Geburtshilfe Frauenheilkd 2002; 62: 9-16
DOI: 10.1055/s-2002-29099
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Lebensqualität unter wirkspiegelkontrollierter Gestagentherapie bei Patientinnen mit metastasiertem Mamma- oder Korpuskarzinom

Quality of Life in Patients with Metastatic Breast or Endometrial Cancer under Controlled Serum Concentration of Medroxyprogesterone AcetateA. Schlesinger1 , S. Ditz2 , B. Gremm2 , M. Neises1
  • 1 Funktionsbereich Psychosomatische Frauenheilkunde, Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
  • 2 Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Krankenhaus Oststadt, Hannover
Further Information

Publication History

Publication Date:
15 May 2002 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung

Zunehmend tritt neben den klassischen Zielen klinisch-onkologischer Studien der Begriff der Lebensqualität als Therapieziel auf. Dabei kann der Aspekt der Lebensqualität helfen, Zusatzkriterien für die Entscheidung zwischen alternativen Behandlungsmethoden zu entwickeln. Unter dem Aspekt der Nebenwirkungen insbesondere in der palliativen Situation ist die Beachtung der Lebensqualität zwingend erforderlich. Als systemische Behandlungsmöglichkeit stehen für das metastasierte Mamma- und Korpuskarzinom neben der Chemotherapie endokrine Therapien zur Verfügung, letztere zeigen deutlich seltener Nebenwirkungen und ein günstiges Wirkprofil. In den vergangenen vier Dekaden hat sich die Gestagentherapie auf Grund ihrer guten Wirkung auf pulmonale und ossäre Metastasierungen mit gutem Ansprechen der Knochenschmerzen etabliert.

Methode

In die Untersuchung gingen 40 Frauen mit metastasiertem Mamma- oder Korpuskarzinom ein, die eine tägliche Medroxyprogesteronacetat-Therapie von 500 - 1000 mg/die erhielten. Das Durchschnittsalter der Frauen lag bei 66,4 Jahren (29 - 83 Jahre), alle Patientinnen waren mehrfach vorbehandelt mit Chemotherapie, antihormoneller Therapie und mit Strahlentherapie. Der MPA-Serumwirkspiegel betrug im Mittel 147,5 ng/ml bei einer Streuung von 200 - 500 ng/ml.

Ergebnisse

Ein Tumoransprechen wurde bei 58 % der Frauen nachgewiesen, die Dauer den Ansprechens betrug im Mittel 10,5 Monate (3 - 25 Monate). Bei 20 % der Frauen wurden Nebenwirkungen beobachtet. Bei einer Patientin kam es zum Therapieabbruch auf Grund der Nebenwirkungen. Die Lebensqualität wurde anhand des Karnofsky-Index und der Rotterdam Symptom Checkliste erhoben. Der erhobene Karnofsky-Index verbesserte sich bei 38,5 % der Frauen um mindestens 10 %. Die Auswertung der Rotterdam Symptom Checkliste zur Messung der Lebensqualität ergab für einzelne Bereiche eine signifikante Verbesserung des Summenscores unter der MPA-Behandlung. In den Bereichen körperliche Beschwerden, emotionale Belastung, funktioneller Status und Lebensqualität global ließ sich eine signifikante Verbesserung verzeichnen. In den Bereichen soziale Kontakte, kognitive Belastung und emotionale Belastung global erwies sich die gemessene Verbesserung als nicht signifikant. Die Prüfung der Dosis ergab weder für das Tumoransprechen noch hinsichtlich der Lebensqualität einen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen mit einer MPA-Dosis von 1000 mg/die gegenüber der Dosisgruppe von 500 mg/die.

Schlussfolgerung

Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse den Stellenwert von MPA in der endokrinen Therapie fortgeschrittener hormonsensibler Malignome. Kritisch ist anzumerken, dass das kleine Untersuchungskollektiv die Aussagen einschränkt und die Ergebnisse anhand eines größeren, statistisch aussagekräftigeren Patientinnenkollektivs zu überprüfen wären.

Abstract

Further to the classic goals of clinical oncological studies, the term “quality of life” has become increasingly important as a therapy objective being deemed to be helpful in developing additional decision criteria. With regard to possible secondary effects, especially in the palliation phase, evaluation of the quality of life has become mandatory. Second to chemotherapy in metastatic breast or endometrial cancer, endocrine therapy has proven to cause less side effects while being highly effective. In the last four decades gestagen therapy has established due to its positive effects on pulmonary and bone metastases and the good response of related pain.

40 women with metastatic breast or endometrial cancer were enrolled in the study, the dosage administered was 500 - 1000 mg/die of medroxyprogesterone acetate per day. The women had an average age of 66,4 years (29 - 83 years), all of the patients had multiple previous treatments with chemotherapy, hormonal therapy and/or radiation therapy. The average MPA serum concentration measured was 147.5 ng/ml (200 - 500 ng/ml).

A tumor response could be proven in 58 % of the patients with an average duration of 10,5 months (3 - 25 months). 20 % of the women showed secondary effects which lead to a discontinuation of therapy in one case. The quality of life was evaluated by means of the Karnofsky Index and the Rotterdam Symptom Checklist. The scores of the Karnofsky Index improved by at least 10 % in more than 38,5 % of the patients under MPA therapy and the total scores of the Rotterdam Symptom Checklist showed a significant improvement in the following items: physical stress, emotional stress, functional status and global quality of life. The items social contacts, cognitive stress and global emotional stress were not significantly improved. An assessment of dosage did not show a significant difference between the two therapy groups with 500 vs. 1000 mg/die MPA.

These results emphasize the importance of MPA in endocrine therapy of advanced hormone-sensible malignoma. It has, however, to be criticized that the evidence found suffers from the small number of patients examined which calls for an affirmation of evidence in a larger collective.

Literatur

A. Schlesinger

Funktionsbereich Psychosomatische Frauenheilkunde, Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover

Pasteurallee 5

30655 Hannover