Fortschr Neurol Psychiatr 2002; 70(4): 204-209
DOI: 10.1055/s-2002-24643
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Alfred Hauptmann - Schicksal eines deutsch-jüdischen Neurologen

Alfred Hauptmann - The Fate of a German Neurologist of Jewish OriginE.  Kumbier1 , K.  Haack
  • 1Klinik und Poliklinik für Neurologie (Direktor: Prof. Dr. St. Zierz) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
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Publication Date:
05 April 2002 (online)

Zusammenfassung

Der Lebensweg des deutschen Psychiaters und Neurologen Alfred Hauptmann (1881 - 1948) wird unter Einbeziehung seines Werkes dargestellt. Er ist beispielhaft für so viele seiner Zeitgenossen, die unter der nationalsozialistischen Diktatur zur Emigration gezwungen wurden. Hauptmanns beruflicher Werdegang war vor allem durch die zwar kurze, ihn jedoch prägende Zeit bei Max Nonne bestimmt. Zeit seines Lebens lag sein Forschungsschwerpunkt vorwiegend auf neurologischem Gebiet. Hauptmann erhielt 1926 das Ordinariat für Psychiatrie der Universität Halle, um die bedeutende neurologische Tradition von Eduard Hitzig, Carl Wernicke und Gabriel Anton fortzuführen. Bis 1935 war er als Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik Halle tätig, musste im Zuge des Reichsbürgergesetzes seinen Lehrstuhl aufgeben und seine Tätigkeit als Arzt beenden. Der Weg in die Emigration, letzten Endes ausgelöst durch die zeitweilige Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau, wird unter Berücksichtigung persönlicher Dokumente dargestellt.

Ein Neuanfang auf wissenschaftlicher Ebene gelang Hauptmann nach seiner Emigration in die USA nur in geringem Maße. Sein wichtigster Beitrag blieb der bereits im Jahr 1912 verfasste Artikel über die Wirksamkeit des Phenobarbitals als Antiepileptikum. Aus diesem Anlass wird seit 1979 der Alfred-Hauptmann-Preis für Epilepsie-Forschung verliehen.

Nach seiner Emigration beschrieb er zusammen mit dem Internisten Siegfried Joseph Thannhauser im Jahre 1941 erstmalig eine autosomal dominant vererbte Myopathie, die heute als Hauptmann-Thannhauser-Muskeldystrophie bezeichnet wird. Der Name Alfred Hauptmann sollte nicht nur durch den Eingang in die medizinische Nomenklatur unvergessen bleiben, sondern auch an den Menschen Alfred Hauptmann erinnern, stellvertretend für all jene, deren ähnliches Schicksal bis heute unbekannt geblieben ist.

Abstract

The pathway through life of the German psychiatrist and neurologist Alfred Hauptmann (1881 - 1948) and his work is described. It is exemplary for so many of his contemporaries of Jewish origin, who were forced to emigrate under the National Socialist dictatorship. Hauptmann's career was most of all marked by the short, but to him formative time with Max Nonne. Throughout his life his research focused on neurological topics. In 1926, Hauptmann got the chair of psychiatry at Halle University in order to continue the important neurological tradition of Eduard Hitzig, Carl Wernicke and Gabriel Anton. Until 1935, he worked as the director of the psychiatric clinic in Halle, but in the course of the Reichsbürgergesetz he had to give up his chair and his work as a doctor. The way into emigration, which was accelerated by the temporary imprisonment in the concentration camp Dachau, is described considering personal documents. After his emigration into the United States, Hauptmann was not too successful in starting new as a scientist. His most important contribution is still the article on the efficacy of Phenobarbital as an antiepileptic, which had been written already in 1912. For this reason, the Alfred-Hauptmann-Award for epilepsy research is awarded. In 1941 - after his emigration - he and Siegfried Joseph Thannhauser described the autosomal dominantly transmitted myopathy for the first time, which is today described as Hauptmann-Thannhauser myodystrophy.

The name of Alfred Hauptmann should be unforgettable not only because of the entrance into medical nomenclature, but it should also remind of the man Alfred Hauptmann, standing for all those whose similar fates are still unknown until now.

Literatur

1 Die biografischen Angaben sind weitestgehend Hauptmanns Personalakte des Universitätsarchivs Halle entnommen [6], Daten zur Emigration entstammen Akten des Freiburger Stadtarchivs, des Freiburger Staatsarchivs, Angaben des Archives cantonales vaudoises in Chavannes-près-Renens sowie des Rockefeller Archive Centers. Anderweitig verwendete Archive werden im Text gesondert angegeben.

2 Eckart geht sogar von etwa 9000 bis 10 000 vertriebenen deutschen Ärzten aus [36].

Dr. E. Kumbier

Klinik und Poliklinik für Neurologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Ernst-Grube-Straße 40

06097 Halle

Email: ekkehardt.kumbier@medizin.uni-halle.de