Z Gastroenterol 2003; 41(3): 240-242
DOI: 10.1055/s-2003-37898
Editorial
© Karl Demeter Verlag im Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Konsensus über die Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologen und Viszeralchirurgen

Consensus on the Principles of Cooperation ­between Gastroenterologists and Visceral ­SurgeonsU. R. Fölsch1
  • 1Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel
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Publication Date:
28 March 2003 (online)

Verschiedene Faktoren haben Anlass gegeben, über eine engere Kooperation sowie eine gemeinsame Nutzung der Ressourcen zwischen Viszeralchirurgen und Gastroenterologen nachzudenken [1] [2]:

Durch die dramatische Weiterentwicklung der Endoskopie hat sich diese Technik von einer rein diagnostischen Methode hin zu einer breiten interventionell therapeutischen ­Anwendung fortentwickelt, wobei nahezu die gesamte fiberoptische und später Videoclip-Technik mit allen Zusatzverfahren in wesentlichen Bereichen diagnostisch wie auch therapeutisch von Gastroenterologen entwickelt worden ist 3. Es können jetzt viele Erkrankungen behandelt werden, die zuvor eine reine Domäne des Chirurgen waren: z. B. Choledocholithiasis, Magenfrühkarzinom, Dysplasie beim Barrett-Ösophagus, endoskopische Überwindung von Abflussbehinderungen im Ösophagus, Darm- und Gallengang, Behandlung von Ulkus- und Varizenblutungen, um nur einige zu nennen. Die Endoskopie ist seit Jahrzehnten integraler Bestandteil des Schwerpunktes Gastroenterologie im Gebiet der Inneren Medizin.

Aber auch die Chirurgen haben eine beeindruckende Entwicklung hinter sich: Während früher die Laparoskopie zu rein diagnostischen Zwecken im Wesentlichen vom Gastroenterologen angewandt wurde, hat sich aus dieser Technik in wenigen Jahren die minimal-invasive Chirurgie (MIC) entwickelt [4] [5] und gab damit der abdominellen Chirurgie einen neuen Aufschwung. Aus dieser Entwicklung reifte der Entschluss zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie, der dann im März 1998 umgesetzt wurde. Unmittelbar nach der Gründung dieser neuen Gesellschaft brachte deren Vorstand gegenüber der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten den Wunsch zum Ausdruck, die Kooperation beider Gesellschaften zu intensivieren, und zwar in den Bereichen der gemeinsamen Kongressgestaltung, der Nutzung der gastroentero­logischen Endoskopie und auf dem Gebiet der gastroentero­logischen Onkologie. Der Enthusiasmus der Gastroenterologen zum Eintritt in derartige Kooperationsgespräche war zunächst verhalten, da allen einleuchtete, dass - auch aus ökonomischen Gründen - die Endoskopie eine wichtige Plattform im Methodenspektrum des Gastroenterologen darstellt, wobei zurzeit die Masse der gastroenterologischen Endoskopieeinheiten auf allen Versorgungsebenen sich in ganz überwiegendem Maße auf ­internistische Praxen, auf innere Abteilungen ohne und mit gastroenterologischem Schwerpunkt sowie auf gastroentero­logische Zentren an großen städtischen Kliniken konzentriert. Wenn die Gastroenterologen jetzt vermehrt den Viszeralchirurgen Platz auf dieser Plattform bieten sollten, war nicht wirklich erkennbar, welche „Gegenleistung” die Gastroenterologen für ein gezeigtes Entgegenkommen erhalten würden.

Unterschiedliche Motive haben letztendlich dazu geführt, diese Gespräche im Winter 1998/1999 aufzunehmen:

Durchgängige Leitschiene der Abstimmungsgespräche muss es sein, durch bessere Verabredungen mit dem viszeralchirurgischen Partner die Patientenversorgung zu optimieren. Allen Gastroenterologen ist bewusst, dass die Viszeralchirurgen in der Patientenversorgung unsere wichtigsten Partner sind. Beide Seiten sollten daher ein hohes Interesse daran haben, ihre Kooperationsstrukturen gütlich und sinnvoll zu ­regeln. Darüber hinaus sollten wir bestrebt sein, unsere Kooperationen, gerade in der Endoskopie, so rechtzeitig zu strukturieren, bevor uns diese Entscheidungsbefugnis aus ökonomischen Zwängen aus der Hand genommen wird. Während einerseits deutschlandweit die Anzahl endoskopierender Viszeralchirurgen eher gering ist, gibt es andererseits, besonders an chirurgischen Universitätskliniken, eigen­ständige Endoskopieeinrichtungen, die auch noch teilweise von Gastroenterologen geleitet werden. Diese Entwicklung kann nicht im Interesse der Gastroenterologen sein. Aus diesen zunächst in chirurgischen Kliniken angesiedelten Endoskopieeinheiten haben sich teilweise völlig unabhängige Endoskopieinstitutionen entwickelt und sind damit nicht mehr in das diagnostisch-therapeutische Spektrum einer Klinik eingebunden. Da derartige fatale Entwicklungen in jüngster Zeit an einigen Universitätskliniken erneut betrieben wurden, war dies die letzte richtige Initialzündung, in Gespräche mit den Viszeralchirurgen einzutreten, um Regeln und Leitlinien für vernünftige Strukturen zu schaffen, die solche Misskonzeptionen verhindern helfen. Es müssen in der Endoskopie Strukturen geschaffen bzw. vorgehalten werden, die eine hohe Qualität der angewandten diagnostischen und therapeutischen Methoden sicherstellen und darüber hinaus bei den mittlerweile sehr komplizierten und komplexen Techniken für eine optimale Ausbildung aller Mitarbeiter sowie wissenschaftliche Evaluation der Methoden sorgen. Es muss das Ziel der Abstimmungsgespräche mit den Viszeralchirurgen sein, dass das unverwechselbare Profil beider Fachdisziplinen bei allen Überschneidungen gewahrt bleibt.

Die Gespräche gestalteten sich erwartungsgemäß schwierig, wurden aber von beiden Seiten mit der erkennbaren Absicht und dem Willen geführt, auf den jeweiligen Partner zuzugehen, um zu vernünftigen Regeln zu kommen. Wegen der notwendigen Abstimmungsprozesse in den jeweiligen Fachgesellschaften konnten die Gespräche erst im Herbst 2002 zu einem einvernehmlichen Abschluss gebracht werden, aus dem dann das vorliegende Papier „Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologen und Viszeralchirurgen” (s. S. 275) hervorging. Dieses Papier kommt nach einer Präambel auf vier verschiedene Segmente zu sprechen:

gemeinsame Kongressgestaltung Zusammenarbeit in der Endoskopie Zusammenarbeit in der Proktologie Zusammenarbeit in der Onkologie.

Literatur

Prof. Dr. U. R. Fölsch

Klinik für Allgemeine Innere Medizin, I. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Schittenhelmstr. 12

24105 Kiel

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