ZKH 2003; 47(4): 163-177
DOI: 10.1055/s-2003-45196
Originalia

Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Zwei Tuberkulinum-Fälle

Carl Rudolf Klinkenberg
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Publication Date:
05 December 2003 (online)

Zusammenfassung

Fallbeschreibung von zwei Jungen mit chronischen Folgen nach BCG-Impfung und familiärer Tuberkulose. Der Heilungsverlauf unter Tuberkulinum wird beschrieben, die Materia medica-Quellen der Arznei werden untersucht. Weitere Themen sind die Erblichkeit infektiöser Krankheiten sowie die Bedeutung einer infektiösen Diathese für die Arzneiwahl.

Summary

Case Reports about two children suffering from the effects of BCG-vaccination and tuberculosis in the family. How the patients were cured with Tuberkulinum is described and the sources of Materia medica are examined. Other themes are the heredity of infectious diseases and the signification of infectious diathesis for choosing the remedy.

Anmerkungen

01 Der Multi-Test-MerieuxR ist ein Stempeltest zur Messung der zellulären Immunabwehr gegenüber 7 Antigenen, u.a. Alt-Tuberkulin. Siehe Anm. 9.

02 Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (engl. ADHD: Attention Deficit Hyperactivity Disorder).

03 Die BCG-Impfung (TBC-Impfstoff Bacille-Calmette-Guérin) enthält einen lebenden, apathogenen Stamm von Rinder-Tuberkelbakterien. Die Impfung wurde 1907 von Calmette und Guérin entwickelt. In Westdeutschland wurde sie seit 1955 empfohlen, in der ehemaligen DDR gab es ab 1951 Impfaktionen und seit 1962 Impfpflicht für TBC. Seit 1998 wird die Impfung wegen nicht eindeutig nachweisbarer Wirksamkeit und häufiger Impfkomplikationen von der STIKO nicht mehr empfohlen (Robert Koch-Institut, Pressestelle).

04 Die Nachträge im Kinderrepertorium von Pennekamp sind in der Mehrzahl klinische Erfahrungen der indischen Homöopathen P. Vakil und P. Prahlad (Mumbai) und des Autors, ergänzt durch eine Materia medica von M. Burgess-Webster (siehe Kapitel „Materia medica”) (H. Pennekamp, persönl. Mitteilung).

05 Die angegebenen Quellen sind im Kapitel „Materia medica” erläutert. Ein Verzeichnis der verwendeten Siglen findet sich am Ende der Arbeit.
Die unter Bac. beobachteten Symptome wurden mit einem Zusatz gekennzeichnet.
Symptome aus Nebels Arzneimittelprüfung an TBC-Kranken [[26]] wurden als Hinweis (im Wortlaut der Materia medica Clarkes) übernommen und in Klammern gesetzt. Dasselbe gilt für Angaben von Clarke [[11]] und Allen [[2]] mit unklarer Quellenlage. Bei den klinischen Symptomen Burnetts wurde die Primärquelle angegeben, wenn sie auffindbar war. Angaben von C. M. Boger (Synoptik Key) [[5]] und S. R. Phatak (Materia Medica) [[29]] wurden mit einbezogen.

06 Hierzu gibt es eine Fülle homöopathischer Literatur. Z.B. zeigt Burnett in seinem Buch „The New Cure For Consumption By Its Own Virus” anhand einer Reihe von Kasuistiken, wie er chronische Fälle von beginnender TBC und Fälle mit familiärer TBC mit Bac. heilte [[9]].

07 Der Verzicht auf Weisszucker, Süßigkeiten und Süßstoff unterstützt nach eigenen Erfahrungen die homöopathische Behandlung. Eine Ernährungsumstellung auf Vollwertkost und die Gabe von mineralstoffreichen Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. Urweizengrassaft) führt in manchen Fällen zu einer Abschwächung der Symptome. Fehlernährungen haben nach aktueller Lehrmeinung jedoch keinen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung oder den Verlauf der ADHS.

