Inf Orthod Kieferorthop 2000; 33(4): 293-308
DOI: 10.1055/s-2000-10967
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Die Kombination von umgekehrtem Headgear und Aktivator in Fällen mit retrudierter unterer Zahnreihe

Catherine Strahm, Dominique Grobéty
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Publication Date:
31 December 2000 (online)

Zusammenfassung

Einige Klasse-II-Anomalien sind zumindest teilweise durch die Rücklage der unteren Zahnreihe bedingt. Die vorliegende retrospektive Studie vergleicht die Auswirkungen von zwei Therapieformen auf diese Art der Fehlstellung: 30 Patienten wurden mit einem an der unteren Zahnreihe ansetzenden umgekehrten Headgear in Kombination mit einem Aktivator behandelt, 26 Patienten wurden mit einem Aktivator in Kombination mit einem konventionellen Headgear, der an den oberen Molaren ansetzte, therapiert. Bei sämtlichen Patienten folgte darauf ein weiterer Therapieabschnitt mit einer vollständigen festsitzenden Straight-wire-Apparatur. Für jeden Patienten standen drei Fernröntgenseitenbilder zur Verfügung: ein vor Therapiebeginn zum Zeitpunkt T 1 angefertigtes, ein weiteres nach Abschluss des ersten Therapieabschnittes T 2 und ein drittes nach Beendigung des Behandlungsabschnittes T 3 mit den festsitzenden Apparaturen. Nach Abschluss der Therapie zeigten alle Patienten eine Klasse-I-Beziehung und einen normalen Overjet. In der Gruppe mit normalem Headgear wurde nach dem Ende des ersten Behandlungsabschnittes eine Retrusion des Oberkiefers, der oberen Schneidezähne und eine Rotation der Palatinalebene nach kraniokaudal (clockwise) festgestellt. In der Gruppe mit umgekehrtem Headgear kam es zu einer weniger starken Entwicklung der Symphyse, einer Verringerung der Symphysenbreite und zu einer Kippung der unteren Schneidezähne nach vestibulär. Während der Ausrichtungsphase mit den festsitzenden Apparaturen kam es jedoch zu einer Art Rückbildung dieser unterschiedlichen Merkmale. Am Ende der aktiven Therapie zeigte die RHG-Gruppe im Vergleich beider Gruppen eine weiter zurückliegende Position des Pogonion, des Weichteilkinns und eine geringere Breite der Symphyse. In einigen wenigen ausgesuchten Fällen mit Klasse-II-Fehlstellung, prominentem Kinn und deutlicher Labiomentalfalte hatte das Tragen des umgekehrten Headgear positive Auswirkungen auf die Ästhetik.

Abstract

Some Class II malocclusions are due, at least in part, to the retrusion of the lower dental arch. This retrospective cephalometric study compares the effects of two methods of treatment of these malocclusions: 30 patients were treated with an activator combined to a reverse headgear on the lower arch, 26 patients were treated with an activator combined with a conventional anteroposterior headgear on the upper molars. All patients had a second stage of treatment with a complete fixed straight wire appliance. Three cephalograms were available for each patient: at T 1 before start of treatment, at T 2 after the first stage and at T 3 at the end of the fixed appliance. All patients had a Class 1 relation and a normal overjet at the end of treatment. In the conventional headgear group, there is a retraction of the maxilla, of the upper incisors and a clockwise cant of the palatal plane at the end of the first stage of treatment. In the reverse headgear group, the symphysis shows less advancement and a diminution of its width and the lower incisors show vestibular tipping. However, during the phase of alignment with the fixed appliance in both groups, most of these effects show a kind of rebound. The differences between the two groups at the end of active treatment are that Pogonion is in a more retruded position in the RHG group, that the soft tissue chin is more backward and that the width of the symphysis is smaller. In some selected Class II malocclusions accompanied with a strong chin and a marked labiomental fold, the wear of the reverse headgear has a positive esthetic impact.