Laryngorhinootologie 2006; 85(1): 32-37
DOI: 10.1055/s-2005-870274
Otologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Behandlung der Innenohrschwerhörigkeit bei akuter viraler Otitis media mittels intratympanaler Injektion von Dexamethason und Hyaluronsäure im Vergleich zur rheologischen Infusionstherapie

Treatment of Sensorineural Hearing Loss in Acute Viral Otitis Media with Intratympanic Dexamethasone and Hyaluronic Acid in Comparison with Intravenous TherapyM.  Stenner1 , P.  Jecker1 , H.  Gouveris1 , W.  Mann1
  • 1 Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. mult. W. J. Mann)
Statistische Beratung durch das Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.Auszugsweise vorgetragen auf der 88. Jahrestagung der Vereinigung Südwestdeutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte, September 2004 in Pforzheim.
Further Information

Publication History

Eingegangen: 19. November 2004

Angenommen: 21. April 2005

Publication Date:
29 August 2005 (online)

Einleitung

Die akute virale Otitis media ist eine, in der Mehrzahl der Fälle bakteriell überlagerte, akute, meist über die Tuba auditiva aus dem Nasopharynx fortgeleitete virusbedingte Entzündung der Mittelohrschleimhaut [1].

Zu den möglichen Komplikationen zählt u. a. die Innenohrbeteiligung in Form einer akuten serösen Labyrinthitis [1] [2]. Hierbei kommt es zu einer sensorineuralen Schwerhörigkeit (SNSH) als Zeichen der cochleären Beteiligung. Gelegentlich können auch Drehschwindel, Reiznystagmus und Übelkeit als Zeichen der vestibulären Beteiligung auftreten. Die Häufigkeit der SNSH im Rahmen einer akuten Otitis media liegt bei etwa 1 % [3]. Pathophysiologisch wird diese Form der Labyrinthitis durch einen Übertritt von Toxinen aus dem Mittelohr durch die Membran des runden Fensters in die Cochlea ausgelöst und hat einen Haarzellschaden zur Folge [4]. Besonders betroffen sind dabei die äußeren Haarzellen der mittleren und basalen Windung der Cochlea, wodurch ein sensorineuraler Hochtonverlust hervorgerufen wird [5]. Die seröse Labyrinthitis kann ohne bleibenden Schaden ausheilen. Es besteht jedoch die Gefahr des Übergangs in eine eitrige Labyrinthitis, welche nur unter Funktionsverlust ausheilt und sogar zu Taubheit führen kann.

Gängige Therapiekonzepte einer akuten serösen Labyrinthitis beinhalten zurzeit hauptsächlich die Gabe von Antibiotika sowie entzündungshemmender und durchblutungsfördernder Medikamente. Dies umfasst die alleinige Gabe von oralen oder i. v. Kortikosteroiden oder deren Kombination mit Pentoxifyllin und Hydroxyethylstärke, z. B. über 10 Tage in absteigender Dosierung nach definiertem Schema [6] [7].

Für den idiopathischen Hörsturz und den M. Menière wurde zusätzlich der positive Effekt einer intratympanalen Applikation von Dexamethason und Hyaluronsäure beschrieben. Es konnte gezeigt werden, dass dies zu signifikant höheren Konzentrationen an Kortikosteroiden in der Perilymphe führt, als es auf systemischem Wege möglich ist [8] [9]. Intratympanale Injektionen wurden beim Hörsturz, beim M. Menière und beim Tinnitus mit unterschiedlichem Erfolg angewandt, und einige Autoren beschreiben einen dadurch bedingten positiven Effekt von mehr als 20 dB in einzelnen Fällen [9] [10] [11] [12] [13]. Über die Wirkung dieser Maßnahme bei einer toxischen Innenohrbeteiligung liegen bisher noch keine Daten vor. Deshalb wurde am eigenen Patientengut untersucht, inwieweit die zusätzliche intratympanale Injektion von Dexamethason und Hyaluronsäure zur Verbesserung der Hörschwelle bei Patienten mit toxischem Innenohrschaden nach akuter viraler Otitis media beiträgt.

Literatur

Dr. med. Markus Stenner

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

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