08 Ausnahme sind abwehrgeschwächte Menschen. In Deutschland beträgt die Inzidenz der TBC mit 7000 bis 8000 Fällen pro Jahr nur noch ein Zehntel von 1960. Die meisten der Erkrankten sind ältere Menschen, die sich im Zweiten Weltkrieg infiziert hatten und bei denen die TBC im Alter ausbricht, und Ausländer.

09 Der PPD-Test ist ein Intrakutantest mit gereinigtem Tuberkulin (purified protein derivative of tuberculin), der im spezifisch infizierten Körper eine Reaktion vom verzögerten Typ mit lokaler Rötung und Schwellung hervorruft. Ein positiver Test besagt, dass der Organismus nachweislich mit Tuberkelbakterien infiziert worden ist. Gereinigtes Tuberkulin wird durch Fällung und Ultrafiltration aus Alt-Tuberkulin hergestellt.
Alt-Tuberkulin ist ein auf ein Zehntel konzentriertes und mit 0,5 % Phenol versetztes Filtrat einer in Wasserdampf sterilisierten Glyzerin-Bouillon-Kultur menschlicher Tuberkelbakterien, das die Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte und die löslichen Extrakte der Tuberkelbakterien enthält [[24]].

10 „I have never found, that it interfered with its (Tub., A.d.V.) action to give intercurrent doses of other remedies, that might seem indicated by the symptoms” (Burnett, BCC 311).

11 Der Synoptik Key (SK) von Boger enthält nach seiner Konzeption nur charakteristische Symptome. Diese werden in drei Graden mit Normal-, Fett- und Blockschrift unterschieden. Charakteristische Symptome werden bei Bönninghausen (TB) [[4]] und Boger (Boenninghausen's Characteristics And Repertory) mit dem 3. und höheren Graden bezeichnet. Im SK wird daher der Normalschrift Grad 3, Fettschrift Grad 4 und Blockschrift Grad 5 zugeordnet.

12 Hier nicht zutreffend, aber interessant ist, dass H. Imhäuser über den Tuberkulintest schreibt: „Ist aber die vordem negative Tuberkulinprobe in jüngster Zeit positiv geworden, so ist eine Behandlung mit Tuberkulin in jedem Fall - unabhängig von den Symptomen - angezeigt.
Man ist immer wieder überrascht, in wie kurzer Zeit nach einer einzigen Gabe Tuberkulin eine Wendung zum Besseren eintritt, insbesondere was die Stimmung, den Schlaf und den Appetit angeht” [[17]].

13 Um den Textfluss nicht zu stören, sind im Folgenden einige weitere Repertorisationen in den Fussnoten aufgeführt:
Flechten (TB 237): Calc. (4), Sep. (4), Sulf. (4). Finger, zwischen den (TB139): Sep. (2).
< Schwitzen, beim (TB 365): Calc. (2), Sep. (4), Sulf. (4).
Warzen (TB 274): Calc. (4), Sep. (3), Sulf. (4).
Hands, eruption, fingers, between (MMR 649): Calc. (4), Psor. (2), Sep. (1), Sulf. (2).
Hands, warts (MMR 674): Calc. (3), Sep. (2), Sulf. (3), Psor. (2).

14 Hinweise auf Tub.: Alopecia areata (Clarke, CNC 582-583, Bac.). Hair, loss of, in young people (MMR 573): Tub. (1).
Repertorisation: Hair, loss of, in spots und Hair, loss of, in patches (MMR 573): Phos. (3), Psor. (2).
Salz, Verlangen (SR II 266): Phos. (3).
Saures, Verlangen (SR II 271): Phos. (2).
Warme Speisen, Abneigung (SR II 279): Phos. (3). Kalte Getränke, kaltes Wasser, Verlangen (SR II 233): Phos. (3).

