Inf Orthod Kieferorthop 2002; 34(4): 255-264
DOI: 10.1055/s-2002-36884
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© Georg Thieme Verlag

Dentoalveoläre Veränderungen während des Unterkieferwachstums bei unbehandelten Klasse-II-Probanden[*]

Dentoalveolar changes related to mandibular forward growth in untreated Class II personsZhi-Hao You1 , Leonard S. Fishman1 , Robert E. Rosenblum1 , J. Daniel Subtelny1
  • 1Orthodontics and Dentofacial Orthopedics, University of Rochester, USA
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Publication Date:
24 January 2003 (online)

Zusammenfassung:

Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung der dentoalveolären Veränderungen in Zusammenhang mit dem Ventralwachstum des Unterkiefers bei Personen mit Klasse-II-Fehlbiss. Dazu wurden Fernröntgenaufnahmen von 40 Probanden mit unbehandelter Klasse II vom durchschnittlich 8,8. Lebensjahr bis zum 17,8. Lebensjahr (vor und nach dem pubertären Wachstumsmaximum) ausgewertet und mit den Bolton-Standardwerten verglichen.

Das Wachstumsmuster des Unterkiefers bei den Klasse-II-Probanden unterschied sich nicht signifikant von den Bolton-Standards. Bei den Klasse-II-Fällen übertraf das Unterkieferwachstum das des Oberkiefers um durchschnittlich 4,36 mm. Gleichzeitig bewegte sich die OK-Dentition bezüglich der Oberkieferbasis (A-Punkt) um durchschnittlich 2,16 mm nach vorn, während sich die UK-Dentition gegenüber der mandibulären Basis (Pogonion) um durchschnittlich 2,28 mm zurückbewegte. Es lag eine streng lineare Beziehung vor (beinahe 1 : 1) zwischen dem Ventralwachstum des Unterkiefers und der Verlagerung der Dentition (r = 0,881; y = 0,976x + 0,183).

Die Ergebnisse zeigen, dass die Verschiebung der oberen und unteren Dentition, verursacht durch die okklusionsbedingte Verschlüsselung der Zähne, den Effekt des Unterkieferwachstums, der die UK-Dentition nach vorn bringen könnte, aufhebt. Ein Entschlüsseln der Okklusion zur Minimierung dieser Vorgänge und ein Ausnutzen des normalen Ventralwachstums des Unterkiefers könnte daher die fundamentale biologische Grundlage für die Behandlung des Distalbisses bei Heranwachsenden sein.

Summary

The purpose of this study was to investigate dentoalveolar changes related to mandibular forward growth in persons with Class II malocclusions. The longitudinal cephalometric films of 40 subjects with untreated Class II malocclusions from mean age 8.8 to 17.8 years (before and after pubertal growth) were analyzed and compared with the Bolton norms. There was no statistically significant difference in mandibular growth between the Class II samples and the Bolton norms upon cross-sectional comparison. In the Class II subjects, forward growth of the mandible was greater than that of the maxilla by 4.36 mm on average; the dentoalveolar complex moved forward relative to the maxillary basal bone (point A) 2.16 mm and moved backward relative to the mandibular basal bone (pogonion) 2.28 mm; a strong linear relationship (almost a 1 : 1 ratio) existed between mandibular forward growth and dentoalveolar complex movement r=0.881; y=0.976 x+0.183). Results indicated that the effect of forward growth of the mandible, which could potentially bring the lower dentition forward, vanished into the adaptation movements of the dentoalveolar complex through intercuspal locking. Disarticulating the occlusion to minimize the effects of the adaptive mechanism and taking advantage of normal mandibular forward growth could be fundamental biological bases in treating Class II malocclusions in growing patients.

1 * Mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Autoren. Original erschienen im Am J Orthod Dentofacial Orthop 2001; 120: 598-607.