Psychother Psychosom Med Psychol 2004; 54 - P3625
DOI: 10.1055/s-2004-819796

Autogenes Training für Studierende der Medizin – Therapeutische Effekte in Grundstufe, Mittelstufe und Oberstufe

H Greß 1, S Schwarz 2, V Köllner 2
  • 1Institut für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
  • 2Uniklinik Saarland

Einleitung: Innerhalb der psychotherapeutischen Behandlungsmaßnahmen hat sich das autogene Training nach J. H. Schultz vielfältig bewährt und als wirksam erwiesen. Im klinischen Alltag wird vor allem mit der Grundstufe gearbeitet. Diese ist aber nur ein Teil des Gesamtkonzepts. Das AT ist keine einheitliche Therapiemethode sondern umfasst in Grund-, Mittel- und Oberstufe unterschiedliche Elemente mit unterschiedlichen Wirkfaktoren.

Fragestellung: Welche Studierende der Medizin nehmen an freiwilligen AT-Kursen teil und welche Änderungen lassen sich in den Bereichen Körpersymptome, psychische Befindlichkeit und Konzentrations- und Leistungsstörungen erzielen? Wie unterscheiden sich die Effekte in Grund-, Mittel- und Oberstufe?

Methode: Untersucht wurden Medizinstudenten in einem Prä-post-Design mit der Beschwerdeliste (B-L) und der Befindlichkeitskala (Bf-S, beide von Zerssen, 1976) sowie der Kieler änderungssensitive Symptomliste (KASSL, Zielke, 1979). Studenten, die nur an einem Grundstufenkurs teilnahmen N=91, Studenten, die an Grundstufe und an einem Mittelstufen-Kurs teilnahmen N=37 und Studenten, die an Grundstufe, Mittelstufe und Oberstufe teilnahmen N=26. Als Kontrollgruppe dienten N=18 Teilnehmer der Psychosomatik-Vorlesung.

Ergebnisse: Sowohl in der B-L als auch in der Bf-S und auch in der Skala 4 der KASSL (Konzentrations- und Leistungsschwierigkeiten) gaben die Kursteilnehmer in der Ausgangserhebung signifikant höhere Symptombelastungen an. Nach dem Grundkurs war eine signifikante Verbesserung in allen drei Bereichen nachweisbar, während die Kontrollgruppe am Semesterende keine signifikanten Veränderungen aufwies. Die Kursteilnehmer hatten nach der Grundstufe bei Körperbeschwerden, Konzentrationsstörungen das Niveau der Kontrollgruppe erreicht, während bei der Befindlichkeit weiter ein signifikanter Unterschied bestand. Bei den Konzentrationsstörungen verbesserten sich die Teilnehmer des Fortgeschrittenen- und Oberstufenkurses weiter signifikant und erreichten hier nach 3 Kursen bessere Werte als die Kontrollgruppe.

Diskussion: Es zeigte sich, dass das AT vor allem von Studierenden belegt wurde, die bei sich eine höhere Symptombelastung wahrnahmen. Sie konnten eine signifikante Symptomreduktion erzielen. Dieser Effekt zeigte sich auch noch in der Mittel- und Oberstufe.