Zusammenfassung
In einem überwiegend gärtnerisch genutzten Gebiet in einem Niedermoorgebiet der Elbmarsch,
das teilweise in ein Gewerbegebiet umgewandelt wird, wird zufällig eine Kontamination
des Wassers aus Entwässerungsgräben des Moors mit Chlorethen (Vinylchlorid (VC)) und
1,2-cis-Dichlorethen (CIS) gemessen. Das aufsteigende Grundwasser tritt in die Gräben
aus. Die gelösten Schadstoffe (Wasserlöslichkeit für VC 1,6 g/l) können über den im
Gebiet hoch anstehenden Grundwasserspiegel in den Wurzelraum der Pflanzen und Obstgehölze
gelangen und theoretisch (wie in Modellrechnungen eingestellt) von ihnen mit dem Wasser
aufgenommen werden. Daneben konnte das Wasser aus den Gräben zum Bewässern der Kulturen
verwendet werden. Betroffen waren sechs Kleingartensiedlungen und eine Wohnsiedlung.
Im Grundwasser wurden - in der hauptsächlich betroffenen Region - bei 147 Wasserproben
maximal 5000 µg/l LCKW (ganz überwiegend VC und CIS) gemessen und im Grabenwasser
bei 52 Proben max. 2500 µg/l (Grenzwert der TrinkwV 10 µg/l) VC und CIS. Im Grabensediment
wurden rund 60 000 µg/kg TS (6 Proben) gefunden. Es wird kurz dargestellt, wie vom
Verbraucherschutzamt mit der plötzlich entstandenen Lage umgegangen wurde, welche
ersten Maßnahmen ergriffen wurden. Die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit
über die Kontamination von Pflanzen durch kontaminiertes Grund- und Grabenwasser werden
abgeschätzt. Im konkreten Fall wird an Stichproben die Belastung von Nahrungsmitteln
(Baumobst, Kartoffeln, Zwiebeln, Wurzeln) gemessen. Die Beaufschlagung der Bodenluft
wurde gemessen, ebenso wie die Migration im Gebäude. Die Bodenluft war kontaminiert,
allerdings wurden in Gebäuden innerhalb der Nachweisgrenzen keine Schadstoffe nachgewiesen.
Abstract
In an area used merely for gardening in a downland moor, which is partly transformed
to an industrial estate, accidentally a contamination of a drainage channel with VOC’s
- predominantly chloroethylene (vinyl chloride [VC]) and 1.2-cis-dichloroethylene
(DCE) - was found. The ascending ground water leaks into the drainage channels. The
dissolved harmful substances (water solubility of VC is 1.6 g/l) can reach the radix
range of plants and fruit bosks and can theoretically be incorporated with the water
influx. Additionally the water from the drainage channels can be used to water the
crops. Six gardens and a housing were involved. In the groundwater of the mainly concerned
region max. 5,000 µg/l VOC’s (quite predominantly VC and DCE) was measured from 147
samples. In the drainage channel water max. 2,500 µg/l was measured from 52 samples
(limit value according to the drinking water ordinance is 10 µg/l). In the sediment
of the channel with approximately 60,000 µg/kg VOC was found in dry matter (6 samples).
We describe, how the consumer protection dept. dealt with this unexpected situation
and what measures were taken. The impact on human health by the contaminated ground
and channel water or by means of contaminated plants are determined for tree fruits,
potatoes, bulbs and carrots. The soil air was contaminated, but in buildings no harmful
compounds were detectioned.
Schlüsselwörter
Vinylchlorid - Bioverfügbarkeit - Sedimentbelastung - Bodenluft - Gefährdungsabschätzung
Key words
Vinyl chloride - bioavailability - sediment impact - soil air - risk assessment