Z Geburtshilfe Neonatol 2000; 204(4): 146-152
DOI: 10.1055/s-2000-10212
ORIGINALARBEIT

Georg Thieme Verlag Stuttgart ·New York

Die Bedeutung der Wehentätigkeit für die Adaptation des Neugeborenen vor Sectio caesarea[]

The significance of labour for the adaptation of the infants before cesarean sectionR.  A. Schuhmann, B. Artun
  • Frauenklinik, Stadtkrankenhaus Worms
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Publication Date:
31 December 2000 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob eine Wehentätigkeit vor der Entbindung per sectionem die kindliche Adaptation post partum beeinflusst. Der Anlass war die Tatsache, dass mehrere Autoren bei primären, d. h. wehenfreien Sectiones ein gehäuftes Auftreten von respiratorischen Problemen beobachteten.

Material und Methoden Alle Sektio-Geburten der Jahre 1991 bis 1996 wurden erfasst. Reife Neugeborene mit einem Schwangerschaftsalter von 36 Wochen und älter und Frühgeborene wurden getrennt betrachtet. Als Zielgrößen verwendeten wir das kindliche Befinden - bestimmt durch Apgar, Nabelarterien-pH und die Notwendigkeit von Beatmung - sowie die Verlegungshäufigkeit auf die Neugeborenenintensivstation der Kinderklinik. Hinsichtlich dieser Parameter untersuchten wir beide Gruppen der Früh- und Reifgeborenen. Innerhalb des letzteren Kollektivs wurden abschließend diejenigen Neugeborenen beurteilt, die nicht wegen einer kindlichen Notlage durch Sektio geboren wurden.

Ergebnisse Die Adaptation der Frühgeborenen hing so stark vom Gestationsalter ab, dass alle übrigen Variablen keinen statistisch auffälligen Einfluss hatten, damit war auch die Wehentätigkeit kein Einflussfaktor. Völlig entgegengesetzt waren die Ergebnisse der reifen Neugeborenen:

Das Gestationsalter hatte zwischen der 36. und der 42. SSW keinen Einfluss auf die kindliche Adaptation. Statistisch auffällig dagegen war der Einfluss der Wehentätigkeit. Nach Wehen geborene Kinder waren statistisch auffällig schlechter adaptiert als nach primärer Sektio ohne Wehen geborene. Diese Aussage gilt auch dann, wenn man die nach Notsektio geborenen Kinder aus der Betrachtung ausnimmt. Untersucht man die Gruppe der Neugeborenen, deren Sektio nicht aufgrund einer kindlichen Notsituation durchgeführt wurde, so lässt sich hier kein Einfluss der Wehentätigkeit auf die kindliche Adaptation nachweisen. Die übrigen untersuchten Variablen (mütterliches Alter, Parität, Wehendauer, Narkoseform, Vorliegen einer Zwillingsgeburt) erwiesen sich nicht als Einflussfaktoren auf die kindliche Adaptation nach der Geburt.

Schlussfolgerung Die von mehreren Autoren erhobene Forderung vor einer elektiven Sektio möglichst den spontanen Wehenbeginn abzuwarten oder vorher durch Orasthin-lnfusion Wehen auszulösen, kann aufgrund der vorliegenden Ergebnisse nicht unterstützt werden. Es besteht kein Anlass, das bisherige Geburtsmanagement, primäre Sectiones möglichst nah am Geburtstermin vor Wehenbeginn durchzuführen, zu verändern.

There are quite a few publications on the influence of labour on the adaptation of neonates after elective cesarean sections. Many authors recommend the induction of labor prior to the cesarean section. They found that this improves the adaptation of the infants.

Material and method All cesarean sections between 1991 and 1996 are recorded. Mature neonates (> 36 weeks of pregnancy) were evaluated seperately from premature infants (< 36 weeks of pregnancy). As target-parameters we chose

1. the condition of the neonates (characterized by the Apgar-Score, the pH of the umbilical cord artery, and the requirement of artificial respiration).

2. the necessity of transfer to the neonatologic intensive care unit.

Concerning these parameters the immature neonates (> 36 weeks of pregnancy) were evaluated separately from the mature infants (< 36 weeks of pregnancy). In the latter group we finally evaluated the data of those who were not delivered by a cesarean section because of intrauterine fetal distress.

Results The adaptation of the premature neonates was so closely related to the gestational age that all the other variables were of no statisticly significant influence. Thus also the factor “labour” was of no influence.

The results in the group of the mature infants were completely different. Between week 36 und 42 of pregnancy the gestational age was of no influence on the adaptation of the neonates. Statisticly noticeable however was the influence of preoperative labour: The adaptation of infants delivered by cesarean-section after labour was remarkably worse than the adaptation of those who were delivered without labour prior to the operation. This statement is also correct when one rules out those infants who were delivered by a so called emergency cesarean section. When evaluating the group of neonates in which the cesarean section was not performed because of intrauterine fetal distress we could find no influence of preoperative labour on the adaptation of the infants. All other variables examined (e.g. maternal age, parity, duration of labour, method of anaesthesia, twin-pregnancy) were no factors of influence on the adaptation of the babys.

Conclusion From our results we cannot support the recommandation to induce labour prior to any elective cesarean section by infusion of oxytocin or to wait for the spontaneous onset of labour. There ist no reason to change our policy to perform an elective cesarean section as near as possible to term before the onset of labour.

1 Eingegangen: 22. 1. 1999Angenommen: 27. 1. 2000

Literatur

1 Eingegangen: 22. 1. 1999Angenommen: 27. 1. 2000

Prof. Dr. R. A. Schuhmann

FrauenklinikStadtkrankenhaus Worms

67550 Worms

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