Fortschr Neurol Psychiatr 2005; 73(11): 674-680
DOI: 10.1055/s-2004-830247
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Welche schizophrenen Patienten verbessern sich unter Arbeitstherapie, welche nicht?

Ein Beitrag zur differenziellen WirksamkeitsprüfungWhich Schizophrenic Patients Improve Under Work Therapy, which Ones Don’t? K.  H.  Wiedl1 , K.  Kemper1 , S.  Uhlhorn1 , H.  Schöttke1
  • 1Universität Osnabrück, Fachbereich Humanwissenschaften, Lehreinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie
Diese Untersuchung wurde im Rahmen des Kompetenznetzes Schizophrenie durchgeführt und teilweise vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert (Kennzeichen: 01 GI 9932).
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Publication History

Publication Date:
25 April 2005 (eFirst)

Zusammenfassung

Diese Arbeit ist Teil einer Multizentrumsstudie zur Überprüfung der Wirksamkeit einer vierwöchigen stationären Arbeitstherapie im Vergleich zu einer kreativitätsorientierten Ergotherapie. Kriterium war das Osnabrücker Arbeitsfähigkeitenprofil (O-AFP) mit den Skalen „Lernfähigkeit”, „Fähigkeit zur sozialen Kommunikation” und „Anpassung”. Als Ergebnis zeigten sich keine oder nur geringe Veränderungen der Arbeitsfähigkeiten und keine Überlegenheit der Arbeitstherapie. In vorliegender Analyse wird versucht, innerhalb der arbeitstherapeutischen Maßnahmengruppe eines der Zentren Untergruppen von Patienten mit unterschiedlichen Verläufen zu identifizieren. Mithilfe von Cluster-Analysen werden pro Skala drei Gruppen abgegrenzt. Untergruppen mit Verbesserungen umfassen 24 % (Lernfähigkeit) und 15 % (Soziale Kommunikationsfähigkeit) der Patienten, bei Anpassung kommt es zu Verschlechterungen (9 %). Die übrigen Cluster fassen Patienten mit gleich bleibender Fähigkeitsausprägung auf unterschiedlichen Niveaus zusammen. Vergleiche der Cluster auf neurokognitiven, motivationalen und Symptomvariablen zeigen, dass die Cluster unterschiedlicher Lernfähigkeit sich v. a. durch neurokognitive Charakteristika, die der sozialen Kommunikationsfähigkeit v. a. durch Symptom- und Motivationsmerkmale und die der Anpassung ausschließlich durch die Positivsymptomatik unterscheiden lassen. Weiterhin ergeben sich spezifische Hinweise auf die mit Veränderungen einhergehenden Variablen. Die Diskussion beinhaltet Fragen der Diagnostik und Prognostik im Rehabilitationsverlauf, der neurokognitiven Theorie der Schizophrenie und der Entwicklung personenbezogener Maßnahmen der Behandlung.

Abstract

This investigation is part of a multicenter study, where only small effects and no superiority compared to creative ergotherapy was found for four weeks of inpatient work therapy. The criteria were three scales of the Osnabrück-Working Capabilities Profile (O-AFP) assessing basic learning ability, social communication ability and adaptation at the work place. The goal of this investigation is to identify subgroups of patients within the work therapy group, which differ in their course of ability level during the intervention. Three subgroups were identified for each scale. Subgroups with improvements comprise 24 % (learning ability) and 15 % (social communication) of the sample. Adaptation level decreases in a group of 9 % of the patients. The remaining clusters show constancy of abilities at different levels. Comparison of the clusters with neurocognitive, symptom and motivational variables shows that for learning ability mainly neurocognitive variables yield salient differences, whereas for social communication abilities, symptoms and motivation, together with a specific aspect of memory, seem to be characteristic. Only positive symptoms are related to adaptation. Also, there are hints for variables that specifically characterize patients with improvement of ability level. The discussion deals with issues of assessment and prognosis in rehabilitation, contributions to the neurocognitive theory of schizophrenia and to the development of person-centered interventions.

Literatur

1 Tabellen mit den statistischen Kennwerten der einzelnen Untersuchungsvariablen für die unterschiedlichen Cluster können unter www.O-AFP.uos.de eingesehen werden.

Prof. D. Karl H. Wiedl

Universität Osnabrück

Knollstr. 15

49069 Osnabrück ·

Email: wiedl@uni-osnabrueck.de