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DOI: 10.1055/s-0045-1801984
Kindergesundheit vor und nach der SARS-CoV-2-Pandemie: Trends von Einschüler:innen mit vermutetem oder bestehendem Förderbedarf im Vergleich zu Einschüler:innen ohne der Jahre 2018-2023
Hintergrund: Die mit der SARS-CoV-2-Pandemie einhergehenden Restriktionen waren gerade für Kinder schwierig. Die Einschulungsuntersuchung liefert wertvolle Hinweise zum Gesundheits- und Entwicklungszustand von Kindern vor Schulbeginn. In dieser Analyse wird untersucht, ob sich Auswirkungen der Corona-Pandemie in den Ergebnissen (Gewicht, Sprache, Entwicklung) der untersuchten Einschüler:innengruppen (vor- und nachrangig untersucht) stratifiziert nach Geschlecht, Migrationshintergrund und Sozialraum feststellen lassen. Der Fokus liegt insbesondere auf vorrangig zu untersuchenden Einschüler:innen, die laut pädagogischer Einschätzung von Trägern der Eingliederungshilfe, respektive künftiger Schulen einen vermuteten oder bestehenden Förderbedarf aufweisen.
Methodik: Träger der Eingliederungshilfe sowie Schulen melden nach Einverständnis der Eltern dem Gesundheitsamt Kinder im Vorfeld, bei denen nach deren pädagogischen Einschätzung die Einschulungsuntersuchung vorrangig erfolgen sollte. Diese werden priorisiert untersucht, bevor weitere Kinder nach ihrem Geburtstag zur Untersuchung einbestellt werden. Daten der Einschulungsuntersuchungen von 2018-2023 werden mit IBM Statistics 26 deskriptiv nach Gesamt, Subgruppen sowie Untersuchungsjahren ausgewertet, um mögliche Unterschiede von vor- und nachrangig untersuchten Vorschulkindern vor, während sowie nach der Pandemie zu analysieren. Besonderes Interesse liegt dabei auf dem Gewichtsstatus mittels BMI, der deutschen Sprachkompetenz und dem Entwicklungszustand anhand des standardisierten Testverfahrens SOPESS (Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening für Einschulungsuntersuchungen der Kinder). Nichtparametrische Tests (Mann-Whitney-U-Test) werden zum Vergleich der Subgruppen angewendet.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 29.783 Kinder im Zeitraum 2018-2023 untersucht, davon 9,5% (n=2834) als vorrangig zu untersuchen zwecks Abklärung eines besonderen Förderbedarfs und Installation von Fördermaßnahmen: darunter befinde sich zu Zweidrittel Jungen, mehrheitlich Kinder mit Migrationsgeschichte (78,4%) und häufiger leben diese in benachteiligten Stadtteilen. Seit 2020 ist ein bedeutender Anstieg der als vorrangig zu untersuchenden Kinder festzustellen, der in 2023 am höchsten ist (n=568). Viele Gesundheitsparameter (z.B. Gewichtsstatus, Entwicklungsauffälligkeiten, motorische und kognitive Fähigkeiten, Hör- und Sehvermögen) haben sich mit Beginn der Pandemie bei Kindern mit und ohne besondere Bedarfe gemeldeten Status verschlechtert, jedoch pendeln sich die Resultate im Verlauf wieder auf Vorpandemieniveau ein. Vorrangig untersuchte Kinder erzielen im Vergleich zu nachrangig untersuchten Kindern nochmals bedeutend schlechtere Resultate. Diese wurden zwar häufig schon vor Untersuchung der Frühförderung (ca. 41%) zugeführt, die Frühförderquote jedoch nahm auch gerade bei diesen Kindern in den Pandemiejahren ab (2018 57,2% zu 2023 38,6%).
Diskussion: Vorrangig im Vergleich zu nachrangig untersuchte Kinder weisen häufiger Beeinträchtigungen bezüglich der Schulbereitschaft auf. Zudem sind sie durch fehlende bzw. unzureichende Frühfördermöglichkeiten und Maßnahmen, insbesondere seit Pandemiebeginn zusätzlichen Benachteiligungen ausgesetzt. Diese Kinder haben einen noch größeren Unterstützungsbedarf an gezielten und bedarfsorientierten Angeboten. Das Aktionsbündnis gegen Kinderarmut und die Etablierung einer ganzheitlichen Präventionskette können hierbei wertvolle Bausteine sein, die zur Förderung von Chancengleichheit in Frankfurt am Main beitragen. Zusätzlich ist darüber nachzudenken, im Rahmen dieser Präventionskette auch eine Koordinierungsstelle für Kinder mit besonderen Bedarfen in Frankfurt zu etablieren, in der durch gezieltes Fall-Management die Kinder maßgeschneiderten Fördermaßnahmen zeitnah zugeführt werden können.
Publication History
Article published online:
11 March 2025
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