Inf Orthod Kieferorthop 2003; 35(3): 189-198
DOI: 10.1055/s-2003-42323
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Verursacht der Zahnfollikel des Eckzahns Resorptionen an den Wurzeln der bleibenden Schneidezähne?

Eine computertomographische Untersuchung an durchbrechenden oberen EckzähnenDoes the canine dental follicle cause resorption of permanent incisor roots?A computed tomographic study of erupting maxillary caninesS. Ericson 1 , K. Bjerklin1 , B. Falahat1
  • 1Departments of Oral and Maxillofacial Radiology (Drs Ericson and Falahat) and Orthodontics (Dr. Bjerklin), Institute for Postgraduate Dental Education, Jönköping, Sweden
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Publication Date:
24 September 2003 (online)

Zusammenfassung

Bei 107 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 15 Jahren wurden Computertomogramme (CT) angefertigt. In dieser Probandengruppe wurde an insgesamt 176 noch nicht durchgebrochenen oberen Eckzähnen (152 verlagert und 24 normal liegend) die Frage untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Vergrößerung der Zahnfollikel der Eckzähne und Resorptionserscheinungen an den Wurzeln benachbarter Zähne besteht. Dazu wurden aufeinander folgende CT-Scans der Eckzahnregion des Oberkiefers angefertigt. Neben der Größe und der Form des Zahnfollikels wurden jeglicher Kontakt zwischen Zahnsä ckchen bzw. Zahnkrone des bleibenden Eckzahnes mit benachbarten Schneidezahnwurzeln untersucht. Resorptionserscheinungen konnten an 58 (38 %) der seitlichen und an 14 (9 %) der mittleren bleibenden Schneidezähne festgestellt werden. Die Größe und die Gestalt des Eckzahnfollikels variierte ebenso wie seine Lage gegenüber der Wurzel des bleibenden seitlichen Schneidezahnes stark. Die Größe des Zahnsäckchens schwankte zwischen 0,5 mm und 7,0 mm. Der Mittelwert ± SD war bei verlagerten Eckzähnen durchschnittlich größer (2,9 ± 0,8 mm) als bei normal liegenden Eckzähnen (2,5 ± 0,8 mm) (P < 0,01). Wir konnten beobachten, dass der Follikel des bleibenden Eckzahnes im Verlauf des Durchbruches zwar häufig die Kontur der knö chernen Alveole des benachbarten Zahnes resorbierte, die übrigen Hartgewebe der Zahnwurzel waren davon allerdings nicht betroffen. Daraus konnten wir schließen, dass der Zahnfollikel für sich alleine keine Resorptionen an Zahnwurzeln der bleibenden Zähne verursacht. Solche Resorptionen sind sehr wahrscheinlich Folge von direktem Kontakt zwischen Eckzahnfollikel und Wurzeln der bleibenden Schneidezähne, von aktivem Druck während des Zahndurchbruches und von Aktivitäten der Zellen im Bereich dieses Kontaktes. Ein Zusammenhang zwischen der Resorption von Wurzeln der Milcheckzähne und dem Zahnfollikel des durchbrechenden bleibenden Eckzahnes konnte durch unsere Studie ebenfalls bestätigt werden.

Abstract

We performed computed tomography (CT) on 107 children and adolescents aged 9-15 years with 176 unerupted maxillary canines (152 ectopically and 24 normally erupting) to determine whether there was an association between widened dental follicles of the maxillary canines and resorption of the adjacent incisors during eruption. Contiguous axial (transverse) CT scans were obtained through the maxilla in the region of the canines. The width and shape of the dental follicles were recorded, as were any contacts between the follicles and the crowns of the maxillary canines and neighboring incisors. Fifty-eight lateral incisors (38 %) and 14 central incisors (9 %) had some type of root resorption. The position of the maxillary canine in relation to the root of the lateral incisor varied greatly, as did the width and shape of the canine dental follicle. Follicle width ranged from 0.5 mm to 7.0 mm. The mean ± SD width of dental follicles was, on average, larger for the ectopically positioned canines (2.9 ± 0.8 mm) than for the normally erupting canines (2.5 ± 0.8 mm) (P < 0.01). We found that during eruption, the follicle of the erupting maxillary canine frequently resorbed the periodontal contours of adjacent permanent teeth but not the hard tissues of the roots. We concluded that the dental follicle did not cause root resorption of permanent teeth. Resorption of neighboring permanent teeth during maxillary canine eruption was most probably an effect of the physical contacts between the erupting canine and the adjacent tooth, active pressure during eruption, and cellular activities in the tissues at the contact points, all of which are part of the eruptive mechanism. The findings also confirm an association between root resorption of deciduous canines and the dental follicles of erupting permanent canines.