Geburtshilfe Frauenheilkd 2002; 62(3): 285-288
DOI: 10.1055/s-2002-25219
Fallbericht

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Achalasie in der Schwangerschaft

Esophageal Achalasia in Pregnancy: A Case ReportCordula Schippert1 , G. Brunner2 , Ch. Sohn1 , H.-H. Günter1
  • 1 Zentrum Frauenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover, Abteilung I für Geburtshilfe, Pränatalmedizin und allgemeine Gynäkologie
  • 2 Department Innere Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover, Abteilung IV für Gastroenterologie und Hepatologie
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Publication Date:
19 April 2002 (online)

Zusammenfassung

Bei einer 29-jährigen Patientin (II.-Gravida, I.-Para) kam es in der 26. + 5 SSW zur Exazerbation einer Achalasie. Die Erstdiagnose der Erkrankung war acht Monate vor der Schwangerschaft gestellt und mit der dreimaligen Injektion von Botulinustoxin in den unteren Ösophagussphinkter therapiert worden. Die während der Schwangerschaft wiederum bestehende Symptomatik mit ausgeprägter Dysphagie, retrosternalen Schmerzen sowie Gewichtsverlust von 4 kg innerhalb von 3 Wochen erforderte eine erneute therapeutische Intervention. Unter endosonographischer Kontrolle konnte problemlos eine der Schwangerschaft angepasste, endoskopisch-pneumatische Dilatation des unteren Ösophagussphinkters mit 200 mm Hg über 6 Minuten durchgeführt werden. Im Anschluss daran war die Patientin beschwerdefrei. In der 39. + 1 SSW wurde ein gesundes, eutrophes Mädchen mit einem Geburtsgewicht von 3240 g spontan geboren. Auch unmittelbar nach der Geburt war die Patientin weiterhin beschwerdefrei.

Dreieinhalb Monate nach der Entbindung wurde aufgrund der wieder auftretenden und progredienten Beschwerdesymptomatik eine erneute Behandlung notwendig.

Es erfolgte zunächst eine pneumatische Dilatation mittels eines kleinlumigen Ballons mit einem Druck von 330 mm Hg über 15 Minuten, die zu einer vollständigen Relaxation und Aufweitung der Kardia führte. Zur Konsolidierung des Befundes erfolgte nach 10 Tagen eine erneute Bougierung mittels eines Dehnungsballons, der im Vergleich zur ersten Behandlung ein 50 % höheres Lumen aufwies. Hierbei kam es zu einer annähernd vollständigen Relaxation der Kardia. Vier Monate nach dieser Therapie ist die Patientin weiterhin beschwerdefrei.

Abstract

A 29-year-old gravida 2, para 1 developed an exacerbation of esophageal achalasia at 27 weeks' gestation. Achalasia was first diagnosed 8 months before conception and had been treated with intrasphincteric injection of botulinum toxin. During pregnancy the patient developed progressive dysphagia and retrosternal pain and lost 4 kg weight in 3 weeks. She was treated with endoscopic pneumatic dilatation of the lower esophageal sphincter (at a pressure of up to 200 mm Hg over 6 min., compared with 250 mm Hg over 15 min. in nonpregnant patients). There were no adverse events and the patient was free of complaints. At 38 weeks' gestation she was delivered of a healthy, 3240-g infant. Symptoms recurred 14 weeks after delivery and she underwent renewed dilatation (up to 330 mm Hg over 15 min.). Four months later she is free of symptoms.

Literatur

Dr. med. Cordula Schippert

Medizinische Hochschule Hannover, Frauenklinik im Oststadtkrankenhaus

Podbielskistraße 380

30659 Hannover