NOTARZT 2001; 17(1): 18
DOI: 10.1055/s-2001-10495
DER TOXIKOLOGISCHE NOTFALL
Der toxikologische Notfall
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Geburtstagsfeier mit Folgen

F. Martens
  • Charité, Campus Virchow Klinikum, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Klinik für Nephrologie und internistische Intensivmedizin (Direktor: Prof. Dr. Ulrich Frei), Berlin
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
31. Dezember 2001 (online)

Der Fall

Gegen Abend wird der Notarzt in eine große Wohnung gerufen, wo sich etwa 30 Personen anlässlich des 50. Geburtstages des Wohnungsinhabers getroffen haben. Die Rettungssanitäter berichten ihm von der Vorgeschichte. Gegen 18.00 Uhr sei ein Kollaps bei einem knapp 80-jährigen Gast aufgetreten, kurze Zeit später stellte sich bei einem weiteren Gast anhaltendes Erbrechen ein, wiederum einige Minuten später kam es bei zwei weiteren Personen zu subjektiv empfundenem Herzrasen, Schweißausbruch und Benommenheit. Daraufhin alarmierte der Gastgeber den Rettungsdienst. Das Personal des RTW vermutete wegen der bei vielen Personen fast gleichzeitig auftretenden Symptome eine Vergiftung unbekannter Art und alarmierte den Notarzt nach.

Nach dessen Ankunft stellen sich drei weitere Personen, zwei Erwachsene und ein Kind mit Übelkeit, Erbrechen und starkem Schwitzen vor. Eine der Personen berichtet über verändertes, unscharfes Sehen. Eine der zuvor erkrankten Personen liegt in einem Nebenraum auf einem Bett und schreit hysterisch. Verbale Beruhigungsversuche scheitern. Während das Rettungsdienstpersonal bei allen Patienten Blutdruck, Herzfrequenz und Sättigung ermittelt, werden die restlichen Gäste vom Notarzt befragt. Den plötzlichen Erkrankungen war eine Kaffeetafel vorausgegangen, bei der insgesamt acht Kuchen weitgehend verspeist worden waren. Darunter befanden sich zwei Sahnetorten, ein Nusskuchen, zwei Rührkuchen sowie drei Fruchttorten. Bis auf die Begrüßung, während der vier Flaschen Sekt ausgeschenkt worden waren, hatten die Erwachsenen ausschließlich Kaffee und Tee und die Kinder Milch getrunken. Nach einem längeren, verhörartigen Gespräch gibt schließlich einer der Gäste zu, dem Jubilar einen Geburtstagskuchen mitgebracht zu haben, in den Haschischstücke eingebacken worden waren.

Nach Bekanntwerden der vermeintlichen Vergiftungsursache wird die psychotisch wirkende Patientin nach Legen einer Verweilkanüle mit 5 mg Diazepam behandelt, worunter die Schreisymptomatik rasch abklingt. Der 80-jährige Patient leidet anhaltend unter profusem Schwitzen und erhält bei niedrigem Blutdruck eine Infusion einer Vollelektrolytlösung. Die bei drei weiteren Patienten bestehende heftige Übelkeit lässt sich mit der Gabe von jeweils 10 mg Triflupromazin anhaltend beseitigen. Die initial psychotisch schreiende Patientin und der 80-Jährige werden in ein nahe gelegenes Krankenhaus zur Überwachung gebracht, alle weiteren Patienten lehnten eine stationäre Überwachung ab und wurden später nach einer Ruhepause von ihren jeweiligen Begleitern nach Hause gebracht.

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Martens

Charité, Campus Virchow Klinikum

Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu BerlinKlinik für Nephrologie und internistische Intensivmedizin

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

eMail: frank.martens@charite.de

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