Aktuelle Urol 2001; 32(1): 11-16
DOI: 10.1055/s-2001-10747
ÜBERSICHT
Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Auswirkungen des Alterungsprozesses auf die Fertilität des Mannes

Alterations of Fertility During Male AgingE. Plas1, 2 , P. Berger3 , J. Pfitzenmaier1 , M. Hermann3 , H. Pflüger2 , J. W. Thüroff1
  • 1Klinik und Poliklinik für Urologie, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
  • 2Abteilung für Urologie und Ludwig-Boltzmann-Institut für Urologie und Andrologie, KH Lainz, Wien
  • 3Institut für Biomedizinische Alternsforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Innsbruck
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Publication History

Publication Date:
31 December 2001 (online)

Zusammenfassung

Der weltweite Trend zur Verlängerung der Lebenserwartung stellt die Gesellschaft vor neue sozialpolitische Probleme. Im Rahmen des Alterungsprozesses des Mannes treten verschiedene körperliche Veränderungen auf, unter anderem wurde auch eine Beeinträchtigung der Zeugungsfähigkeit diskutiert.

Obwohl es charakteristische endokrine und morphologische Änderungen im Hoden mit zunehmendem Alter gibt, sind Auswirkungen auf die Spermiogenese, Spermiogramm und Samenzellfunktion nicht vollständig geklärt. Weiters hat das paternale Alter möglicherweise Einfluss auf die Schwangerschaftsrate. Es wird mit dieser Übersicht versucht, diese unterschiedlichen Aspekte im Hinblick darauf darzulegen, ob es eine Andropause gibt oder nicht.

Signifikante morphologische Änderungen des alternden Hodens betreffen eine Verringerung der Leydigzell-Zahl, vermehrte Ablagerungen von Lipofuscin, einem Alterspigment, in den Leydig-Zellen, Verdickungen und hernien-ähnliche Aussackungen der Tubuli seminiferi, eine Verdickung der Tunica albuginea sowie atherosklerotisch bedingte Verringerungen der Hodendurchblutung. Eine Abnahme der Samenzellparameter und Funktion mit zunehmendem Alter wurde bisher nicht belegt, hingegen tritt eine Abnahme der Beweglichkeit der Spermien auf. Eine Beeinflussung der Schwangerschaftsrate durch das Alter des Mannes konnte nicht nachgewiesen werden. Es zeigte sich aber eine Zunahme struktureller chromosomaler Veränderungen an den Samenzellen alternder Männer sowie ein höheres Risiko der Nachkommen mit älteren Vätern, eine autosomal dominante Erkrankung zu entwickeln. Aus diesem Grunde empfahl die American Fertility Society, dass Samenspender nicht älter als 50 Jahre sein sollten.

Obwohl testikuläre Veränderungen beim alternden Mann nachweisbar sind, kann man davon ausgehen, dass der gesunde Mann zeitlebens fertil bleibt. Eine Andropause, vergleichbar mit der Menopause gibt es nicht, wobei weitere Untersuchungen zur Beurteilung der altersbedingten Veränderungen des Mannes sicherlich erforderlich sind.

Abstract

The world-wide trend toward a longer life expectancy challenges societies with new socioeconomic problems. Different alterations in the aging male have been suggested, including changes in fertility.

Although there are characteristic endocrine and morphological alterations of the aging testis, it is not clear whether these changes cause alterations in spermiogenesis, sperm parameters and function. Furthermore, paternal age-related influence on pregnancy rates has been discussed. This review of different aspects of the aging male relates to the key question of whether men undergo andropause or not.

Characteristic morphological alterations in the aging testis are: reduction of the number of Leydig cells; increased deposition of lipofuscin, an age-related pigment in the Leydig cells; thickening and hernia-like protrusions of seminiferi tubules; thickening of the tunica albuginea and artherosclerosis-induced changes in testicular blood supply. These alterations relate to a decrease in total and free testosterone in aging males. However, no clear reduction in sperm parameters and sperm function tests has been reported, although aging may be related to a decrease in sperm motility. A negative influence of paternal age on pregnancy rates cannot be demonstrated, but an increase in structural chromosomal abnormalities of aging spermatozoa and a higher risk of autosomal dominant diseases in the offspring have been reported in relation to paternal age. Therefore, the American Fertility Society has recommended that semen donors should not be older than 50 years.

Although there are characteristic alterations in the aging male, healthy men remain fertile during lifetime. An increasing paternal age is associated with a significantly higher genetic risk for the offspring. There is clearly no andropause comparable to menopause, however, further studies will be necessary to investigate additional age-related alterations and their possible consequences for aging men.

Literatur

Dr E Plas

Klinik und Poliklinik für UrologieJohannes Gutenberg-Universität

Langenbeckstr. 155131 Mainz

Email: E-mail: plas@urologie.klinik.uni-mainz.de