15 Clarke schreibt: „Ich finde keinerlei merklichen Unterschied zwischen der Wirkung von Tub. und der von Bac. Mein Eindruck ist, dass sie praktisch identisch sind, und dass ein Mittel auf die Anzeigen des anderen ansprechen wird. Nebel benutzte Tub. exakt in derselben Weise wie Burnett und andere Bac. einsetzten, und zwar auf die Indikationen hin, die Burnett niedergeschrieben hat und dies mit den gleichen Resultaten wie Burnett” (CNC 6035; vgl. Burnett, BCC 313). Raue, Mohr und Knerr fassen beide Arzneien in den GS unter Tub. zusammen (GS X 350-356) [[16]], ebenso Allen in den Leitsymptomen [[1]].

16 Burnett, BCC 139-140 und XIII.

17 AMP Burnetts: BCC 16-18, AMP Clarkes: BCC 278-280. Als Einziger wiederholte Straten die Prüfung wenige Tage nach Beendigung seiner ersten Prüfung.

18 Nebel 1900: 296.

19 Übereinstimmungen der Prüfung mit den Kasuistiken dieser Arbeit sind u.a.: Aufgeregt nervös. Schlaf mit schweren Träumen. Hustenreiz nachts, viel Schwitzen (Nebel 1900: 296, 297, 298, 301).
Clarke schreibt, die nicht gekennzeichneten Symptome seiner Materia medica stammten aus Nebels Prüfung (CNC 6035), was durch einen Vergleich bestätigt wird. Einzelne Abweichungen vom deutschem Original Nebels fallen auf, möglicherweise mitbedingt durch fehlerhafte Übersetzung: Z.T. werden Symptome in sinnverändertem Wortlaut übernommen, mehrere Symptome einzelner Prüfer zu Symptomkomplexen zusammengefasst und - selten - Symptome durch Zusätze unklarer Herkunft ergänzt (vgl. hierzu die Kapitel „Schlaf” und „Männl. Geschlechtsorgane”).
Einige nicht gekennzeichnete Symptome Clarkes finden sich nicht in Nebels Prüfung, z.B. das Symptom „Viel Schweiß, besonders am Kopf, nachts” (CNC 6051); die Quelle dieser Symptome ist unklar.

20 Clarke, CNC 6034. Die mit Namen oder Siglen gekennzeichneten Symptome stammen also nicht von Homöopathen, sondern von Ärzten, die Tuberkulin-Injektionen durchführten. Z.T. handelt es sich um Symptome, die in einer Materia medica nichts zu suchen haben, z.B.: Side of injection slightly painful and red (2nd d.) (Einstichstelle der Injektion leicht schmerzhaft und gerötet, 2. Tag. CNC 6050).
Es wurden Injektionen mit unterschiedlichen materiellen Konzentrationen Alt-Tuberkulin durchgeführt (Burnett BCC XIV; Nebel 1902. 88).

21 21 ORG § 110 [[15]]; siehe z.B. bei Arsenicum, CK V 499 ff. [[14]].
Burnett testete Kochs Tuberkulin aufbereitet als homöopathisches Mittel und fand, dass es ein gut wirksames antituberkulöses Mittel sei (BCC 142).

22 Hier schreibt offenbar einer vom anderen ab. S. Swan setzte Krankheitssymptome der TBC mit Prüfungssymptomen gleich. Er war der Meinung, Tub. sei bereits vollständig durch TBC-Kranke geprüft: „Tragen Sie die Symptome zusammen - und Sie wissen genug über die pathogenetische Wirkung eines jeden dieser Ansteckungsstoffe...” (zitiert aus: Genneper, Wegener 2001: 220) [[12]]. Swan bringt zwar einzelne klinisch geheilte Symptome in die GS ein, aber keine TBC-Symptomatik.
Clarke übernahm in seine Materia medica eine Pathogenese von Mersch, die einzelne Symptome dieser Art enthalten könnte (CNC 6035). Dass Nachträge von Allen [[2]] spezifische TBC-Symptome enthalten, lässt sich nicht sicher ausschließen, ist jedoch bei genauer Betrachtung der Symptome sehr unwahrscheinlich.

