Inf Orthod Kieferorthop 2001; 34(4): 345-360
DOI: 10.1055/s-2001-19680
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Dentale und skelettale Effekte bei der Anwendung der Rückschubdoppelplatte (SIII) für die Klasse-III-Behandlung

Dental and skeletal effects during treatment of a Class III malocclusion with the Sander III (SIII appliance)Franz-Günter Sander
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Publication Date:
22 January 2002 (online)

Zusammenfassung

Die hier vorgestellte Rückschubdoppelplatte (SIII) ist ein funktionskieferorthopädisches Gerät, da die auf den Oberkiefer übertragenen Kräfte nur durch die Kaumuskulatur erzeugt werden. Voraussetzung für die Anwendung der SIII-Apparatur ist die Verankerungsmöglichkeit des Gerätes. Durch den Einbau einer Memory-Schraube im Oberkiefer kann insbesondere bei jungen Patienten eine schnelle transversale körperliche Dehnung erreicht werden, ohne dass eine Gaumennahterweiterung erfolgen muss. Der gewünschte Rückschub kann schrittweise an den beiden Schrauben im Unterkiefer eingestellt werden. Die skelettale Wirkung auf den Oberkiefer manifestiert sich in einer signifikanten Vergrößerung des SNA-Winkels, wie es auch bei der Anwendung extraoraler Kräfte zu erwarten ist. Die Beeinflussung des Unterkiefers z. B. beim SNB-Winkel zeigt, dass möglicherweise eine schwache Beeinflussung des Wachstums erfolgt. Die Vergrößerung des ANB-Winkels von mehr als 1° in ca. 1 Jahr ist signifikant und hauptsächlich auf die Beeinflussung des Oberkiefers zurückzuführen. Die Beeinflussung des Gonion-Winkels ist gering. Es kommt nicht zu einer Vergrößerung der vertikalen Gesichtshöhe. Die Protrusion der Oberkieferschneidezähne fällt mit 1,75° klein aus, die Unterkieferschneidezähne werden nicht nach oral, sondern leicht nach labial gekippt. Effektiv können die Kinder nur dann behandelt werden, wenn sie früh, d. h. deutlich vor dem neunten Lebensjahr, eine derartige SIII-Apparatur erhalten. Nicht geeignet ist diese Therapie für Patienten, bei denen ein übergroßes Unterkieferwachstum vorhanden ist oder die Familienanamnese ein verstärktes Unterkieferwachstum prognostiziert. Bei korrekter Indikationsstellung stellt die Behandlung mit der SIII-Apparatur eine alternative Therapiemethode dar, bei der auf die Anwendung extraoraler Apparaturen (Kopf-Kinn-Kappe, Fazialmaske) verzichtet werden kann. Die SIII-Apparatur kann auch als Retentionsgerät verwendet werden, da sie von den Kindern als kaum störend betrachtet wird und gleichzeitig als Zungenheber wirkt.

Abstract

The SIII appliance presented here is a functional appliance, because the forces transferred to the maxilla and mandible are only produced by the masticatory muscles. The requirement for the application of the SIII appliance is the anchorage possibility of the appliance. By the incorporation of a memory screw in the maxilla, a fast transverse bodily expansion can be achieved especially in young patients without a rapid maxillary expansion being necessary. The desired retrusion can be adjusted step by step by means of the two screws in the mandible. The skeletal effect on the maxilla is manifested by a significant increase of the SNA angle, as it is also to be expected in the case of the application of extraoral forces. The influence on the mandible shows for example in the case of the SNB angle that there possibly is a slight influence on growth. The enlargement of the ANB angle of more than 1° in about 1 year is significant and mainly to be put down to the influence on the maxilla. The influence on the Gonion angle is slight. There is no enlargement of the vertical face height. The protrusion of the maxillary incisors of 1.75° is small and the mandibular incisors are not orally tipped but labially. The children can only be treated effectively when they get such a Sander III appliance early, that means before the age of nine. This therapy is not suited for patients with a too large mandibular growth or whose family anamnesis prognosticates an increased mandibular growth. When diagnosis is correct the treatment with the SIII appliance is an alternative therapeutical method that goes without extraoral appliances (head-chin cap, facial mask). The SIII appliance can also be used as a retention appliance, because children do not consider it as disturbing and it acts as tongue-lifter at the same time.