Ultraschall Med 1999; 20(4): 129-130
DOI: 10.1055/s-1999-8903
EDITORIAL
Georg Thieme Verlag Stuttgart ·New York

Hat die Sonographie bei Sport- verletzungen im Handbereich einen Stellenwert?

 K. Hergan
  • Zentrales Röntgeninstitut, LKH Feldkirch
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Publication Date:
31 December 1999 (online)

Die Sonographie hat sich bei Sportverletzungen schon lange einen festen Platz in der Diagnostik gesichert [1]. Muskelfaserrisse, Sehnen- und Bandrupturen, Hämatomdiagnostik und gelegentlich sogar Frakturen lassen sich mit der Sonographie darstellen, das Ausmaß einer Weichteilverletzung ist einschätzbar und das weitere diagnostische wie therapeutische Procedere ist besser planbar. Vorerst beschränkte man sich auf Regionen mit einer guten Auflagefläche für den Schallkopf oder auf die Gebilde mit großem Weichteilvolumen. Rasch fortschreitende Qualitätsverbesserungen der technischen Möglichkeiten erlauben zunehmend, auch oberflächlich gelegene Sehnen und Weichteile zu beurteilen [2] [3].

Zum Wandel der Technik haben sich auch die sportlichen Aktivitäten der Bevölkerung geändert. Neben einer Renaissance im Ballsport (Handball, Basketball, Volleyball) und einem ungebrochenen Zuspruch im Skisport haben sich auch Extremsportarten wie z. B. das Klettern etablieren können [4]. Damit verbunden sind allerdings auch Verletzungen, die bislang im unfallchirurgischen Alltag eher eine untergeordnete Rolle spielten. Konservative stehen operativen therapeutischen Ansätzen gegenüber. Zur Planung des therapeutischen Procederes werden an die Diagnostik hohe Anforderungen gestellt.

Die klinische Untersuchung mag zwar für den Verletzungstyp richtungweisend sein, das Ausmaß einer Verletzung läßt sich aber oft nur schwer einschätzen, da Schmerzen und Bewegungseinschränkung der verletzten Region den Unfallchirurgen bei der Untersuchung behindern und irritieren. Gefordert ist daher eine rasch anwendbare, leicht verfügbare und (einigermaßen) kostengünstige Untersuchungsmethode. Die Hand- und Fingerregion war noch bis vor wenigen Jahren ein ungeliebtes Kind bei den sonographisch tätigen Diagnostikern, da Artefakte durch die oberflächliche Lage der Strukturen und Ankoppelungsprobleme des Schallkopfes eine vernünftige Untersuchung verhinderten. Dennoch hat sich die Sonographie im Handbereich zur Beurteilung von Tumoren, Entzündungen und Kompressionszuständen im Carpalbereich allmählich etabliert [5] [6]. Auch das Aufsuchen von nicht röntgendichten Fremdkörpern hat in der Sonographie ein verläßliches Diagnostikum gefunden [7].

Allmählich wurde die Sonographie auch in der Traumatologie der Hand und hier vor allem im Bereich der Sehnen und Bänder ein verläßlicher Partner des Diagnostikers. So hat die Sonographie bei der Untersuchung des Skidaumens einen festen Platz und sehr hohen Stellenwert, da mit großer Treffsicherheit die Lage des rupturierten, ulnaren Daumenseitenbandes in bezug auf die Adduktoraponeurose definiert werden kann [8]. Die Vorgabe eines Untersuchungsalgorithmus garantiert eine Minimierung, ja nahezu einen Ausschluß einer Fehldiagnose, was der Planung und der Wirksamkeit des therapeutischen Vorgehens enorm entgegenkommt [9].

Die von Bodner [10] in dieser Ausgabe präsentierte Arbeit über den Halteapparat der Flexorensehnen im Fingerbereich schließt eine weitere Lücke der Diagnostik bei Sportverletzungen im Handbereich. Ein Abriß der Ring- und Kreuzbänder im Fingerbereich, wie dies im Klettersport passieren kann, hat ein Abheben der Flexorensehne von den Fingerknochen zur Folge, was zu einer deutlichen Funktions- und Krafteinbuße führt. Die klinische Diagnose kann durch Schwellung und Schmerzen des verletzten Fingers schwierig sein. Die Sonographie ermöglicht nicht nur die statische Visualisierung des verletzten Bandapparates, sondern auch eine funktionelle Beurteilung der Flexorensehnen. Die Entscheidung über das therapeutische Vorgehen (konservativ versus operativ) wird durch die Sonographie gelenkt und erleichtert.

Bei der Erschließung neuer Anwendungsgebiete der Sonographie in der Traumatologie hat sich für die Glaubwürdigkeit der Methode folgendes Vorgehen bewährt:

Nur der enge Kontakt mit dem Unfallchirurgen ermöglicht, traumatologische Bereiche sonographisch zu erschließen. Die Korrelation zwischen sonographischem Befund und operativem Situs ist essentiell für die Entwicklung einer diagnostisch sinnvollen Methode. Anatomische Studien mit der Sonographie helfen bereits im Vorfeld, mögliche diagnostische Kriterien in der traumatologischen Sonographie zu definieren. Die Sonographie muß mit bewährten Untersuchungsmethoden objektiv verglichen werden. Neben der diagnostischen Sicherheit sind auch die Kosten (nicht nur Geräte, sondern auch Untersucherkosten), die Verfügbarkeit und die Streubreite der Anwendbarkeit der Methode sowie die Reproduzierbarkeit von Befunden zu bewerten. Von eminenter Bedeutung ist auch die Erstellung eines Untersuchungsalgorithmus, um eine Untersuchungsstrategie bzw. -hierarchie vorzugeben. Dies sichert die Diagnosequalität und reduziert Therapiefehlentscheidungen.

Literatur

Dr. K. Hergan

LKH Feldkirch Zentrales Röntgeninstitut

Carinagasse 47

A-6800 Feldkirch

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