Geburtshilfe Frauenheilkd 2006; 66(3): 252-257
DOI: 10.1055/s-2005-872837
Übersicht

Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erhalt der ovariellen Funktion bei jungen onkologischen Patientinnen mit drohender Infertilität unter Radio-/Chemotherapie: Eine kritische Übersicht

Retention of Ovarian Function in Young Cancer Patients with Expected Infertility After Radio-/Chemotherapy: A Critical OverviewD. Denschlag1 , I. B. Runnebaum2 , C. Keck1 , G. Gitsch1
  • 1Universitäts-Frauenklinik Freiburg
  • 2I. Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
Further Information

Publication History

Eingang Manuskript: 5.4.2005 Eingang revidiertes Manuskript: 28.7.2005

Akzeptiert: 16.8.2005

Publication Date:
20 April 2006 (online)

Zusammenfassung

Wird bei malignomerkrankten Frauen in der reproduktiven Lebensphase eine Chemo- oder Strahlentherapie erforderlich, so hat dies in vielen Fällen die Infertilität der Patientin zur Folge. Während für den Mann die Kryokonservierung von Ejakulat ein anerkanntes Verfahren zur Fertilitätserhaltung darstellt, ist die Kryokonservierung von Eizellen nicht etabliert. Die Kryokonservierung von reifen Eizellen scheitert an der Empfindlichkeit dieser Zellen gegenüber dem Konservierungsvorgang. Die Kryokonservierung von unreifen und damit robusteren Eizellen ist zwar möglich, die anschließend notwendige In-vitro-Maturation (Reifung) der Zellen ist jedoch nur selten erfolgreich. Seit im letzten Jahr eine belgische Arbeitsgruppe über die erste erfolgreiche Schwangerschaft bzw. Geburt nach Kryokonservierung von ovariellem Gewebe mit anschließender autologer Transplantation berichtet hat, ist die Problematik des Kinderwunschs junger Patientinnen nach einer entsprechenden onkologischen Behandlung in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt [[1], [2]]. Dadurch, dass die Entwicklung dieser Strategien erst in den „Kinderschuhen“ steckt, sollten sie lediglich an ausgewiesenen Zentren, nach ausführlicher interdisziplinärer Beratung der betroffenen Patientin über die geringen Erfahrungen beim Menschen, durchgeführt werden. In der Hand des verantwortungsbewussten Experten und im Einvernehmen mit der Patientin werden diese Techniken jedoch mit wachsender Erfahrung in Zukunft im Rahmen einer interdisziplinären und individuellen onkologischen Behandlung bzw. Betreuung zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Abstract

Recent advances in the diagnosis and treatment of childhood, adolescent, and adult cancer have greatly enhanced the life expectancy of men and women with cancer. However, for most men and women, gonadal damage caused by radio- and/or chemotherapy will result in irreversible infertility. In contrast to the well established strategy of sperm cryopreservation in men, the technique of oocyte cryopreservation is still experimental. Since Donnez et al. published an account in 2004 about the first successful pregnancy after cryopreservation and autologous transplantation of ovarian tissue, the problem of fertility prophylaxis in female cancer patients has attracted broader attention [[2]]. With respect to the current limited experience regarding the different strategies, these patients should be counselled extensively in a multidisciplinary approach about the limited available evidence in the human. In the near future, however, with growing expertise in that field this concept will become an integral part of individual treatment in young female cancer patients.

Literatur

Prof. Dr. G. Gitsch

Universitäts-Frauenklinik Freiburg

Hugstetter Straße 55

79106 Freiburg

Email: [email protected]