Inf Orthod Kieferorthop 2005; 37(3): 219-234
DOI: 10.1055/s-2005-836896
© Georg Thieme Verlag

Klasse-II-Behandlung - Fragebogen und Fallbeispiele

Class II Malocclusion Treatment - Questionaire and Case ReportsJ. Sandler1
  • 1Dept. of Orthodontics, Chesterfield Royal Hospital, Chesterfield, England
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Publication Date:
05 October 2005 (online)

Frage 1

Beobachten sie bei ihren Klasse-II-Patienten häufiger eine maxilläre Protrusion oder eine mandibuläre Retrusion? Welche Parameter verwenden sie zur Diagnostik der Klasse-II-Fehlbisslage? Welches kephalometrische Analyseverfahren und welche Weichteilpunkte bzw. -strecken verwenden sie?

Bei der Mehrzahl der Klasse-II-Fälle, die ich zur Zeit behandle, findet sich eine Kombination aus maxillärer Protrusion und mandibulärer Retrusion. Die mandibuläre Retrusion ist allerdings in der Regel stärker ausgeprägt.

Bei der Diagnostik ist das Wichtigste meine eigene klinische Beurteilung eines Falles. Diese klinische Einschätzung wird zusätzlich durch eine relativ einfache kephalometrische Analyse unterstützt. Mit Hilfe von SNA-, SNB- und ANB-Winkel wird das Ausmaß der Pro- bzw. Retrognathie von Ober- bzw. Unterkiefer bestimmt. Die vertikalen Lagebeziehungen der Kiefer werden anhand des Oberkieferebenen- und des Unterkieferebenenwinkels beurteilt und die dentalen Beziehungen mit Hilfe von Overjet und Overbite sowie der Neigung der oberen und unteren Frontzähne gegenüber der jeweiligen skelettalen Basis.

Was die Weichgewebe betrifft, so interessiert mich hier besonders die Lage der Lippen gegenüber der Ästhetiklinie, der Nasolabialwinkel und die Bedeckung der Zähne durch die Lippen, sowohl beim entspannten Mund, als auch beim Lächeln. Besonders wichtig ist mir dabei die Beziehung zwischen den oberen Frontzähnen und der Unterlippe, da ich, wo immer möglich, ein Behandlungsergebnis anstrebe, bei dem die oberen Frontzähne durch die Unterlippe stabilisiert werden, was die Chancen auf ein stabiles Therapieresultat erhöht.