23 Letzteres hält der Autor für wahrscheinlich. In einem Artikel von M. Burgess-Webster (s.u.) findet sich folgender klinischer Hinweis: „A student proved Tub. to the point of several haemorrhages; Nux vom. was the antidote (H. C. Allen)” (Burgess-Webster 1933: 192).
Die Abfolge der Einträge bei Tub. in Allens Materia medica ist immer dieselbe: Zu Beginn eines jeweiligen Kapitels werden die Symptome aus Clarkes Materia medica aufgeführt, es folgen eigene Symptome Allens und am Ende die klinischen Symptome aus den GS mit Quellenangaben. Nur an drei Stellen fügt Allen noch ein klinisches Symptom mit Angabe des Autors an das Kapitelende an: Jackson (S. 506), E. Pugh (S. 521) und Scholes (S. 522).
Einige Ungenauigkeiten fallen auf: Bei den Symptomen nach Tuberkulin-Injektionen werden die abgekürzten Quellenangaben Clarkes weggelassen, von Clarke ausgeschriebene Namen dagegen angegeben (vgl. die Kapitel „Chest” und „Upper limbs”). Manche Symptome führt Allen sowohl unter Bac. als auch Tub. auf, z.B.: „Taciturn, sulky, snappish…” wird unter Bac. mit, unter Tub. ohne Quellenangabe genannt (S. 34, 503). Einzelne Symptome aus Clarkes Materia medica werden nicht übernommen.

24 „Dr. H. C. Allen's… Materia Medica… has been followed closely with additional data and verified and clinical symptoms as published from time to time in the Transactions of the International Hahnemannian Association and other soures by Drs. J. M. Green, N. Campbell, C. M. Boger, G. H. Thacher, H. A. Roberts, R. E. S. Hayes, Underhill, Waring, J. T. Kent and others” (Burgess-Webster 1933: 193). Interessanterweise werden auch eine Reihe klinischer Angaben von Allen genannt, die in seiner Materia medica fehlen.
Kritik: 1. Die Nachträge sind nur vereinzelt mit Autorennamen gekennzeichnet. 2. Die Ungenauigkeiten, die in Allens Materia medica enthalten sind, werden übernommen. 3. Burgess-Webster kombiniert Einzelsymptome nach Belieben zu Symptomkomplexen, so dass der Eindruck entsteht, es handele sich jeweils um den Symptomkomplex eines Prüfers oder klinischen Falles.
In dieser Zusammenstellung findet sich aber folgendes Symptom, das in der zweiten Kasuistik in abgeschwächter Form vorhanden war und durch Tub. geheilt wurde: „Hands and feet hot, must bath them in cold water” (Burgess-Webster 1933. 182).

25 Bei Burnett findet sich in Bezug auf die Vakzinose das Konzept einer Krankheit mit Doppelnatur, worunter er zwei selbständige Pathologien versteht. Eine solche Krankheit könne nicht durch ein Einzelmittel geheilt werden, welches nur für eine der beiden Pathologien homöopathisch ist (Burnett 1991: [[9]]).

26 Hering C, Stapfs Archiv 1834; Bd. 14, Heft 2: 99 (zitiert aus: v. Keller [[20]]).

27 Gesicht, Hautausschlag, Wangen (TB 51): Calc. (3), Rhus-t. (4), Sil. (3).
Hautflechten, trocken (TB 239): Calc. (3), Rhus-t. (2), Sil. (4), Sulf. (2).
Äußerer Kopf, Ohren, hinter den (TB 17): Calc. (3), Rhus-t. (2), Sil. (4), Sulf. (3).
Kopf, Hautausschlag, Krusten und Schorfe (KD I 187): Calc. (2), Rhus-t. (2), Sil. (2), Sulf. (3).
Gelenke, Kraftlosigkeit (Schwäche) (TB 217): Calc. (4), Rhus-t. (4), Sil. (3), Sulf. (4).
Kinderbeschwerden (TB 342): Calc. (5), Rhus-t. (1), Sil. (4), Sulf. (3).
Erkältungsneigung (TB 161): Calc. (3), Rhus-t. (3), Sil. (2), Sulf. (3).
Gesicht, Farbe rot, Lippen (KD II 90): Rhus-t. (1), Sulf. (3).
Eier, Verlangen (SR II 239): Calc. (3).
Butter, Verlangen (PKR 564): Calc. (1).
Materia medica: Jücken und Ausschlag im Gesichte (CK II 309). …Blüthchen an beiden Wangen… (CK II 330 Nr. 421). Scrophulöse Ausschläge. Milchschorf (JHA 80) [19]. Leichtes Verkälten (CK II 311). Schwieriges Laufenlernen, bei Kindern (JSK 197) [18]. Starkes Verlangen nach Eiern (CNC 858). Schmerz im rechten Fußknöchel, …als wolle sich der Fuß ausrenken (CK II 367 Nr. 1357).

