Pneumologie 2002; 56(6): 357-362
DOI: 10.1055/s-2002-32170
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Pulsoximetrie als Schlafapnoescreening bei Schlaganfallpatienten

Pulse Oximetry Screening for Sleep-disordered Breathing in StrokeT.  E.  Wessendorf1, 2 , G.  Alymov1 , Y.-M.  Wang2 , J.  Stampa1 , A.  F.  Thilmann2 , H.  Teschler1
  • 1Ruhrlandklinik, Abt. Pneumologie/Schlaf- und Beatmungsmedizin, Essen
  • 2Fachklinik Rhein/Ruhr, Neurologische Abteilung, Essen-Kettwig
Mit Unterstützung durch AFPR, LVA Rheinprovinz und Fachklinik Rhein/Ruhr.Herrn Prof. Dr. Rühle zum 60. Geburtstag gewidmet.Teilweise präsentiert auf dem 42. Deutschen Kongress für Pneumologie in Jena 2001.
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
12. Juni 2002 (online)

Zusammenfassung

Einleitung: Ein großer Teil aller Patienten mit Schlaganfall leidet an einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA), die zum Zeitpunkt des akuten Ereignisses nicht bekannt ist. Zwar gilt die Polysomnographie (PSG) bei Verdacht auf OSA als diagnostischer Goldstandard, die routinemäßige Durchführung ist jedoch nicht praktikabel. Eine Pulsoximetrie könnte jedoch ein einfach anwendbarer und kostengünstiger Screeningtest sein. Methodik: Bei 184 Schlaganfallpatienten wurde das während der Polysomnographie (PSG) digital aufgezeichnetete pulsoximetrische Signal vollautomatisch mittels einer Software (AHDip) im Hinblick auf Desaturationen, definiert als Abnahme der Sauerstoffsättigung von ≥ 4 %, analysiert. Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) in der PSG wurde als Goldstandard definiert und mit der Anzahl der mit AHDip automatisch erkannten Sauerstoffentsättigungen (ODI) pro Stunde Aufzeichnungsdauer verglichen. Ergebnisse: Die Korrelation zwischen AHI in der PSG und Desaturationsindex (ODI) in der Pulsoximetrie betrug r = 0,84 (p < 0,001). In Abhängigkeit von der Definition einer relevanten schlafbezogenen Atmungsstörung (AHI 10, 15, 20 oder 30/h) und dem angewandten cut-off-Wert für den ODI (z. B. 15/h) ergaben sich für die Pulsoximetrie eine Sensitivität von 32 - 83 % und eine Spezifität von 99 - 96 %. Die diagnostische Genauigkeit (gemessen als area under the curve der ROC-Kurve) bei einem AHI ≥ 20 als Diagnose einer SBAS betrug 96 %. Schlussfolgerung: Bei Patienten mit Schlaganfall ermöglicht die automatische Analyse des pulsoximetrischen Signals mittels AHDip eine realistische Erkennung schlafbezogener Atmungsstörungen und könnte allgemein in Populationen mit hoher Vortestwahrscheinlichkeit eingesetzt werden.

Abstract

Background: The prevalence of sleep-disordered breathing, particularly obstructive sleep apnea, among stroke patients is high. Routine screening with the current diagnostic gold standard of polysomnography is not feasible. Pulse oximetry could be a simple screening test. Methods: The signal of pulse oximetry, recorded during full polysomnography in 184 stroke patients during neurological rehabilitation, was analyzed automatically by software for desaturations ≥ 4 %. The polysomnographic apnoea-hypopnoea-index (AHI) was used as the diagnostic gold standard and compared with the oxygen desaturation index (ODI). Results: Correlation between AHI of PSG and ODI of oximetry was r = 0.84 (p < 0.001). Dependent on the definition of SDB (AHI 10, 15, 20 or 30/h) and the cut-off-point for the ODI (e. g. 15/h) sensitivity was 32 - 83 % and specificity 99 - 96 %. The diagnostic accuracy as determined by the area under the ROC-curve was 96 %. Conclusion: Automated analysis of pulse oximetry gives reasonable results for screening for SDB in stroke patients and could be used in populations with high pre-test probability.

Literatur

Dr. T. E. Wessendorf

Ruhrlandklinik

Tüschener Weg 40

45239 Essen

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