Psychiatr Prax 2006; 33(2): 67-73
DOI: 10.1055/s-2004-834674
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wie erleben Professionelle der gemeindepsychiatrischen Versorgung in Österreich ihre Tätigkeit? - Eine inhaltsanalytische Studie

How do Community-Based Mental Health Staff in Austria Perceive their Job? - A Qualitative StudyHemma  Swoboda1 , Ingrid  Sibitz1 , Stefan  Frühwald2 , Günther  Klug3 , Belinda  Bauer1 , Stefan  Priebe4
  • 1Abteilung für Sozialpsychiatrie und Evaluationsforschung, Universitätsklinik für Psychiatrie, Universität Wien
  • 2Psychosozialer Dienst, Caritas der Diözese St. Pölten
  • 3Dachverband der sozialpsychiatrischen Vereine Steiermarks
  • 4Unit for Social and Community Psychiatry, Barts and the London School of Medicine
Die Autoren möchten sich bei all jenen Mitarbeitern der gemeindepsychiatrischen Einrichtungen, die an dieser Untersuchung teilgenommen haben, herzlich bedanken
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Publication Date:
24 February 2006 (online)

Zusammenfassung

Anliegen: Das Ziel dieser Studie war es, das Erleben von in der österreichischen gemeindepsychiatrischen Versorgung tätigen Professionellen in Bezug auf ihre berufliche Tätigkeit mit einer qualitativen Methodik zu untersuchen. Methode: An 195 Mitarbeiter der gemeindepsychiatrischen Einrichtung zweier österreichischer Bundesländer wurden sieben offene Fragen zum Erleben ihrer beruflichen Tätigkeit gestellt. Die Fragen bezogen sich auf das Aufgabenspektrum, erforderliche Kompetenzen und auf positive und negative Aspekte der beruflichen Tätigkeit. Die Antworten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Ergebnisse: Die am häufigsten genannten positiven Aspekte der beruflichen Tätigkeit waren der Kontakt mit Klienten und die Arbeit im Team. Als belastend wurden vor allem die Krankheitssymptome der Klienten, unklare Rollendefinitionen, Teamkonflikte und enge zeitliche Rahmenbedingungen erlebt. Als erforderliche, aber mangelhafte Kompetenzen wurden von den Professionellen am häufigsten berufsübergreifende Kenntnisse und psychosoziale Basiskompetenzen genannt. Schlussfolgerungen: Die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team könnte effektiver gestaltet werden. Die alleinige Verantwortung für schwierige Patienten könnte durch gemeinsame Zuständigkeiten ersetzt werden, wobei die einzelnen Berufsgruppen gefordert sind, ihre Kenntnisse in die Teamarbeit einzubringen. Auch sollten an die Bedürfnisse der einzelnen Berufsgruppen angepasste Fortbildungen angeboten werden, die spezifische - für die Tätigkeit in der gemeindepsychiatrischen Versorgung erforderliche - Fertigkeiten vermitteln.

Abstract

Objective: The aim of this study was to explore, using a simple qualitative design, how community mental health staff in Austria perceive their job. Method: 195 community-based mental health professionals answered seven open questions on how they perceive their job. The main areas covered were the most important tasks of the job, skills necessary to perform these tasks, as well as positive and negative aspects of the job. Answers were subjected to thematic content analysis. Results: For most professionals, contact with clients and team colleagues were the major rewards of the job. Aspects experienced as stressful were the clients' illness, role ambiguity, team conflicts and lack of time. Necessary skills many respondents did not feel competent in were specialised knowledge and psychosocial skills. Conclusions: It might be useful to revise existing forms of collaboration within multiprofessional teams. The responsibility for difficult patients may be shared by several members of the team, who should contribute their specific knowledge. Training should be tailored towards the needs of the different professional groups and focus on those skills that are required in community mental health care.

Literatur

Dr. Hemma Swoboda

Universitätsklinik für Psychiatrie

Währinger Gürtel 18 - 20

1090 Wien · Österreich

Email: hemma.swoboda@meduniwien.ac.at

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