakie, ist bei Kindern und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes mellitus (T1D) erhöht. In diabetologischen Leitlinien werden regelmäßige Screenings auf zöliakiespezifische Antikörper empfohlen. Gastroenterologische Leitlinien empfehlen bei bestimmten Antikörperkonstellationen eine endoskopische Diagnostik zur Sicherung der Diagnose mittels Dünndarmbiopsie. Eine glutenfreie Diät ist für Menschen mit T1D eine zusätzliche Belastung und kann die Stoffwechseleinstellung sowohl günstig wie auch ungünstig beeinflussen. Ziel der Studie war es, den Antikörperverlauf bei Kindern und Jugendlichen mit T1D zu analysieren und wann die Diagnose einer Zöliakie gestellt wurde.

Material und Methoden: Retrospektiv wurde bei 304 Kindern und Jugendlichen mit T1D, welche zwischen 1991 und 2022 manifestiert hatten, analysiert, wann und wie oft zöliakiespezifische Antikörper auftraten und wie sie sich im Verlauf verhielten. Weiterhin wurden zöliakiespezifische Symptome (s.u.) erhoben. Erfasst wurden Transglutaminase Antikörper, Endomysium-Antikörper und Gliadin-Antikörper.

Ergebnisse: 40,13% (n=122) zeigten während des erhobenen Zeitraums mindestens 1 Mal einen erhöhten zöliakiespezifischen Antikörper. Neben denen, die nie Antikörper entwickelten (n=182) konnten 3 Gruppen differenziert werden. Bei Gruppe 1a wurde aufgrund der klinischen Symptome und der Antikörper eine Biopsie durchgeführt (n=10), davon erhielten alle die Diagnose Zöliakie. In Gruppe 1b wurde aufgrund der Symptomatik und der Höhe der Antikörper die Diagnose einer Zöliakie gestellt (n=2).

Gruppe 2 zeigte im Verlauf hochtitrig (≥ 2 fach positiv) Antikörper N=3, welche im Verlauf auch wieder verschwunden sind.

Gruppe 3 hat persistierend erhöhte Antikörper, aber aufgrund fehlender Symptomatik bisher keine weitere Diagnostik erhalten (n=9).

In Gruppe 1 hatten alle Patienten Symptome, die mit einer Zöliakie assoziiert sind (gastrointestinale Probleme, N=8; Hyponeigung, N=2; Gedeihstörung, N=2; Eisenmangel N=2). Sie unterschieden sich dadurch von Gruppe 2 und 3, in denen die Patienten keine für Zöliakie typischen Symptome hatten.

Schlussfolgerungen: Auch hochtitrig positive zöliakiespezisfische Antikörper können wieder verschwinden. Um Patienten mit T1D nicht zusätzlich zu belasten, muss gut überlegt werden, wann beim Auftreten von zöliakiespezifischen Antikörpern weitere Diagnostik sinnvoll ist.



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Article published online:
18 April 2024

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