Inf Orthod Kieferorthop 2001; 33(1): 23-32
DOI: 10.1055/s-2001-12644
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Die Rückkehr zur Lehre von den Möglichkeiten und eine positive Philosophie für das neue Jahrtausend

A revisitation of the doctrine of possibility and a positive philosophy for the new millenniumRobert M. Ricketts
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Publication Date:
31 December 2001 (online)

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Frage nach der Zukunft gerade Kieferorthopäden gestellt wird. Wohin gehen wir? Wie wird sich die Therapie verändern? Antworten auf solche Fragen sind weitere Fragen: Wohin sollte es gehen? In welche Richtung sollten wir uns bewegen? Dies liegt ausschließlich bei uns selbst.

Wir haben unsere Studenten immer gelehrt, an Prinzipien zu glauben. In allen Bereichen menschlichen Strebens sind Prinzipien notwendig. Diese stellen grundlegende und verlässliche Wahrheiten dar, auf denen eine Philosophie aufgebaut werden kann:

Im Jahre 1987 wurden im Rahmen einer Studie Fragebogen hauptsächlich an die Mitglieder der Foundation for Orthodontic Research versandt. Über das Ergebnis dieser Umfrage wurde bei der Jahrestagung der Foundation im Jahr 1989 berichtet. Der Fragebogen enthielt einige Schlüsselfragen und etliche Antworten waren sehr erfreulich. Allerdings hatten wir bei einigen der Fragen das Gefühl, dass wir (1) uns geirrt hatten oder (2) es nicht geschafft hatten, unsere Botschaft angemessen zu vermitteln, oder dass (3) die Botschaft nicht angemessen war und von der Mehrzahl der praktisch tätigen Kieferorthopäden nicht geteilt wurde. Noch enttäuschender waren in dieser Hinsicht die Studien aus dem Jahr 1990, über die Gottlieb u. Mitarb. 1990 und 1991 berichteten und die sich mit vielen Aspekten befassten, die man für allgemein üblich erachtete.

Offenheit für Diskussionen und konstruktive Debatten ist notwendig. Die Erfahrungen von anderen müssen mit einbezogen werden, um zu einem größeren Fortschritt zu gelangen.

Unsere Feststellungen repräsentieren in etwa die gegenwärtigen Trends und Behandlungsstrategien in unserem Berufsstand. Die Ergebnisse unserer Umfrage decken sich sowohl mit der im Journal of Clinical Orthodontics veröffentlichten Untersuchung, als auch mit einer ziemlich umfangreichen Studie von Johnston, sowie mit einer Umfrage von Dr. D. Walters unter den Mitgliedern der Angle Society. Der Anteil der Extraktionen ließ sich von mehr als 75% bei traditioneller kieferorthopädischer Behandlung auf möglicherweise weniger als 10% bei einigen Therapieformen senken. Bei der Extraktion von Prämolaren beläuft sich der Durchschnittswert gegenwärtig auf etwa 20%. Diese Daten scheinen zur Zeit im Großen und Ganzen ziemlich sicher und zuverlässig zu sein.

Die Studien ließen zweifelsfrei erkennen, dass sich die Chirurgie im Aufwind befand. Bei der Therapie von orthopädischen und nicht ausschließlich skelettalen Problemen wurde der Manipulation von Zahnbögen mit Straight-Wire-Apparaturen im Zusammenspiel mit chirurgischen Maßnahmen verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet. Viele ältere Kieferorthopäden beklagten diese Entwicklung.

In den Untersuchungen wurde nicht zwischen der Extraktionsrate bei Erwachsenen und bei Kindern unterschieden. Bei genauer Betrachtung zeigte sich, dass in unserer Praxis in den späten 80er Jahren bei nur 7% derjenigen Patienten, die bereits in einem jüngerem Alter therapiert wurden, Extraktionen durchgeführt worden waren (dies betrifft die Extraktion von Prämolaren oder zweiten Molaren). In klinischen Bewertungen wird allerdings üblicherweise die Extraktion von dritten Molaren nicht zu den Extraktionsfällen gezählt.