Geburtshilfe Frauenheilkd 2002; 62(2): 167-171
DOI: 10.1055/s-2002-22117
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Oxytocin-Rezeptoren und Gap Junctions bei vorzeitigen und termingerechten Wehen

Oxytocin Receptors, Gap Junctions and the Onset of Human LaborH. Helmer1 , M. Brunbauer1 , A.-R. Fuchs2 , P. Husslein1 , M. Knöfler1
  • 1 Klinische Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie, Universitäts-Klinik für Frauenheilkunde Wien
  • 2 Department of Reproductive Biology, Cornell University-Weill Medical College, New York, NY, USA
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Publication History

Publication Date:
18 March 2002 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung

Oxytocin-Rezeptoren (OTR) und Gap Junctions (GJ) stellen wichtige Strukturen für die Entwicklung und Ausbreitung regelmäßiger, uteriner Kontraktionen dar. Im Verlauf der Schwangerschaft nimmt die Konzentration dieser beiden Moleküle in uterinen Geweben zu, wodurch eine beträchtliche Steigerung der Kontraktilität des Myometriums erzielt wird. Ziel dieser Studie war es, die Ausdehnung der GJ-Formationen mit der Konzentration der OTR im Myometrium während des Schwangerschaftsverlaufes zu vergleichen. Ebenso wurden Proben mit und ohne Wehentätigkeit sowie Gewebe nach frustraner Einleitung mit Oxytocin untersucht.

Material und Methodik

OTR-Konzentrationen und GJ-Ausdehnung wurden in Myometriumsproben, die bei Sectiones gewonnen wurden, untersucht. Fünf repräsentative Gruppen (1. Frühgeburten ohne Wehen, 2. Frühgeburten mit Wehen, 3. Termingeburten ohne Wehen, 4. Termingeburten mit Wehen, 5. frustrane Einleitungsversuche mit Oxytocin) wurden definiert. Die Ermittlung der OTR-Konzentrationen erfolgte durch Sättigungsexperimente nach der Methode von Alexandrova und Soloff. Die Frequenz sowie prozentuelle Ausdehnung der GJ-Formationen im Verhältnis zur Oberfläche der Myozyten wurde elektronenmikroskopisch ermittelt.

Ergebnisse

OTR-Konzentrationen zeigten Spitzenwerte im Gewebe mit Wehentätigkeit, sowohl bei Frühgeburten als auch am Termin, die sich signifikant von den Konzentrationen ohne Wehen unterschieden. Es konnte eine positive Korrelation zwischen der Dichte der OTR und der Wehenfrequenz einerseits sowie der Muttermundsweite andererseits gefunden werden. Die OTR-Konzentration im Myometrium nach fehlgeschlagener Oxytocineinleitung unterschied sich nicht signifikant von der Konzentration im Myometrium am Termin ohne Wehen. Die Frequenz bzw. prozentuelle Ausdehnung der GJ zeigte mit zunehmendem Gestationsalter steigende Werte, die sich jedoch nicht signifikant voneinander unterschieden. Eine Korrelation zwischen Wehenfrequenz bzw. Weite des Muttermundes und einer Änderung der GJ-Formationen konnte nicht gesehen werden.

Schlussfolgerung

Die Zunahme der OTR-Konzentration im unteren Uterinsegment scheint für den unmittelbaren Wehenbeginn sowohl bei der Frühgeburt als auch am Termin von größerer Bedeutung zu sein als die Erhöhung der GJ-Dichte.

Abstract

Introduction

Oxytocin receptors (OTR) and gap junctions (GJ) represent key factors in the development and expansion of regular uterine contractions. Its concentrations in human myometrium rise with increasing gestational age which leads to higher sensitivity for peripheral oxytocin and raising contractility. The aim of this study was to compare the density of GJ formation with the OTR concentration during the course of pregnancy.

Material and Methods

Tissue samples were obtained in cesarean sections for various reasons from transverse incisions in the lower uterine segment. Five representative groups of patients were defined: 1. preterm delivery w/o labor (n = 3), 2. preterm delivery with labor (n = 6), 3. term delivery w/o labor (n = 7), 4. term delivery with labor (n = 7), 5. term, failed induction of labor with oxytocin (n = 5). OTR concentrations were investigated by saturation experiments using the method of Soloff and Alexandrova. The frequency and fractional percentage of membrane occupied by GJ was obtained using electronmicroscopy and photography.

Results

OTR concentrations rose to peak values in early term and preterm labor. The frequency and fractional area of GJ was low and similar in all groups although a nonsignificant trend to lower areas was observed in preterm samples. There was no correlation between OTR concentrations and GJ. OTR density, but not GJ frequency or areas, were positively correlated with the frequency of uterine contractions. OTR concentrations in samples from patients at term and after failed oxytocin induction did not differ significantly from samples at term w/o labor.

Conclusions

A rise in OTR, but not in GJ, was associated with the onset of labor. It can be concluded that this increase in OTR density in the lower uterine segment is of higher importance for the onset of labor both in preterm and term labor than the rise of GJ formations.

Literatur

Dr. Hanns Helmer

Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, Ebene 8 C, AKH Wien

Währinger Gürtel 18 - 20

1090 Wien

Österreich

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