Laryngorhinootologie 2005; 84: 156-185
DOI: 10.1055/s-2005-861147
Gestörtes Schlucken und gestörte Ernährung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gestörtes Schlucken und gestörte Ernährung
Wiederherstellende Verfahren bei gestörtem Schlucken und gestörter Ernährung

C.  Motsch1
  • 1Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (Direktor: Univ.-Prof. Dr. B. Freigang)
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Publication Date:
22 April 2005 (online)

Zusammenfassung

So mannigfaltig die Ursachen einer oropharyngealen Dysphagie sein können, so breitgefächert ist auch deren Therapiespektrum. Die operativen Behandlungsmöglichkeiten zur Wiederherstellung des Schluckens haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine wesentliche Bereicherung durch Methoden der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie, insbesondere des mikrochirurgisch revaskularisierten Gewebetransfers und durch minimal-invasive, endoskopische Techniken unterschiedlichster Couleur erfahren. Zahlenmäßig stehen die Wiederherstellung des pharyngolaryngealen Traktes nach Resektion von Plattenepithelkarzinomen in Mundhöhle, Pharynx und Larynx sowie die funktionelle Schlucktherapie zur Behandlung posttherapeutischer Folgezustände im Vordergrund.

Dysphagie und Mangelernährung sind untrennbar miteinander verbunden. Jeder dritte Patient einer Klinik leidet auch in Deutschland an Mangelernährung. HNO-Tumorpatienten sind davon nicht ausgenommen. Das Vorliegen einer progredienten Mangelernährung steigert die Mortalität, die Morbidität, die individuelle Komplikationsrate, verlängert die Dauer des stationären Krankenhausaufenthaltes und senkt die individuelle Therapietoleranz, die Immunkompetenz, die allgemein physische und psychische Verfassung und somit insgesamt die Prognose. Die Ernährungstherapie muss deshalb bei den onkologischen Patienten eine Schlüsselrolle in der Supportivtherapie einnehmen. Gerade Patienten, bei denen eine lange Schluckrehabilitation zu erwarten ist, kann eine enterale Ernährung über eine frühzeitig angelegte perkutan endoskopisch kontrollierte Gastrostomie (PEG) die therapeutischen Bemühungen sinnvoll und effektiv unterstützen.

Ernährung und Onkologie stellen einander beeinflussende Bereiche dar, in denen perspektivisch ein Paradigmenwechsel von der Therapie zur Prävention erfolgen muss. Einerseits ruft Krebs Mangelernährung hervor, andererseits könnten machbare Änderungen der Ernährung und ernährungsassoziierter Lebensgewohnheiten, chronischen Alkohol- und Tabakkonsum inbegriffen, die Krebsinzidenz weltweit um 30 bis 40 % senken (American Institut of Cancer Research 1999).

Esse oportet, ut vivas, non vivere, ut edas.
Du sollst essen um zu leben, nicht leben um zu essen.
Cicero 106 - 43 v. Chr.

Literatur

Priv.-Doz. Dr. med. habil. Christiane Motsch

Univ.-HNO-Klinik der Otto-von-Guericke-Universität ·

Leipziger Straße 44 · 39120 Magdeburg

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