Inf Orthod Kieferorthop 2003; 35(2): 129-139
DOI: 10.1055/s-2003-40409
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag

Kieferorthopädische Maßnahmen bei Kiefergelenkerkrankungen

Orthodontics in joint dysfunctionG. Cozzani1 , A. Guiducci1 , S. Mirenghi1
  • 1Centro Studi Ortodontici · La Spezia · Italy
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Publication Date:
08 July 2003 (online)

Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag hat ein kombiniertes kieferorthopädisch-orthodontisches Verfahren zur Therapie von akuten und chronischen Fehlfunktionen des Kiefergelenks zum Thema, die als Verlagerung des Discus articularis bzw. als degenerative Veränderungen der Kondylen imponieren. Dieses Verfahren wird schließlich auch an einem Fallbericht illustriert.

Es ist unstrittig, dass, wie in allen medizinischen Disziplinen, die Therapie eines pathologischen Zustandes an der Ursache ansetzen muss. Wenn also eine Störung von anatomischen Strukturen ausgeht, dann müssen auch diese anatomischen Strukturen behandelt werden, und wenn die Ursache im Kiefergelenk liegt, dann muss unsere Therapie eben auch dort ansetzen. Andere therapeutische Maßnahmen wie etwa psychologische Betreuung, Schmerzbehandlung oder antiphlogistische Medikation sind zwar sehr gut als unterstützende Maßnahmen geeignet, sie können jedoch die eigentliche Störung nicht beseitigen.

Die Behandlung beginnt mit einer kieferorthopädischen Phase und einer anterioren Repositionsschiene. Diese hat die Aufgabe, einen verlagerten Discus articularis wieder in seine physiologische Stellung zu bringen bzw. eine biologische Regeneration von degenerativ veränderten knöchernen Gelenkanteilen anzuregen. Erst wenn dies erreicht ist, folgt die zweite orthodontische Phase, in der die neue intermaxilläre Lagebeziehung okklusal stabilisiert wird. Hier können auch chirurgische oder prothetische Maßnahmen notwendig werden.

Abschließend wird ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen innerhalb der Kieferorthopädie gegeben. Außerdem wird die Empfehlung ausgesprochen, dass sich unsere Profession unter allen Umständen darum bemühen muss, keine Situationen herbeizuführen, die entweder das Kiefergelenk oder die Kaumuskulatur schädigen könnten.

Abstract

This article deals with an orthopedic-orthodontic approach to treating acute or chronic TMJ dysfunction resulting in internal derangement and/or osteoarthrosis, as illustrated by a case study.

It is evident that any pathology - in all branches of medicine - must be dealt with at the source. So if the damage is anatomical, it must be healed anatomically and if it is in the joint then it is the joint that we must treat first. All other forms of therapy - psychological, pain relief, antiinflammatory medication, etc. - are fine as support but will not solve the problem.

The treatment plan departs from an orthopedic stage with an anterior repositioning splint whose purpose is to recapture the disc in ID cases and, where tissue has been destroyed, to stimulate bioregeneration of joint extremities and exert an orthopedic action. Only when these aims have been achieved does the patient enter the second stage - orthodontic occlusal stabilization - with integrated surgery and prosthodontics, if required.

Among the conclusions are suggestions for future prospects in orthodontics, and the recommendation that this specialty must above all beware of creating situations likely to cause either condylar or muscular harm.