Aktuelle Urol 1999; 30(2): 89-94
DOI: 10.1055/s-1999-13298
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Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Wirkung von Östrogenen auf das kardiovaskuläre System

Effect of Oestrogens on the Cardiovascular SystemU. Karck1 , C. Keck1 , M. Marck2 , M. Breckwoldt1
  • 1Universitätsfrauenklinik der Albert-Ludwig-Universität Freiburg
  • 2Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover
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Publication History

Publication Date:
31 December 1999 (online)

Zusammenfassung

Die Diskussion zum Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko einer hormonalen Substitutionstherapie (hormonal replacement therapy = HRT) mit Östrogenen wird seit Jahren kontrovers geführt. Auf der einen Seite handelt es sich bei den ÖCARETstrogenen um endokrinologisch wirksame Substanzen, die potentiell die Progression von Neoplasien begünstigen können, auf der anderen Seite läßt sich die Morbidität postmenopausaler Frauen durch eine ausreichende Substitution senken. Epidemiologische Untersuchungen lassen den Schluß zu, daß Östrogene eine protektive Wirkung auf das kardiovaskuläre System ausüben. So kommt es unter einer HRT sehr viel seltener zu atherosklerotischen Veränderungen im Gefäßsystem bzw. die Ausprägung des Krankheitsprozesses ist sehr viel geringer, darüber hinaus können Östrogene selbst bei manifester Atherosklerose die Inzidenz fataler Ereignisse als Folge der Erkrankung deutlich senken. Bei den Östrogenwirkungen auf das vaskuläre System unterscheiden wir indirekte und direkte Effekte. Indirekte Wirkungen treten vor allem durch Beeinflussung des Leber- und Fettstoffwechsels auf, direkte Wirkungen vollziehen sich unmittelbar an vaskulären Zellen. Hier unterscheiden wir wiederum genomische, d.h. rezeptorvermittelte Wirkungen von nichtgenomischen Effekten. Nichtgenomische Wirkungen treten mit wesentlich geringerer Latenz auf und sind insbesondere durch Interaktion von Östrogenen z.B. mit lonenkanälen zu erklären. Gerade diese nichtgenomischen Östrogeneffekte haben in der letzten Zeit große Beachtung gefunden.

Abstract

There is an ongoing discussion on the risk-benefit-ratio of hormonal replacement therapy (HRT). Potential risks of oestrogen replacement include the progression of malignant tumours. However postmonopausal morbidity can be significantly reduced by HRT. There is increasing evidence that oestrogens exercise protective effects on the cardiovascular system. HRT can reduce the development of atherosclerotic lesions and the rate of fatal myocardial infarction due to atherosclerosis. Oestrogens have direct and indirect effects on vascular physiology. Indirect effects derive from modulation of lipid metabolism. In addition, oestrogens may exert direct effects on vascular cells e.g. endothelial and smooth muscle cells by receptor-mediated mechanisms (so called genomic effects ) and receptor-independent actions (= non-genomic effects). Especially these non-genomic oestrogens effects have been attracting much attention during recent years.

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