NOTARZT 2005; 21(3): 89-96
DOI: 10.1055/s-2004-834619
Originalia
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die notärztliche Versorgung des „akuten Koronarsyndroms” im Rettungsdienst in Bayern

Prehospital Treatment of the Acute Coronary Syndrom in the Emergency Medical Services in BavariaP.  Sefrin1 , B.  Lafontaine1
  • 1Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Würzburg, Sektion für präklinische Notfallmedizin
Die Autoren erklären, dass sie keine finanziellen Verbindungen mit einer Firma haben, deren Produkt in diesem Artikel eine wichtige Rolle spielt (oder mit einer Firma, die ein Konkurrenzprodukt vertreibt).Nachdruck aus: Dtsch Med Wochenschr 2004; 129: 2025 - 2031 © Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York · ISSN 0012-0472
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Publication Date:
23 May 2005 (online)

Zusammenfassung

Anlass für den Einsatz des Notarztes bei kardiovaskulären Krankheitsbildern ist in 37,2 % der Fälle das akute Koronarsyndrom (ACS). Trotz wesentlicher Verbesserungen der Diagnostik und Therapie ist eine Minderung der Letalität nicht zu verzeichnen. 200 221 verfügbare Notarztprotokolle aus dem Rettungsdienst in Bayern wurden retrospektiv hinsichtlich der präklinischen Versorgung des ACS (23 338 Einsätze) analysiert. 15 min nach Alarmierung des Notarztes erreichte dieser 92,2 % der Patienten. Die Behandlungszeit betrug im Durchschnitt 23,2 ± 3,3 min. Bei 37,5 % der Einsätze lag nur eine geringe Gefährdung vor, bei 35,6 % war eine akute Lebensgefahr der Grund für eine stationäre Einweisung. Bei 52 % der Patienten bestand eine Hypertonie. 21,8 % hatten eine Tachykardie, wobei die EKG-Veränderungen in Relation zum Alter und zum Schweregrad des Erscheinungsbildes zunahmen. In 93,9 % wurde ein Notfall-EKG und nur in 8,5 % zusätzlich ein 12-Kanal-EKG geschrieben. Am häufigsten wurden bei der medikamentösen Therapie mit 39,1 % Analgetika eingesetzt. Vasodilatatoren folgten mit 29,1 %, Sedativa mit 19,5 %. Der Einsatz von Antiemetika (18,1 %) ist im Zusammenhang mit den zur Analgesie verwandten Opioiden zu sehen. Typische Kardiaka wie Katecholamine (10,6 %), Antihypertensiva (10,8 %), Antiarrhythmika (9,9 %) oder Diuretika (7,1 %) wurden nur durchschnittlich bei 10 % der Patienten verabreicht. In 68,6 % verbesserte sich der Zustand nach notärztlicher Intervention. In 28,1 % blieb er unverändert, in 3,3 % kam es zu einer Verschlechterung. Folgerung: In Bayern sind die strukturellen und logistischen Voraussetzungen für eine frühzeitige Versorgung von Patienten mit ACS im präklinischen Bereich gegeben. Allerdings könnten die Maßnahmen des Rettungsdienstes sowie die medikamentöse notärztliche Therapie verbessert werden. Ein Grund hierfür ist die Begrenzung der Ressourcen in der Präklinik und die Qualifikation der Notärzte. Das Notarztprotokoll in der vorliegenden Fassung kann nur ein begrenzt umfassendes Bild der präklinischen Versorgung geben.

Abstract

Regarding patients suffering from cardiovascular diseases, the most common reason for call-outs of German emergency physicians is in 37.2 % of cases, the acute coronary syndrome (ACS). Despite substantial improvements in diagnosis and therapy a reduction of mortality rate has not been documented. 200,221 protocols of emergency physicians were analyzed regarding the prehospital treatment of ACS (23 338 cases) by German emergency physicians. It was a retrospective analysis from available protocols of the emergency medical services in Bavaria. Within 15 minutes after the emergency call the physician reached 92.2 % of the patients. The time to treatment averaged 23.2 (± 3.3) minutes. In 37.5 % of the call-outs there was only a slight danger, while in 35.6 % an acute life-threatening event was the reason for hospitalization. Hypertension existed in 52 % of the patients. 25.5 % had a tachycardia, with ECG-changes increased with age and severity of the syndrome. In 93.9 % an emergency-ECG was recorded but only in 8.5 % a 12-channel-ECG. Most frequently (39.1 %) analgetics were administered. Vasodilatators followed in 29.1 %, sedatives in 19.5 %. Antiemetics (18.1 %) were associated with the use of opioids. Typical cardiovascular drugs, such as catecholamines (10.6 %), antihypertensives (10.8 %), antiarrhythmics (9.9 %) or diuretics (7.1 %) were given less frequently. In 68.6 % of the cases the condition improved after medical intervention, in 28.1 % it remained unchanged and in 3.3 % it deteriorated. Conclusion: Structural and logistic conditions for an early care in Bavaria are provided for prehospital treatment of patients with ACS. However, life support and medical therapy by the emergency physician still can be improved. The actual protocol of emergency physicians does not provide a complete view of the prehospital medical care.

Literatur

Prof. Dr. med. Peter Sefrin

Zentrum für Operative Medizin · Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie der Universität Würzburg · Sektion für präklinische Notfallmedizin

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