28 Stuhl wundmachend (TB 88): Calc. (1), Sulf. (3). Hüft-Gegend (TB 140): Calc. (3), Rhus-t. (3), Sulf. (4).
Beine links (TB 140): Calc. (4), Rhus-t. (4), Sulf. (4).
Materia medica: Langwieriger Gesichtsausschlag. Jückende… Flechten über das ganze Gesicht. Rote Rauheit der Gesichtshaut. Milchschorf… (JSK 635). Beim Stuhle, Brenn-Gefühl am After, der wie roth und entzündet war… (CK V 362 Nr. 907). Wundheitsschmerz zwischen den Hinterbacken (CK V 363 Nr. 927).

29 Materia medica: Gesichtsausschläge: langwierige…; flechtenartige. Milchschorf, auch in dicken Krusten (JSK 458).

30 Burnett schreibt, dass in Fällen, bei denen angezeigte Mittel nicht helfen, häufig eine Blockade die vollständige Heilung verhindert. Wenn der Fall keine Fortschritte macht, sucht er nach einer Erkrankungsursache als Anhaltspunkt für die weitere Behandlung (Burnett 1991: 36).

31 Zorn, Jähzorn (PKR 145): Tub. (2).
Wut, Anfall (PKR 142): Tub. (3).
Musik hören, ständiges Verlangen (PKR 97): Tub. (2).
Butter, Verlangen (PKR 564): Tub. (3).
Farbe rot, Lippen (PKR 244): Tub. (1).
Ekzeme allg. (PKR 478): -.
Ekzem, im Winter < (PKR 480): Tub. (1).
Gesicht, Ekzem (PKR 241): Tub. (2).
Schlaflage, Bauch, auf dem (SR III 54): Tub. (2).
Materia medica: „…Verdrießlich, bissig, quengelig, reizbar, mürrisch… und melancholisch, sogar bis zum Wahnsinn” (BCC 69, 103). Bad temper (BCC 117). Fits of violent temper (Anfälle von Jähzorn); …throws anything at any one; even without a cause (PMM 603).
Skin dry, harsh (rauh). Chronic ekzema (PMM 604). Eczematous condition of the eyelids (BCC 288, Clarke). Well selected remedy fails to improve (PMM 602).

32 Grinding of teeth at night; grinds teeth (BCC 97, 99 und GS X 353, Burnett, Bac.).

33 „…als wäre die, ihnen durch Ansteckung oder Erbschaft eingeprägte Krankheit völlig verschwunden…” (ORG § 78 Fußnote). „…diese Fälle, wo der Kranke sich keiner Ansteckung... erinnerte, dennoch von der ihm vielleicht schon in der Wiege oder sonst unerinnerlich mitgetheilten Psora herrühren müssten, was dann auch bei sorgfältiger Nachforschung bei den Eltern… seine Bestätigung fand” (CK I 9).
Möglicherweise meint Hahnemann mit „Erbschaft” die konnatale Infektion. So konnte eine kontagiöse Krankheit wie Syphilis oder Krätze vom Partner auf den Partner, von der Mutter auf das Kind gleichsam „vererbt” werden [[23]].

