Z Gastroenterol 2002; 40(5): 379-381
DOI: 10.1055/s-2002-30112
Kommentiertes Referat
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5-Aminolävulinsäure-induzierte Fluoreszenz zur Detektion von Veränderungen der Ösophagusschleimhaut

5-Aminolevulinic Acid Induced Fluorescence for the Detection of Oesophageal LesionsS. Hellmig, U. R. Fölsch
  • 1I. Medizinische Klinik des Universitätsklinikums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Publication Date:
16 May 2002 (online)

Fluorescence induced with 5-aminolevulinic acid for the endoscopic detection and follow-up of esophageal lesions.

Mayinger B, Neidhardt S, Reh H, Martus P, Hahn EG

Gastrointest Endosc 2001; 54: 572-578

In den letzten Jahren wurde in mehreren Fachgebieten auf unterschiedliche Weise versucht, den Informationsgehalt eines endoskopischen Bildes zu steigern. Das Ziel der Fluoreszenzendoskopie ist es, prämaligne, unter Weißlicht nicht auffällige Veränderungen der Mukosa während der Untersuchung mit blau-violettem Licht sichtbar zu machen und diese dann gezielt zu biopsieren.

In der Studie von Mayinger et al. wurde die 5-ALA-induzierte Fluoreszenz zur Diagnose und zum Follow-up bei Patienten mit bekannten oder behandelten prämalignen und malignen Veränderungen des Ösophagus eingesetzt. 6-7 Stunden vor der Untersuchung tranken die Patienten 5-ALA als Pulver in Orangensaft gelöst in einer Dosierung von 15 mg/kg Körpergewicht. Die Untersuchung wurde mit einem fiberoptischen Gastroskop (GIF 020) der Firma Olympus durchgeführt. Zur Fluoreszenzinduktion diente eine von Weiß- auf Blaulicht umschaltbare Lichtquelle mit einer 300-Watt-Xenonlampe und einem Bandfilter von 375-400 nm der Firma Storz. Die Fluoreszenzemission wurde mit einer auf das fiberoptische Endoskop aufsetzbaren Spezialkamera und einem ab einer Wellenlänge von 450 nm durchlässigen Spezialfilter aufgenommen. Biopsien wurden zuerst aus unter Blaulicht suspekt rot fluoreszierenden Arealen und danach aus unter Weißlicht auffälligen Mukosabezirken entnommen. Anschließend erfolgte die Biopsieentnahme aus unauffälligen Arealen. Die Ergebnisse der histopathologischen Aufarbeitung wurden dann mit dem jeweiligen endoskopischen Befund unter blauem und weißem Licht korreliert. Eine endosonographische Darstellung der Läsionen komplettierte die Diagnostik. In die Studie wurden 6 Patienten mit einem Barret-Ösophagus, 5 Patienten mit einem Frühkarzinom des Plattenepithels, 2 Patienten mit einem Adenokarzinom sowie 9 Patienten im Rahmen des Follow-up nach Therapie eines Ösophaguskarzinoms mit kurativem Ansatz eingeschlossen (6 × Radiochemotherapie, 1 × Ösophagusresektion, 2 × photodynamische Therapie).

Bei den 22 Patienten wurden insgesamt 86 Biopsien entnommen. 20 davon zeigten in der histologischen Aufarbeitung schwere Dysplasien oder maligne entartete Zellen, die als histologisch positiv bezeichnet wurden. Die in der Fluoreszenzdarstellung als unauffällig bewerteten 38 Gewebsproben stellten sich histologisch 35-mal als korrekt-negativ und 3-mal als falsch-negativ heraus. Von den 48 fluoreszenzendoskopisch als auffällig bewerteten Arealen waren 31 falsch-positiv und 17 korrekt-positiv. Die Erklärung für die hohe Anzahl an falsch-positiv bewerteten Biopsien ist die histologisch immer nachweisbare entzündliche Reaktion des Gewebes. Ein histologisch positiver Befund wurde mit der Fluoreszenzendoskopie jedoch nicht übersehen. Im Vergleich dazu waren von den 77 in der Weißlichtendoskopie als unauffällig bewerteten Arealen histologisch 62 korrekt-negativ und 15 falsch-negativ. 9 als positiv klassifizierte Areale stellten sich histologisch 4-mal als falsch-positiv und 5-mal als korrekt-positiv dar. Hieraus errechneten sich für die Fluoreszenzdarstellung eine biopsiebezogene Sensitivität von 85 % und eine Spezifität von 53 % und für die Weißlichtendoskopie respektive 25 und 94 %. Die Autoren schlossen aus diesen Daten auf eine mögliche Überlegenheit der Fluoreszenzendoskopie bei der Detektion von unter Weißlicht nicht sichtbaren Frühkarzinomen und malignen Veränderungen im Ösophagus.

Literatur

Dr. med. Stephan Hellmig

I. Medizinische Klinik, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Schittenhelmstraße 12

24105 Kiel

Email: s.hellmig@mucosa.de

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