Fortschr Neurol Psychiatr 2002; 70(12): 657-662
DOI: 10.1055/s-2002-35857
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Inzidenz, Ätiologie und Langzeitprognose des Schlaganfalls

Incidence, Etiology and Long-Term Prognosis of StrokeP. L.  Kolominsky-Rabas1 , P.  U.  Heuschmann1
  • 1Erlanger Schlaganfall-Register, Neurologische Klinik der Universität, Interdisziplinäres Zentrum für Public Health der Universität Erlangen-Nürnberg
Herrn Prof. Dr. med. Bernhard Neundörfer, Direktor der Neurologischen Klinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, zum 65. Geburtstag gewidmet.
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Publication Date:
02 December 2002 (online)

Zusammenfassung

Zielsetzung: Außer den routinemäßig erhobenen Mortalitätsstatistiken gab es für Deutschland bislang kaum repräsentative Daten zur Epidemiologie des Schlaganfalls. Aus diesem Grunde wurde in Deutschland ein populations-basiertes Schlaganfallregister etabliert, das Inzidenz und Überlebensraten nach Schlaganfall in einer definierten Studienpopulation bestimmt. Methode: Das Erlanger Schlaganfall-Register ist eine prospektive, gemeinde-basierte Studie, die als Studienbevölkerung alle 101 450 Einwohner der Stadt Erlangen, Bayern, umfasst. Alle Patienten nach erstmaligem Schlaganfall wurden bis zu 12 Monate nach Ereignis nachverfolgt. Ergebnis: Insgesamt wurden innerhalb des Studienzeitraumes von 2 Jahren 354 erstmalige Schlaganfälle registriert. In 95 % aller Fälle konnte die Diagnose Schlaganfall durch ein bildgebendes Verfahren bestätigt werden. 51 % aller Schlaganfälle ereigneten sich in der Altersgruppe > 75 Jahre. Die für die deutsche Standardbevölkerung alters-adjustierte jährliche Schlaganfallinzidenz betrug 182 pro 100 000 Einwohner (200 pro 100 000 für Männer und 170 pro 100 000 für Frauen). Die Sterblichkeit nach Schlaganfall betrug 19,4 % innerhalb der ersten 28 Tage, 28,5 % innerhalb der ersten drei und 37,3 % innerhalb der ersten 12 Monate nach Ereignis. Schlussfolgerung: Im gemeinde-basierten Erlanger Schlaganfall-Projekt wurden erstmalig für Deutschland repräsentative Angaben zur Epidemiologie des Schlaganfalls gewonnen. Die erhobene Schlaganfallinzidenz entspricht in etwa der anderer westlicher Industriestaaten.

Abstract

Background and Purpose: In Germany, basic data on stroke morbidity are lacking. So far only routine mortality statistics have provided information on epidemiology of stroke. Therefore, a population-based register of stroke was set up in Germany to determine incidence and case fatality in a defined German population. Methods: The Erlangen Stroke Register is a prospective community-based study among the 101 450 residents of the city of Erlangen, Bavaria, Germany. All identified cases of first-ever strokes were followed-up to 12 months from onset of stroke. Results: During 2 years of registration, 354 first-ever-in-a-lifetime strokes (FELS) were registered. The diagnosis and stroke type were confirmed by CT scan in 95 % of cases. Fifty-one percent of all FELS occurred in the age group > 75 years of age. After age-adjustment to the German standard population, the incidence rate was 182 per 100 000 (200 per 100 000 for men and 170 per 100 000 for women). Overall case fatality at 28 days was 19.4 %, at 3 months it was 28.5 %, and at 1 year 37.3 %. Conclusions: The first prospective community-based stroke register in Germany including all age groups revealed incidence rates of stroke similar to those reported from other population-based studies in western industrialized countries.

Literatur

Dr. med. P. L. Kolominsky-Rabas

Neurologische Klinik der Universität · Interdisziplinäres Zentrum für Public Health · Universität Erlangen-Nürnberg

Schwabachanlage 6

91054 Erlangen

Email: kolominsky@public-health.uni-erlangen.de