Psychiatr Prax 2003; 30: 187-192
DOI: 10.1055/s-2003-39760
Affektive Störungen
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Erhöhtes Allergierisiko bei stationär depressiven Frauen: Welche Rolle spielen elektrodermale und kognitiv-emotionale Variablen?

Electrodermal Activity and Affective Symptoms in Allergic Depressed InpatientsAdrienne  Stauder1 , Roland  Straub2 , Monika  Kovacs1 , Reka  Baranyai1
  • 1Institute of Behavioral Sciences, Semmelweis University, Budapest
  • 2Abteilung Psychiatrie I, Universität Ulm, Zentrum für Psychiatrie Weissenau
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Publication Date:
04 June 2003 (online)

Zusammenfassung

Allergien treten, im Vergleich zur Häufigkeit in einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe, zusammen mit Depression deutlich häufiger auf. Gemeinsame ätiologische Hintergrundfaktoren, wie etwa eine cholinerge Hyperaktivität, und weitere, mit erhöhter Stressreagibilität verbundene, psychobiologische Faktoren, werden angenommen. Dies lässt auch Dysfunktionen in stressreagiblen psychophysiologischen Regulationssystemen vermuten, wie dem der elektrodermalen Aktivität (EDA). Während eine depressive Störung elektrodermale Hypoaktivität nahe legt, wäre im Gegensatz dazu bei allergischer Symptomatik jedoch, allein schon aufgrund der bekannten Hyperaktivität auf psychologische und immunologische Stimuli, eher von einer elektrodermalen Hyperaktivität auszugehen. Vor diesem Hintergrund und zur Eingrenzung diagnostisch-therapeutischer Fragen interessierte in dieser Untersuchung, ob, und wenn ja, wie sich depressive Patienten mit und ohne Allergie in ihrem Befinden und in elektrodermalen Parametern unterscheiden. Eine erhöhte elektrodermale Aktivität wäre bei Depression mit Allergie im Vergleich zu Depression ohne Allergie demnach eher zu erwarten. Dies mit größerer Wahrscheinlichkeit bei den Patienten, bei denen komorbide Angststörungen mit Depression einhergehen. Dies ist zwar relativ häufig der Fall, Untersuchungen die komorbide Angst bei Depression differenzieren und auch noch zusätzliche Allergie berücksichtigen, sind uns bislang nicht bekannt. In einem zweifaktoriellen varianzanalytischen Design untersuchten wir depressive Patientinnen der Weissenauer Depressionsstation sowie Angst-/Panikpatientinnen (A) einer Institutsambulanz in Budapest. Insgesamt waren dies 45 Frauen mit monopolarer Depression (D) sowie solche mit komorbider Angststörung (DA). Neben Parametern der EDA (SCL, SFL, 1. Amplitude), die im Rahmen eines Routineexperimentes erhoben wurden, füllten die Patientinnen Fragebogen zum Befinden aus (BDI, STAIG, B-L) sowie einen Allergiefragebogen (ALLEPSY). Es fanden sich signifikante Unterschiede zwischen den diagnostischen Gruppen in den Fragebogen. Dies zeigte sich erwartungsgemäß zwischen depressiven und Angstpatientinnen im BDI (DA und D > A; p = 0,0038). In der elektrodermalen Aktivität (SCL) hatten Patientinnen der Stichprobe mit Depression (D) signifikant höchste Werte (p = 0,03) und nicht wie wir dies erwartet hätten die depressiven Patientinnen mit komorbider Angst (DA). Depressive Patientinnen mit Allergien zeigen im Trend insgesamt höhere Depressionsscores (p = 0,07), ebenfalls lässt sich eine signifikant erhöhte Aktivität im Hautleitwert (p = 0,005) bei diesen zeigen. Diagnostisch-therapeutische Implikationen werden abschließend diskutiert.

Abstract

Electrodermal hypoactivity is a known phenomenon in depression. For different reasons a hyperactive electrodermal system should be more likely in allergic persons because of the known hyperreactivity both to psychological and immunological stimuli. Hypothesis of this study therefore was that this higher activity should also be seen in comorbid allergic depressed and anxious patients in comparison to non-allergic depressive patients. In a two-factorial variance analytic design (factor 1: anxiety/depression and anxiety/depression versus factor 2: allergy/non-allergy) we examined 45 age matched female depressed (D) and comorbid anxious (DA) inpatients of the Weissenau Depression Ward and female patients with anxiety/panic disorders (A) in a Budapest outpatient clinic. Besides measurement of electrodermal parameters (SCL, SFL, amplitude) patients filled in questionnaires (BDI, STAIG, B-L and a questionnaire regarding allergy). Results show no interaction between allergy and depression, but the three diagnostically groups differentiate as would be expected in BDI (p = 0.0038) with highest scores in DA; in all groups depression scores are highest in allergic patients (p = 0.07). Additionally in all diagnostic groups allergic patients had significantly higher electrodermal activity (SCL, p = 0.005) than non-allergic patients. Significant highest electrodermal activity were measured in the depressed group (D, p = 0.026) and not as we would have expected in the comorbid group DA. The implications for diagnostic-therapeutic strategies are discussed.

Literatur

Dr. Roland Straub

Zentrum für Psychiatrie Weissenau

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