Geburtshilfe Frauenheilkd 2002; 62(3): 264-268
DOI: 10.1055/s-2002-25223
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Eine Studie zur Kenntnis und Einschätzung der natürlichen Familienplanung

A Study of Knowledge of Natural Family Planning in BerlinR. T. Mikolajczyk, M. Osenbrügge-Müller, S. Mund-Hoym
  • St.-Joseph-Krankenhaus, Akademisches Lehrkrankenhaus der Freien Universität, Berlin
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Publication History

Publication Date:
19 April 2002 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung

Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Interesse an den Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP) und der aktuellen Anwendung dieser Methoden. Die für Deutschland postulierte hohe Kenntnis von NFP and gleichzeitig geringe Anwendung wurde interpretiert als ein Beweis des fehlenden Bedarfs an diesen Methoden. In einer vorangegangenen Studie haben wir jedoch festgestellt, dass in der untersuchten Population neuere NFP-Methoden beinahe unbekannt sind. Es bestand auch eine Reihe von Vorurteilen in Bezug auf ihre Zuverlässigkeit. Diese Ergebnisse galt es jetzt zu verifizieren.

Material und Methode

Im Herbst 2000 erfolgte eine Befragung auf der Wochenstation eines Berliner Krankenhauses. Von den 200 ausgeteilten Fragebogen wurden 134 ausgefüllt zurückgegeben (67 %). Die Respondentinnen entsprachen hinsichtlich ihrer soziodemographischen Merkmale weitgehend der untersuchten Grundpopulation.

Ergebnisse

82 % der befragten Frauen kannten zumindest eine der NFP-Methoden; die neueren Versionen waren ihnen jedoch weitgehend unbekannt. Schleimbeobachtung kannten nur 17 %, symptothermale Methode nur 4 %. Sowohl die Temperaturmethode als auch die Schleimbeobachtung wurden dabei überwiegend als unzuverlässig angesehen und schnitten in dieser Hinsicht im Vergleich zu Kondomen deutlich schlechter ab. 13 % der befragten Frauen gaben eine der NFP-Methoden unter den Methoden, die sie in der Zukunft wahrscheinlich anwenden werden, an.

Schlussfolgerung

Die relativ seltene Anwendung von NFP-Methoden in Deutschland koexistiert nicht mit einer hohen Kenntnis von modernen NFP-Methoden. Im Hinblick auf die Zuverlässigkeit dieser Methoden herrscht eine Desinformation vor. Die Hypothese von einer bewussten Entscheidung gegen die Anwendung von NFP ist zu verwerfen. Die Erklärung der Diskrepanz zwischen dem Interesse und der geringen Verbreitung der Anwendung ist möglicherweise auf das Informationsdefizit zurückzuführen. Diese Frage sollten weitere Studien klären.

Abstract

Purpose

There is a discrepancy between the interest in Natural Family Planning (NFP) and its actual use. The supposedly high level of knowledge about NFP in Germany and a low prevalence of use has been interpreted as proving that there is no demand for NFP in the population. However, in previous research we found a low level of knowledge of modern NFP methods among Germans that we studied. They also had a number of biases against its effectiveness. This study was undertaken to verify these findings.

Material and Methods

In the Autumn 2000 a survey was conducted by a written questionnaire in a maternity ward in Berlin. 200 questionnaires were distributed, 134 (67 %) were returned and suitable for the analysis. The demographic characteristics of the respondents were very similar to the corresponding population.

Results

82 % of the respondents knew about at least one NFP-method; however, the modern methods were nearly unknown. 17 % knew about mucus observation, and 4 % about the sympto-thermal method. The temperature method as well as the mucus observation were both considered ineffective, clearly less effective than condoms. Despite this, 13 % of the women mentioned NFP as one of the methods they would probably use in the future.

Conclusion

The relatively low prevalence of use of NFP-methods in Germany does not coexist with a high level of knowledge of modern NFP-methods, but with a pronounced ignorance about them. Regarding the effectiveness of the NFP-methods there is a much disinformation. The hypothesis of a well-informed decision against the use of modern NFP-methods is to be rejected. The explanation for the discrepancy between the relatively high interest in and the relatively low prevalence of actual use of NFP may be due to a deficit of information about NFP. Further studies should address this possibility.

Literatur

Dr. med. Rafael Mikolajczyk

Friedrichrodaer Straße 121

12249 Berlin

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