Laryngorhinootologie 2004; 83(1): 33-39
DOI: 10.1055/s-2004-814108
Rhinologie/Schädelbasis

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Malignome der inneren Nase und der Nasennebenhöhlen, Klinik, Therapie und Prognose verschiedener Tumorentitäten

Malignomas of the Nasal Cavity and the Paranasal Sinuses: Clinical Characteristics, Therapy and Prognosis of Different Tumor TypesS.  Euteneuer 1 , H.  Sudhoff 1 , M.  Bernal-Sprekelsen 2 , D.  Theegarten 3 , S.  Dazert 1
  • 1 Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Ruhr-Universität Bochum (Direktor: Prof. Dr. med. Dr. h.c. H. Hildmann)
  • 2 Servicio de ORL (Direktor: Prof. Dr. med. M. Bernal-Sprekelsen)
  • 3 Abteilung für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum (Direktor: Prof. Dr. med. K. Morgenroth)
Herrn Prof. Dr. med. Dr. h. c. Henning Hildmann zum 65. Geburtstag gewidmet.Auszugsweise als Poster „Malignome der Nasenhaupthöhle: Klinische Charakteristika, Therapieoptionen und Prognose der verschiedenen Tumorentitäten” bei der 74. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie in Dresden (28. 5. - 1. 6. 2003) vorgestellt.
Further Information

Publication History

Eingegangen: 1. August 2003

Angenommen: 14. November 2003

Publication Date:
23 January 2004 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Malignome der Nasenhaupthöhle (NHH) und der Nasennebenhöhlen (NNH) sind seltene Tumorerkrankungen. Sie machen etwa 3 % der Malignome im Kopf-Hals-Bereich aus.
Patienten und Methode: In den Jahren 1998 bis 2002 wurde an der HNO-Klinik der Ruhr-Universität Bochum bei insgesamt 46 Patienten die Erstdiagnose eines Malignoms der NHH bzw. NNH gestellt.
Ergebnisse: 18 der 46 Malignome waren Plattenepithelkarzinome. Bei der Erstdiagnose lagen 52 % der Malignome im T4-Stadium vor. In 17 % der Fälle konnte der Ausgangsort des Tumors nicht mehr identifiziert werden. Weitere 43 % der Malignome nahmen ihren Ausgang von der NHH, 20 % von der Kieferhöhle. Bei 11 der 46 Patienten (24 %) lagen bei Erstdiagnose bereits zervikale Lymphknotenfiliae vor. 92 % der Patienten wurden primär operiert. 25 Patienten (54 %) wurden zusätzlich bestrahlt. Die Einjahres-Überlebensrate des Gesamtkollektivs betrug 75 %, die Zweijahres-Überlebensrate 47 %. Lediglich der operativ erzielte Resektionsgrad, der Lymphknotenstatus bei Erstdiagnose und das Patientenalter konnten als unabhängige Faktoren für das Überleben identifiziert werden. 76 % der Patienten (16/21) verstarben an einem Lokalrezidiv. Rezidive traten bei Malignomen der Kieferhöhle häufiger auf als bei Malignomen der NHH und der Siebbeinzellen.
Schlussfolgerungen: Malignome der NHH und der NNH werden oft erst in fortgeschrittenen Tumorstadien diagnostiziert. Das Rezidiv-Verhalten bestimmt die limitierte Prognose. Prospektive, multizentrische Studien zur Therapie der Malignome sind dringend erforderlich.

Abstract

Background: Malignomas of the nasal cavity and the paranasal sinuses count for less than 3 % of the ENT-malignancies.
Patients and Methods: This retrospective chart review reports about 46 patients that were first diagnosed and treated with a nasal cavity or paranasal sinus malignancy between 1998 and 2002 in the ENT department of the Ruhr-Universität Bochum.
Results: 18 of 46 malignomas were squamous cell carcinomas. At initial diagnose, already 52 % of malignomas were staged T4. Accordingly the origin in 17 % of malignomas could not be determined anymore. Additional 43 % of malignomas originated from the nasal cavity, another 20 % from the maxillary sinus. 11 of 46 patients (24 %) showed histological proven nodal involvement at initial diagnose. 92 % of patients underwent surgical therapy. 25 patients were radiated postoperatively. Over-all 1-year-survival-rate was 75 %, over-all 2-year-survival-rate was 47 %. Beside patients age, tumor free margins at initial surgery and absence of nodal involvement correlated to improved survival. 16 (76 %) of the 21 patients who died had local recurrence. Maxillary sinus malignomas recurred more often than malignomas of the ethmoid and the nasal cavity.
Conclusions: Malignancies of the nasal cavity and paranasal sinuses are very often diagnosed in advanced T-stages because of unspecific symptoms. The limited prognosis mainly depends on free surgical margins at the first resection and nodal involvement at the first diagnose. For improvement in outcome of nasal and paranasal sinuses malignancies, prospective multi-center trials are necessary.

Literatur

1 Prozentual waren nach 2 Jahren mehr Patienten rezidivfrei als diesen Zeitraum überlebten (48 versus 47%). Ursächlich hierfür sind die unterschiedlichen Grundgesamtheiten, auf die sich die relativen Prozentangaben beziehen (41 versus 43 Patienten) sowie das Versterben eines rezidivfreien Patienten im zweiten Jahr des Follow-up aus von der Malignomerkrankung abweichenden Gründen. Der T1-Tumor des Patienten konnte vollständig reseziert werden (R0). Auf diese Patienteneigenschaften sind auch die scheinbar widersprüchlichen Prozentangaben hinsichtlich des Überlebens bzw. des Rezidiv-Verhaltens der T1-Tumoren und der R0-resezierten Patienten zurückzuführen.

2 Grundgesamtheit der Überlebensanalyse: 43 Patienten; Grundgesamtheit der Analyse des Rezidiv-Verhaltens: 41 Patienten; 2 Patienten verstarben mit Tumorprogredienz nach Probeentnahme mit bzw. ohne palliativer Radio-Chemotherapie.

Sara Euteneuer

Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Ruhr-Universität
Bochum · St. Elisabeth-Hospital

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