34 M. L. Tyler: Homöopathische Arzneimittelbilder, Göttingen 1993, S. 789 (zitiert aus: Genneper, Wegener 2001. 222).

35 Gr. diathesis: Beschaffenheit, Zustand; die angeborene oder erworbene Schwäche eines Organs oder Organsystems. Im Gegensatz zur Disposition, lat. dispositio: planmäßige Anordnung; die Anfälligkeit des Organismus, auf bestimmte Noxen in krankhafter Weise zu reagieren. In der medizinischen Nomenklatur werden beide Begriffe oft synonym verwendet, jedoch gibt die Diathese eher die erbliche Veranlagung und die Disposition die erworbenen Schwachstellen bzw. Krankheitsanfälligkeiten an.

36 In Deutschland starben im Jahr 1900 216 Menschen, im Jahr 1880 315 Menschen auf 100 000 Einwohner an TBC. Für die Jahrzehnte davor lagen die Zahlen noch höher.
Die familiäre TBC ist den Nachkommen häufig nicht bekannt. Es empfiehlt sich beim Verdacht auf tuberkulöse Diathese gezielt Nachforschungen über die Vorfahren anstellen zu lassen. Die auf diesem Wege aufgedeckten Informationen sind immer wieder überraschend.

37 Der Ausdruck konditional ersetzt den Begriff „ätiologisch”, der heute leicht als Kausalnexus missverstanden wird. Die Tuberkelbakterien sind nicht die Ursache der TBC, wohl aber die conditio sine qua non, die notwendige Bedingung einer tuberkulösen Erkrankung (nach: Klunker 1990: 236).
In dieser Arbeit wird von tuberkulöser Diathese gesprochen. Der heute vielfach verwendete Begriff tuberkulinisch bzw. Tuberkulinie (L. Vannier, état tuberculinique) suggeriert, dass hier nicht die spezifische Ansteckung mit TBC gemeint ist, sondern eine der TBC ähnliche Disposition. Diese Formulierung behält sich also vor, der TBC oder dem Arzneimittel Tuberkulinum ähnliche Symptome z.B. unter dem Begriff eines tuberkulinischen Miasma zu subsummieren. Hahnemann verstand seine Miasmen als reale kontagiöse Krankheiten, die er in seiner Praxis beobachtete (Klunker, CK I. VII-XVIII) [[12], [23]]. Was ist ein „tuberkulinisches” Miasma anderes als die chronische Folge einer direkten oder ererbten Infektion mit TBC?
Außerdem bezieht sich tuberkulinisch auf die Arznei und nicht auf die Infektion, aber diese ist nun einmal tuberkulös. In der älteren Literatur bei Burnett, Allen [[1]], Straten [[30]] usw. wird noch von tubercular oder tuberculous (tuberkulös) und von tuberculous diathesis (tuberkulöse Diathese) gesprochen. Die Übersetzung von tubercular diathesis in „tuberkulinische Diathese” in Allens Leitsymptomen ist falsch.

38 Klunker 1990: 234.

Literatur

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  • 28 Pennekamp H. Kinder-Repertorium (PKR). 2. Auflage Osten-Isensee; Pennekamp MDT-Verlag 1999
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Ich danke der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) und Herrn K.-H. Gypser für die zur Verfügung gestellte Literatur.

Siglen

(ausführliche Angaben im Literaturverzeichnis)

AN = Allen, Nosodes
BCC = Burnett, Cure For Consumption
CK = Hahnemann, Die chronischen Krankheiten
CNC = Clarke, Der Neue Clarke
GS = Hering, Guiding Symptoms
JSK = Jahr, Symptomen-Kodex
JHA = Jahr, Haupt-Anzeigen
KD = Kent, Repertorium deutsch, Keller-Künzli
MMR = Murphy, Medical Repertory
ORG = Hahnemann, Organon
PKR = Pennekamp, Kinder-Repertorium
PMM = Phatak, Materia Medica
SK = Boger, Synoptic Key
SR = Barthel/Klunker, Synthetisches Repertorium
TB = Bönninghausen, Therapeutisches Taschenbuch

Anschrift des Verfassers:

Dr. med. Carl Rudolf Klinkenberg

Sternengasse 12

76275 Ettlingen